Bisher nur geringe Nachfrage nach Förderungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket 

Landkreis Northeim will mehr Geld für Kinder ausgeben

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Northeim – Die Northeimer Kreisverwaltung hat ein Strategiepapier zur Neuausrichtung der Förderaufgaben in den Bereichen „Bildung und Teilhabe“ vorgelegt.

Ziel ist, dass, finanzschwache Familien – darunter als größte Gruppe Harz-IV-Bezieher – deutlich mehr Gebrauch von möglichen Förderangeboten für ihre Kinder machen.

Kreisweit profitieren nach Aussagen von Harald Rode, Dezernent für den Bereich Jugend und Soziales in der Kreisverwaltung, nur etwas über sieben Prozent von finanziellen Förderungen, die nach dem Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes möglich wären. Damit liegt der Landkreis noch deutlich unter dem Landesdurchschnitt von zwölf Prozent.

„Das wollen wir zügig ändern und die Teilhabequote deutlich nach oben drücken“, sagt Rode, vor dem Hintergrund dass es Kommunen, wie beispielsweise den Landkreis Verden oder die Stadt Nürnberg mit über 90 Prozent Teilhabequote gebe.

Harald Rode Sozial-Dezernent

Am Geld werde es nicht scheitern, zumal es sich um Bundesmittel handele, das dem Landkreis quasi als durchlaufender Posten zur Verfügung stehen werde. Im Jahr 2018 wurden nach Rode Worten 2,1 Millionen Euro ausgezahlt. Dieser Posten könne sich vervielfachen. Lediglich das Personal zur Steuerung, Beratung und Abrechnung der Teilhabe- und Bildungsleistungen bleibe beim Kreis hängen, und dieses sei jetzt um eine halbe auf zweieinhalb Stellen aufgestockt worden.

Ein Hauptziel, so Rode weiter, sei die Einführung einer Bildungskarte für Kinder, über die Leistungen zum Beispiel von Sport- oder Musikvereinen, Kosten für Nachhilfestunden (nicht nur für versetzungsgefährdete Jugendliche) abgerechnet und auch Pauschalbeträge für Klassenfahrten oder Mittagsverpflegung gespeichert und abgerufen werden können.

Es gelte zudem, die seit diesem Sommer freie Schul-Mittagsverpflegung (der Ein-Euro-Anteil entfällt) und auch insgesamt die Fördermöglichkeiten für Bildung und Teilhabe bekannter zu machen, Vordrucke zu vereinfachen und die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter zu optimieren. 

Die Bildungskarte kommt 2020

Die Bildungskarte, die nach dem Prinzip der aufladbaren Scheckkarte funktioniert, und mit deren Hilfe finanzschwache Familien Förderungen nach dem Bundes-Teilhabepaket für ihr Kinder unbürokratisch einlösen können, soll schon im kommenden Jahr im Kreis Northeim eingeführt werden. 

Kreis-Sozialdezernent Harald Rode: „Wir sind schon in der Vorbereitung und haben uns angeschaut, wie andere Landkreise das machen.“ Einen vorbereitenden Beschluss dazu soll der Kreisausschuss am 21. Oktober fassen.  Dann, so Rode, werde ein Leistungsverzeichnis erstellt, und es werde eine öffentliche Ausschreibung geben. 

Bei der Einführung der Bildungskarte gehe es nicht nur um die Karten als Gegenstand selbst, sondern auch um die Erstellung eines Internet-Portals mit Angeboten, das man über die Karte abrechnen kann. Im Portal sollen dann nach Rodes Worten neben den schulischen Angeboten wie das Mittagessen unter anderem auch Angebote für Kinder und Jugendliche von interessierten Vereinen zu finden sein. Rode: „Ich hoffe, dass wir Mitte nächsten Jahres mit der Karte starten können.“ 

Zudem gelte es nach den Worten des Dezernenten die übrigen Fördermöglichkeiten aus dem Paket „Bildung und Teilhabe (BuT)“ bekannter und leichter zugänglich zu machen. Dass immer noch zu wenig Kinder und Jugendliche das Mittagessen in der Schulmensa nutzen, obwohl dieses für Kinder aus finanzschwachen Haushalten seit diesem Sommer gänzlich frei ist (der bisherige Ein-Euro-Anteil fiel mit einer Gesetzesnovelle weg), müsse aus Sicht des Sozial-Dezernenten dringend geändert werden. 

Deshalb wolle der Landkreis das Modell des sehr erfolgreich gewesenen Projekts „Jeder isst mit“ des beim Diakonischen Werk angesiedelten Uslarer Forums Kinderarmut übernehmen. Rode: „Was die Akteure in Uslar und Bodenfelde geleistet haben, und was letztlich auch landesweit zur Abschaffung des Eigenbeitrags zum Essen geführt hat, ist schon klasse.“ Übernommen werden soll aus dem Uslarer Modell vor allem die aufsuchende Arbeit in Kitas, Grundschulen und vor allem weiterführenden Schulen, um für das freie Mittagessen für BuT-berechtigte Jugendliche die Werbetrommel zu rühren. 

Dafür werde jetzt in der Kreisverwaltung für zwei Jahre eine Netzwerkstelle eingerichtet. Auch mehr Mitgestaltungsmöglichkeiten für Schüler im Mensabetrieb könnte das Mensaessen für Schüler attraktiver machen. Zum Bekanntermachen der BuT-Leistungen gehört nach den Worten von Rode auch Information per Flyer, die den Haushalten mit der Leistungsbewilligung vom Jobcenter automatisch zugeschickt werden. Und dazu gehöre auch, dass Anträge einfach formuliert sind und online zuhause ausgefüllt werden können.

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