Rückkehr ins Winterquartier in Einbeck

Das Lächeln fällt nun schwer - Zirkus Charles Knie sagt Show ab

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Leere Ränge, Transportboxen, gestapelte Stühle: Zirkusdirektor Sascha Melnjak am Freitag im beinahe gänzlich abgebauten Zelt. 

Die sonst heitere Stimmung ist am Boden, selbst Clown Gino bekommt kein Lächeln mehr über die Lippen. Zirkusdirektor Sascha Melnjak, der sonst immer für einen lockeren Spruch zu haben ist, fehlen die Worte.

Der Landkreis Northeim hat zum Schutz der Bevölkerung vor dem Coronavirus das Gastspiel des Zirkus in Northeim untersagt. Grund dafür seien die aktuelle Lage und die Größe der Veranstaltung.

Das Winterquartier ist nun anstelle von Hannover der nächste Halt des Zirkus Charles Knie, ob Ausweichtermine stattfinden, ist bislang unklar.

Artisten können nicht in Heimat

Auch unter den Akteuren ist die Stimmung am Boden. Angereist aus 11 Nationen stehen 92 Mitarbeiter vor der Frage, was nun als Nächstes passiert, wo sie wohnen werden und wie. 

Die Situation ist ernst. Einige Artisten, wie beispielsweise das Showballett aus Südamerika, können wegen geschlossener Grenzen nicht in ihre Heimat zurückkehren. Auch das Schwesterntrio „Bello Sisters“, welches italienische Wurzeln hat, wird aktuell nicht abreisen können.

So hätte es aussehen sollen: Die Tänzerinnen des südamerikanischen Showballetts am Donnerstag bei der Generalprobe. 

Die Show war eine Premiere. Noch am Donnerstag bei der Generalprobe übte das Zirkusteam in schillernden Kostümen und stets mit einem breiten Lächeln im Gesicht vor einem leeren Zelt, als seien Tausende Zuschauer anwesend. 

Alles passte, jeder Handgriff saß, alle waren bereit, dem Publikum ihr Können unter Beweis zu stellen.

Nächste Schritte unklar

„Für uns heißt es jetzt erst einmal abbauen, alles Weitere ist bis auf die Rückkehr nach Einbeck unklar“, erklärt Sascha Melnjak. Die Karten für die Shows in Northeim können an der Zirkuskasse zurückgegeben oder gegen Gutscheine eingetauscht werden, die drei Jahre gültig sind. 

Ein Abbruch des Gastspiels sei für einen Zirkus aus finanzieller Sicht eine Katastrophe, so der Zirkusdirektor. Die Gutscheine können wenigstens vorerst anfallende Kosten decken.

Zelt wie leergefegt

„Es ist eine Tragödie“, sagt auch Mirjan Mavriqi, Chef des Gastrozelts, der das Team außerdem als Einkäufer unterstützt. Brezeln, Eiscreme, Würstchen, die eigentlich für die Gäste in Massen angeschafft wurden, werden nun das Personal des Zirkus über Wasser halten. 

„Wir können natürlich unsere Mitarbeiter nicht einen Monat lang Brezeln essen lassen. Es ist eine unvorstellbare Situation, die Wirklichkeit geworden ist.“

Das Vorzelt ist um 15.30 Uhr am Freitag bereits besenrein – eigentlich sollten hier in einer halben Stunde die Gäste ein Glas Sekt trinken und die Premiere der rund zweieinhalb stündigen Show genießen. 

Laufende Kosten können kaum gedeckt werden

„Jede Branche leidet aktuell unter den Konsequenzen. Wir versuchen alle Anzeigen für die Shows in Hannover zurückzunehmen, aber auch das ist nicht einfach“, so Melnjak. 

Die Artisten ziehen bis auf wenige Ausnahmen mit dem Zirkus in das Winterquartier, Platz gebe es genug, aber auch dort wird die Lage sich verschlechtern. Laufende Kosten wie Futter für die Tiere, Gehälter der Festangestellten und Tierarztkosten beschäftigen den Zirkusdirektor sichtlich. 

Der Zeitpunkt sei denkbar schlecht, da der Zirkus finanziell bei null stünde, erklärt er. Die zwei Monate zwischen dem Winterzirkus und der Premiere in Northeim seien ohnehin für einen so großen Betrieb ein Balanceakt. 

„Wir können nur hoffen, dass der Staat wenigstens einen Teil der Kosten deckt, sonst könnte das das Aus für den Zirkus bedeuten.“

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