Verteilung auf Städte und Gemeinden nach festem Schlüssel

Landkreis Northeim erwartet 2015 über 800 Flüchtlinge

+

Northeim. Asylbewerber werden nach einem festgesetzten Schlüssel auf die Städte und Gemeinden verteilt.

Der Landkreis Northeim erwartet, dass ihm in diesem Jahr mehr als 800 Flüchtlinge und Asylbewerber von der niedersächsischen Landesaufnahmebehörde (LAB) zugewiesen werden. Das geht aus einer Aufstellung der Kreisverwaltung hervor.

Aktualisiert um 16.36 Uhr

Demnach weist die bisher nur bis Ende September feststehende Zuweisungsquote für das laufende Jahr 642 Menschen aus. Hochgerechnet bis zum Jahresende kämen dann 832 Flüchtlinge in den Städten und Gemeinden des Landkreises an, hat die Verwaltung ermittelt.

Die Verteilquote vom 20. November vergangenen Jahres wies für die Städte und Gemeinden des Landkreises bis Ende September diesen Jahres folgende Verteilquoten aus:

• Einbeck: 172 Asylbewerber (davon bis zum 15. Januar bereits zugewiesen: 0),

• Northeim: 147 (24),

• Uslar: 74 (11),

• Dassel: 52 (31),

• Nörten-Hardenberg: 52 (4),

• Bad Gandersheim: 42 (0)

• Hardegsen: 42 (0),

• Katlenburg-Lindau: 40 (7),0

• Moringen: 27 (2),

• Kalefeld: 27 (0) und

• Bodenfelde: 12 (0).

Vor allem die Unterbringung der Flüchtlinge stellt den Landkreis vor Probleme. Dabei will er an der dezentralen Unterbringung festhalten, also keine größere Sammelunterkünften einrichten, sondern Wohnungen anmieten oder kaufen, in denen Flüchtlinge untergebracht werden.

Die Beschaffung von Wohnraum für die Asylbewerber stellt die Kreisverwaltung nach eigenen Angaben vor eine besondere Herausforderung. Die LAB will dem Landkreis demnach pro Woche bis zu 16 Asylsuchende zuweisen, darunter voraussichtlich überwiegend männliche Einzelpersonen. Für die müsse jeweils innerhalb von maximal sieben Werktagen ein Quartier gefunden werden.

Für die Betreuung der Flüchtlinge hat die Kreisverwaltung ein Konzept erarbeitet, das in zwei Wochen im Kreistag beschlossen werden soll.

Hier die wichtigsten Inhalte aus dem Konzept in Frage-und-Antwort-Form.

Wer soll laut des Konzeptes die Integrationsarbeit im Landkreis Northeim leisten? 

Der Landkreis strebt ein miteinander von haupt- und ehrenamtlichen Helfern der Asylbeweber und Flüchtlinge an. Die Fäden sollen dabei in der Kreisverwaltung bei der Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe zusammenlaufen. Zur Verbesserung der Flüchtlingssozialarbeit sind zwei Vollzeitsstellen ausgeschrieben worden.

Gibt es Unterstützung für ehrenamtliche Helfer für Flüchtlinge? 

Der Landkreis unterstützt das Diakonische Werk bei der Erstellung eines Konzepts für eine Koordinierung- und Beratungsstelle „Ehrenamt“. Dort sollen Ehrenamtliche für die Arbeit mit Flüchtlingen beraten und qualifiziert werden.

Wie sollen die Flüchtlinge untergebracht werden? 

Der Landkreis setzt auf eine dezentrale Unterbringung. Größere Gemeinschaftsunterkünfte soll es nicht geben. Auch die Unterbringung in Wohncontainern lehnen Kreisverwaltung und Politik ab. Weil der Bedarf an kleinen Wohneinheiten (für Einzelpersonen) relativ groß ist, ist geplant, Wohngemeinschaften einzurichten.

Wie beschafft der Landkreis Wohnraum?

Der Landkreis hat in Markoldendorf bereits einen Komplex von drei Gebäuden mit jeweils vier kleineren Wohnungen erworben, die für Flüchtlinge hergerichtet werden sollen. Er steht außerdem in Verhandlungen, weitere Gebäude in Einbeck, Bad Gandersheim und Dassel anzumieten oder zu kaufen. Diese Wohnungen sollen vor allem der Erstunterbringung dienen. Grundsätzlich verfolgt der Landkreis die Strategie, dass die Flüchtlinge selbst Wohnraum mieten.

Wie werden die Flüchtlingen auf die Städte und Gemeinden verteilt? 

Die Verteilung erfolgt nach dem so genannten Königsteiner Schlüssel. Er beruht auf der Bevölkerungszahl.

Die Politik hat eine Willkommenskultur gefordert. Wie soll die aussehen?

Die hauptamtliche Betreuung der Flüchtlinge soll verbessert werden – unter anderem durch die Einstellung von zwei Flüchtlingssozialarbeitern. Diese sollen unter anderem den Flüchtlingen Orientierungshilfen geben sowie ihnen Beratung und Begleitung im täglichen Leben bieten. Sie sollen auch die Zusammenarbeit zwischen den Behörden, Institutionen und ehrenamtlichen Gruppen, die in der Flüchtlingsarbeit tätig sind, verbessern.

Die allermeisten Flüchtlinge kommen ohne Deutsch-Kenntnisse hierher. Wie soll die Sprachbarriere überwunden werden? 

Ehe Sprachkurse eine Verständigung ermöglichen, sollen verstärkt Dolmetscher eingesetzt werden – auch ehrenamtliche. Die Kreisverwaltung will dazu eine Richtlinie erlassen, in welchen Situationen Übersetzer zum Einsatz kommen sollen. Denn die Kosten muss der Kreis tragen.

Ist eine Sprachförderung vorgesehen? 

In Schulen sollen Sprachlernklassen eingerichtet werden, damit Flüchtlingskinder schnellstmöglich dem normalen Unterricht folgen können. Für Erwachsene sollen von der Kreisvolkshochschule in Northeim, Einbeck und Bad Gandersheim Sprachkurse für Asylbewerber angeboten werden. Diese sollen vom Bundesamt für Migration finanziert werden.

Sind weitere Maßnahmen geplant? 

Geplant ist ferner eine Broschüre mit Informationen zum Leben in Deutschland, speziell im Landkreis Northeim für die Flüchtlinge, die in zunächst sechs Sprachen aufgelegt werden soll (Englisch, Spanisch, Russisch, Albanisch, Kurdisch und Persisch).

Wie sollen Flüchtlinge in Arbeit gebracht werden? 

Der Landkreis plant dafür eine Zusammenarbeit unter anderem mit der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter und freien Trägern. Angedacht sind beispielsweise die Einrichtung von berufsspezifischen Sprachkursen, aber auch die Unterstützung der Flüchtlinge bei der Anerkennung von Berufsabschlüssen aus ihren Heimatländern. (ows)

Flüchtlingszahlen in anderen Landkreisen im Jahr 2014

Klicken Sie auf die Landkreise, um die Zahlen zu sehen.

Verteilung der Asylsuchenden

Die Entscheidung, wie viele Flüchtlinge in welchen Landkreis kommen, fällt in mehreren Schritten.

Zunächst wird nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel jedem Bundesland ein bestimmter Prozentsatz an Asylsuchenden zugewiesen. Diese Quote wird ausgehend vom Steueraufkommen und der Bevölkerungszahl des jeweiligen Bundeslandes ermittelt.

Anschließend werden innerhalb des Bundeslandes die Flüchtlinge den Landkreisen bzw. Kreisfreien Städten zugeordnet. Auch das richtet sich nach einer Quote, die sich vor allem an der Bevölkerungszahl orientiert. Ein Kreisausschuss deligiert die Flüchtlinge schließlich an die kreisangehörigen Gemeinden.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Asylsuchende in Deutschland proportional von der Bundesebene auf die Kommunalebene verteilt werden.

So hat sich die Zahl der Asylsuchenden in Deutschland über die Jahre hinweg verändert.

Quelle: Regierungspräsidium Darmstadt, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Landkreis Northeim, Landkreis Göttingen

Geodaten: © GeoBasis-DE / BKG 2015 (Daten verändert)

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.