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Wenig Besucher trotz gelockerter Corona-Regeln im Northeimer Theater der Nacht

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Von: Michael Caspar

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Hoffen auf viele Besucher: Von links Susanne Pauli, Kyra Arendt, Ruth Brockhausen, Heiko Brockhausen, Carl-Christian von Plate Stralenheim und Andreas Schridde.
Hoffen auf viele Besucher: Von links Susanne Pauli, Kyra Arendt, Ruth Brockhausen, Heiko Brockhausen, Carl-Christian von Plate Stralenheim und Andreas Schridde. © Michael Caspar

Seit August 2021 ist das Theater der Nacht in Northeim nach der Corona-Zwangspause wieder geöffnet, aber vielen erscheint ein Besuch offensichtlich zu riskant. „Zu unrecht“, erklärt Ruth Brockhausen, die Vorsitzende des Theatervereins.

Northeim – Im verwunschenen Haus an der Oberen Straße herrscht die 3G-Regel und bis zum Sitzplatz Maskenpflicht. „Die Lüftungsanlage erneuert die Raumluft mehrmals in der Stunde – nach aufwendigen Umbauten bis in den letzten Winkel des Gebäudes“, betont Vereinsvorstand und Puppenspieler Heiko Brockhausen.

„Viele verunsichert, dass die Politik trotz einer Corona-Inzidenz auf Rekordhöhe fast alle Beschränkungen gelockert hat“, beobachtet Theaterpädagogin und Projektassistentin Susanne Pauli. Gesundheitsbewusste Menschen blieben vorsichtshalber zu Hause, insbesondere wenn sie zu einer der Risikogruppen gehörten.

Hinzu komme noch, dass nicht wenige Bürger Kultur mittlerweile als „gefährlich“ wahrnehmen würden. Während der Lockdown-Phasen seien schließlich Kultureinrichtungen immer als erste geschlossen und als letzte geöffnet worden. „Andere haben sich in den vergangenen zwei Jahren vielleicht auch neu orientiert und andere Formen der Freizeitgestaltung gefunden“, gibt Andreas Schridde zu bedenken, einer der rund 50 ehrenamtlichen Helfer.

„Ich bin früher einmal in der Woche ins Kino gegangen, habe das aber schon lange nicht mehr gemacht“, bestätigt Theaterpädagogin Pauli. Neulich sei sie mal wieder bei einem Konzert gewesen und habe gestaunt, wie sehr es ihr gefallen hat. „Ich hatte das schon ganz vergessen.“

Zurückhaltung nehme das Theater auch bei den Ehrenamtlichen wahr, deren Engagement unentbehrlich sei. Vor allem Ältere scheuten vor zu viel Kontakt zu anderen Menschen zurück und wollten daher nicht mehr so gerne an der Einlasskontrolle oder an der Theke arbeiten.

„Keine Einbrüche verzeichnet unser 950 Mitglieder starker Förderverein, der seit Jahre wächst trotz der üblichen Austritte, etwa aufgrund eines Umzugs oder veränderter Lebensumstände“, erklärt der Vorsitzende, Carl-Christian von Plate Stralenheim. Puppenspielerin Brockhausen ist trotzdem besorgt: „Bisher sind viele Zuschauer nach einer Aufführung aus Begeisterung spontan beigetreten.“ Das passiere aufgrund deutlich gesunkener Besucherzahlen nun seltener.

Die geringe Resonanz mache auch den Künstlern zu schaffen. Sie bereiten sich lange vor und treten dann vor gerade einmal 15 Zuschauern auf: „Schwer zu ertragen ist daneben auch die Unsicherheit“, sagt sie, denn ein erneuter Lockdown würde den kompletten Spielplan über den Haufen werfen.

Besonders schwer hat es die Auszubildende Kyra Arendt, die im zweiten Lehrjahr ist: „Ich habe das Gefühl, die Zeit vergeht, ohne dass ich wirklich etwas lerne.“ (Michael Caspar)

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