200 Kinder in Pflegefamilien 

Landkreis Northeim sucht Ersatzfamilien

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Um ein Pflegekind können sich sowohl Paare, als au ch Alleinstehende bewerben: In Northeim haben bisher zwei gleichgeschlechtliche Paare ein Kind in Pflege genommen.

Northeim. In einigen Kommunen werden die Pflegefamilien knapp. Auch im Landkreis Northeim ist der Bedarf an Pflegeeltern in den vergangenen Jahren gestiegen.

So werden laut Kreis-Sprecher Dirk Niemeyer jährlich zwischen zehn und 15 Kinder in Ersatzfamilien vermittelt. Über die Jahre sei ein kontinuierlicher Anstieg zu vermerken: waren es noch 167 im Jahr 2012, so werden aktuell 200 Kinder und Jugendliche in Pflegefamilien betreut.

Gesucht werden immer wieder Familien oder Ehepaare, die bereit sind, ein Kind bei sich aufzunehmen.

Zuständig dafür ist der Fachbereich Kinder, Jugend und Familien des Landkreises Northeim. 

Dabei gibt es drei unterschiedliche Formen der Betreuung: 1. Bereitschaftsfamilien, die Kindern bis zu zehn Jahren aus Notsituationen ein Zuhause geben, wenn noch nicht geklärt ist, ob sie zu ihren leiblichen Eltern zurückkehren können oder für sie ein neuer Lebensmittelpunkt gesucht werden muss. Die Unterbringung findet in der Regel kurzfristig in Form einer Krisenintervention statt.

2. Kurzzeitpflege eignet sich für Kinder, die grundsätzlich von ihren gewöhnlichen Bezugspersonen hinreichend versorgt werden, aber aufgrund besonderer Umstände außerhalb der Familie betreut werden müssen. Der Aufenthalt in dieser Pflegeform ist zeitlich klar begrenzt.

3. Vollzeitpflege brauchen Kinder, die für längere Zeit oder gar nicht mehr bei ihren Eltern leben können. In der Pflegefamilie finden sie ein neues soziales Umfeld, in dem sie sich ihrem Alter entsprechend entwickeln können. Je nach Entwicklungs- oder Verhaltensauffälligkeiten der Kinder oder bei schwierigem Familienhintergrund werden die Kinder in eine besonders geschulte Pflegefamilie vermittelt.

Bei der Aufnahme eines Pflegekindes wird ein monatliches Pflegegeld gezahlt, das sich nach dem Alter und dem erzieherischen Bedarf des Kindes richtet.  Die Pflegesätze liegen monatlich zwischen 700 und 865 Euro je Kind, je nach Alter.

Voraussetzungen und Bewerbungsverfahren

Auf der langen Liste der Bedingungen, die Pflegeeltern erfüllen sollten, steht Freude am Umgang mit Kindern an erster Stelle. Zudem sollte eine stabile familiäre Beziehung, Zeit, Geduld und Einfühlungsvermögen vorhanden sein. Sie sollten körperlich und seelisch belastbar sein, über ausreichend Wohnraum verfügen und bereit sein, Kontakt zur Herkunftsfamilie und dem Pflegekinderdienst zu halten. Um ein Pflegekind können sich sowohl heterosexuelle, gleichgeschlechtliche Paare, als auch alleinstehende Interessenten bewerben. Auch Wohngemeinschaften können ein Pflegekind aufnehmen. Pflegekinder werden vom Jugendamt vermittelt.  Die Bewerbung verläuft ähnlich wie bei einer Adoption. Neben der erzieherischen Qualifikation müssen die Familien eine Reihe formaler Voraussetzungen erfüllen. So müssen sie ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und ein gesichertes Einkommen nachweisen.  

Weitere Informationen unter http://zu.hna.de/Pflegekind

Die Gründe, warum Kinder in Pflegefamilien kommen, sind vielfältig. Mal sind es massive Suchtprobleme, mal psychische Krankheiten, mal traumatische Erfahrungen in der eigenen Kindheit, die die Eltern vor so große Probleme stellen, dass sie ihren Erziehungsauftrag nicht erfüllen können. Die Entscheidung, welches Kind wohin vermittelt wird, ist für das Team des Pflegekinderdienstes ein spannender Prozess. 

„Bei der Vermittlung wird insbesondere darauf geachtet, welche Familie dem Kind am besten helfen kann“, erklärt Kreis-Sprecher Dirk Niemeyer. Der Pflegekinderdienst begleite den Findungsprozess.“

Neben dem Jugendamt des Landkreises gibt es zwei freie Träger, die Pflegefamilien akquirieren und betreuen: die Jugendhilfe Südniedersachsen und das Albert-Schweitzer-Familienwerk. Familien, die Kinder aufgenommen haben, werden regelmäßig von den Mitarbeitern besucht.

Kontakte zum Pflegekinderdienst

Familien, die sich beim Landkreis Northeim als Pflegefamilien bewerben, durchlaufen ein Bewerbungsverfahren. Dieses beinhaltet eine Grundschulung mit speziellen Themen zu Bindung, Herkunftsfamilie und rechtlichen Aspekten. Auch werden die besonderen Problemlagen von Pflegekindern aufgegriffen. Es besteht zudem die Möglichkeit, sich mit bereits tätigen Pflegeeltern auszutauschen. 

Ansprechpartner für den Landkreis Northeim: Isabell Henne, Tel.: 05551/ 708-285, Email: ihenne@landkreis-northeim.de (mel)

Alle Kontakte zum Thema Pflegefamilie unter: http://zu.hna.de/Info-Pflege

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