Findung einer neuen Tarifstruktur bis 2020

Kritik bei Tagung in Northeim: Busfahren in Südniedersachsen ist zu teuer

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Linienbus am Northeimer Bahnhof.

Northeim. Die Fahrpreise für den Öffentlichen Personenverkehr sind zu hoch. Das war ein wesentlicher Kritikpunkt bei der Auftaktveranstaltung zur Findung einer neuen Tarifstruktur in den Kreisen Northeim, Göttingen und Holzminden.

Die neue Tarifstruktur soll bis 2020 entwickelt werden, kündigte die Vorsitzende des Zweckverbandes Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (ZVSN), Göttingens Erste Kreisrätin Christel Wemheuer, bei der Zusammenkunft in der Northeimer Stadthalle an.

Aber nicht nur auf die Preise soll geschaut werden: Insbesondere stehen strukturelle Veränderungen auf dem Prüfstand. Dazu gehören beispielsweise die Einführung von Zeitkarten in einer Tarifzone statt Streckentickets und Sozialfahrkarten.

Rund 50 Interessierte kamen zur Auftaktveranstaltung. „Durch ein Gutachten wollen wir feststellen, wo Handlungsbedarf gesehen wird“, sagte Northeims Landrätin Astrid Klinkert-Kittel.

Das Gutachten zur Verbesserung der Tarifstruktur, die inzwischen auf ein Alter von rund 19 Jahren zurückblickt, wird vom Hamburger Büro Civity Management Consultants erstellt. Grundlage dafür sind unter anderem Vorschläge aus dem 2016 verabschiedeten Nahverkehrsplan.

Dazu gehören nach Darstellung des Civity-Vertreters Matthias Schulz folgende Maßnahmen: ÖPNV-Ticket kombiniert mit Gäste- beziehungsweise Kurkarte, zeitliche Differenzierung von Abo-Jahreskarten, Ausweitung des Göttinger Semestertickets, eine Verbesserung der Übergangstarife zu benachbarten Gebieten und die Überarbeitung der Tarifzonen.

ZVSN-Verbandsgeschäftsführer Michael Frömmig, sagte, einige Verbesserungen wie ein Schnellbus von Duderstadt nach Göttingen, seien bereits angeschoben worden.

Bei der Umsetzung aller gewünschten Maßnahmen sei jedoch zu bedenken, dass es inzwischen einen Mangel an Busfahrern in der Region gebe.

Eine Menge kritischer Anmerkungen mussten sich die Spitzen der Landkreise Northeim, Göttingen und Holzminden sowie des Zweckverbandes Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (ZVSN) bei ihrer Auftaktveranstaltung zur Findung der neuen Tarifstruktur anhören. So bemängelte Sabine Stahl von der Diakonie Bad Gandersheim, dass es kein Sozialticket gibt.

 Eine Einzelfahrkarte beispielsweise von Bad Gandersheim nach Northeim koste 15 Euro. „Das ist für sozial Schwache, die auf Unterstützung angewiesen sind, nicht leistbar.“ Hans-Georg Schwedhelm aus Duderstadt unterstützte die Forderung nach einem Sozialticket und regte an, gleich in den Jobcentern dafür Werbung zu machen. Das müsste auch bei Personen geschehen, die Grundsicherung im Alter erhalten würden.

 Sabine Stahl bemängelte zudem, dass Dörfer während der Ferien nicht erreichbar seien, weil Schulbusse in dieser Zeit nicht fahren würden. Der Ortsbürgermeister von Uslar-Verliehausen, Friedhelm Leßner, kritisierte, dass die Anbindung von Bussen und Bahnen nicht gewährleistet seien. Er forderte eine bessere Abstimmung der unterschiedlichen Verkehrsträger. 

Unverständlich nannte Rolf Hofmeister aus Reiffenhausen bei Friedland, dass eine Tageskarte 10,30 Euro koste, in der Stadt Göttingen aber nur sechs Euro. Er forderte, dass Tickets nicht nur auf einer Strecke, sondern in Zonen gelten sollen. 

Karl-Heinz Rakebrandt vom Verein Bürgerbus Adelebsen bemängelte, dass sein Verein die gleichen Fahrpreise nehmen müsse wie der ZVSN, obwohl die Fahrer ehrenamtlich tätig seien.

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