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Landkreis Northeim gibt Gas bei der Windkraft

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Von: Niko Mönkemeyer

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Blick aus der Vogelperspektive auf Windkraftanlagen in Lichtenborn
Auf dem Heiligenberg bei Lichtenborn stehen derzeit drei Windkraftanlagen. Dieser Bereich war bei den Planungen des Landkreises ursprünglich nicht als künftiges Vorranggebiet für Windenergie vorgesehen. Das könnte sich jetzt aber ändern. ARCHI © HUBERT JELINEK

Der Landkreise Northeim muss die geplante Fläche für Windkraftvorranggebiete verdoppeln

Northeim – Die Städte und Gemeinden im Landkreis Northeim werden auch künftig bei der Frage, wo in ihrem jeweiligen Stadt- oder Gemeindegebiet Windkraftanlagen entstehen sollen, ein Wörtchen mitzureden haben.

Bei nur einer Gegenstimme hat der Northeimer Kreistag in seiner jüngsten Sitzung am Freitag mit großer Mehrheit grünes Licht dafür gegeben, dass bei der Aufstellung des neuen Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) die Vorrangflächen für die Nutzung von Windenergie ohne Ausschlusswirkung festgelegt werden sollen. Das heißt, dass die Städte und Gemeinden im Zuge ihrer Bauleitplanung über die im RROP definierten Flächen hinaus ausweisen können.

Die Abgeordneten folgten damit der Begründung der Kreisverwaltung, wonach die bisher favorisierte Planung mit Ausschlusswirkung aufgrund der neuen gesetzlichen Reglungen ohnehin ins Leere laufen würde.

Falls der Landkreis bis Dezember 2032 nicht die vom Land geforderte Fläche für Windkraft erreicht haben sollte, müsste er sowieso außerhalb von Vorranggebieten Windkraftanlagen zulassen.

Da in Niedersachsen bis 2032 insgesamt auf 2,2 Prozent der Landesfläche Windenergie genutzt werden soll, plant der Landkreis nun auch in dieser Größenordnung. Das bedeutet eine Verdoppelung der bislang für Windkraft vorgesehenen Flächen.

Um das zu erreichen, hat der Kreistag beschlossen, jetzt auch bisherige Waldflächen in die Windenergieplanung einzubinden, die nicht als Vorranggebiet Wald in den neuen RROP-Entwurf eingebracht werden. Infrage kommen dafür laut Landrätin Astrid Klinkert-Kittel vorrangig sogenannte Kalamitätsflächen, also durch Sturm, Trockenheit und Borkenkäferbefall geschädigte Waldflächen, sowie Nadelholzbestände. Außerdem sollen Bereiche, die aufgrund der Nährstoffversorgung und der Bodenentwicklung „den Kriterien für einen natürlichen, standortgerechten Waldbestand nicht entsprechen“, künftig für Windkraft genutzt werden können.

Als eine weitere Möglichkeit, genügend Vorrangflächen planen zu können, hat der Kreistag den Vorschlag der Landrätin bewertet, bei der Neuaufstellung des RROP künftig die sogenannte „Rotor-Outside-Lösung“ anzuwenden (wir berichteten). Das bedeutet, dass die Rotoren von Windkraftanlagen über die ausgewiesenen Grenzen der Vorranggebiete hinausragen dürfen und sich nur der Turmfuß innerhalb befinden muss. Im Gegenzug soll aber möglicherweise der Abstand zu Siedlungen erhöht werden. Bislang wurde bei den Planungen die Rotor-Inside-Lösung zugrundegelegt, bei der sich die gesamte Anlage innerhalb des Vorranggebietes befinden muss.

Darüber hinaus sollen auch Bereiche in die Planung einbezogen werden, die bislang nicht als Vorranggebiete vorgesehen waren, aber in denen bereits bestehende Windkraftanlagen derzeit einen zeitlich befristeten Bestandsschutz haben. Damit wäre in diesen Bereichen dann auch das Repowering, also das Ersetzen kleinerer älterer Anlagen durch größere leistungsfähigere, möglich.

Ein Beispiel dafür wären die bestehenden Windkraftanlagen auf dem Heiligenberg bei Lichtenborn, wobei dort dann aber wohl der Abstand zur Wohnbebauung näher betrachtet werden müsste, da der an diesem Standort unter 1000 Meter liegt. Hinsichtlich der künftigen Planungen von Vorranggebieten waren sich nämlich die Kreistagsmitglieder darüber einig, dass der Mindestabstand bei 1000 festgeschrieben werden soll.

Zudem soll jetzt geprüft werden, ob sich die bei bereits laufenden Genehmigungsverfahren von den Investoren gewünschten Standorte für Windräder als Vorrangflächen für Windenergienutzung eignen, auch wenn sie bislang dafür nicht ausgewiesen wurden.

Die jetzt angestrebten Änderungen haben Auswirkungen auf die Kooperationsverträge, die der Landkreis Northeim bezüglich der Planung von Vorranggebieten mit den meisten Städten und Gemeinden abgeschlossen hat.

Nachdem diese signalisiert hatten, dass sie an den Verträgen festhalten möchten, sollen diese nun entsprechend aktualisiert werden. (Niko Mönkemeyer)

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