Die Kreisstadt Northeim muss mehr für den Klimaschutz tun

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In Northeim noch Mangelware: Erneuerbare Energien wie zum Beispiel Windkraft werden in der Kreisstadt noch nicht ausreichend genutzt.

Northeim. In Sachen Klimaschutz gibt es in Northeim großen Handlungsbedarf.

Das geht aus dem Klimaschutzkonzept hervor, das von der Target GmbH aus Hameln erarbeitet worden war und für das sich der Rat der Stadt in seiner Sitzung am Donnerstagabend einstimmig aussprach.

Nach ermittelten Zahlen betrug der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) in Northeim im Jahr 2013 insgesamt 315 000 Tonnen. Das bedeutet, dass pro Einwohner elf Tonnen des klimaschädlichen Gases in die Atmosphäre entlassen wurden. Mit diesem Wert liegt die Kreisstadt über dem Bundesdurchschnitt von etwa zehn Tonnen. Auch der Gesamtenergieverbrauch pro Einwohner und Jahr lag im untersuchten Zeitraum mit 34 Megawattstunden über dem Bundesdurchschnitt von 30,5 Megawattstunden.

28,8 Prozent des Energieverbrauchs entfielen auf die Wirtschaft, 40,4 Prozent auf die Privathaushalte und 30,8 Prozent auf den Verkehr. Der Anteil der kommunalen Liegenschaften betrug etwa ein Prozent.

Sowohl in der Strom- als auch in der Wärmeerzeugung durch Erneuerbare Energien sehen die Gutachter in der Stadt Northeim „deutliche Ausbaupotenziale“. Lediglich knapp sieben Prozent des gesamten Energieverbrauchs wurden 2013 in der Kreisstadt durch Erneuerbare Energien gedeckt. Hierzu fasste der Rat den Beschluss, die Klimastrategie perspektivisch im Leitbild der Stadt zu verankern und bei der Umsetzung mit dem Landkreis zu kooperieren. Um die Stadt im Bereich des Klimaschutzes voranbringen zu können, schlägt die Firma Target einen ganzen Maßnahmenkatalog vor.

Der enthält nach Einschätzung von Ratsherr Burkhard Ernst (FDP) allerdings „auf 160 Seiten keine Lösung“ für das Klimaproblem, sondern gebe lediglich einige Ziele vor, die aber voraussichtlich nicht zu erreichen seien.

Im Klimaschutzgutachten empfiehlt die Firma Target zur Schaffung von nötigen Strukturen unter anderem den Aufbau einer zentralen Ansprechstelle, die Einrichtung einer Lenkungsgruppe Klimaschutz und die Einstellung eines Klimaschutzmanagers. Der würde die Stadt Northeim laut Verwaltungsvorlage über einen Zeitraum von drei Jahren lediglich 33 500 Euro Kosten, da hierfür Fördergelder zur Verfügung ständen.

Ein solcher Manager hätte nach Einschätzung des FDP-Ratsherrn Burkhard Ernst angesichts der derzeitigen Situation in Northeim allerdings viel zu tun. Er glaubt nicht, dass man die Problematik überhaupt jemals in den Griff bekommen wird. „Bei der NOM-Mot hofieren wir einmal im Jahr das Auto als größten Klimakiller, und wir lassen es zu, dass der Kiessee mit Motorbooten befahren wird“, zählt er einige Gründe für seine pessimistische Beurteilung auf. „Wie wollen keine Windräder und auch keine Strommasten, die sauberere Energie transportieren.“

In der Kernstadt habe ein Hauseigentümer sogar eine bereits installierte Photovoltaikanlage wieder abbauen müssen, weil der Denkmalschutz etwas dagegen gehabt habe, so Ernst, der trotz seiner Kritik ebenso wie alle anderen Ratsmitglieder für das Konzept stimmte.

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