Beteiligung an Netzgesellschaft muss geklärt werden

Landkreis Northeim will Breitbandnetz legen: Fragen und Antworten dazu

Verteilerpunkt: Im Glasfasernetz werden die Daten per Licht übertragen. Foto:  dpa

Northeim. Schnelles Internet: Für den Breitbandausbau mit Glasfasertechnologie will der Landkreis eine Gesellschaft gründen.

Der Landkreis Northeim strebt die flächendeckende Anbindung aller Gebäude im Landkreis an das Breitbandnetz für schnelles Internet an. Der Ausschuss für Struktur- und Zukunftsfragen hat in seiner Sitzung am Dienstagabend den Ersten Kreisrat, Dr. Hartmut Heuer, beauftragt, mit den Nachbarlandkreisen (Göttingen, Osterode, Holzminden und Goslar) sowie den Städten und Gemeinden des Landkreises Gespräche darüber zu führen, ob sie sich an dieser Netzgesellschaft beteiligen wollen.

Aktualisiert um 17.30 Uhr

„Nach dieser Abfrage und sobald klar ist, mit welchen Förderbeträgen wir rechnen können, werden wir eine Entscheidung über den Breitbandausbau treffen können“, sagte der Erste Kreisrat. „Wir hoffen, dass sich insbesondere der Bund und auch das Land finanziell an den Ausbaukosten beteiligen.“ Die Förderrichtlinien des Landes und des Bundes sollen bis Jahresende vorliegen.

In der Sitzung stellte das Planungsbüro IBZ Neubauer eine Breitbandstrukturplanung für den Landkreis Northeim vor. Nach den Worten von IBZ-Geschäftsführer Marco Werner sind 40 Prozent der Bevölkerung des Landkreises Northeim nicht an die Breitbandversorgung angeschlossen, beziehungsweise haben keine Aussicht, in den nächsten drei Jahren angeschlossen zu werden.

Für die Versorgung dieser 40 Prozent müsse der Landkreis entscheiden, in welcher Form der Ausbaus erfolgen soll, und ob er nur als Investor des passiven Netzes auftreten oder dieses Netz auch betreiben will.

Mit der Beschlussempfehlung des Ausschusses ist die Alternative, die Erschließung der ländlichen Gebiete einem Netzbetreiber durch die Zahlungen von Zuschüssen schmackhaft zu machen, wohl vom Tisch.

Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Mit welcher Technik soll der Breitbandausbau im Landkreis Northeim erfolgen? 

Ziel ist, ein flächendeckendes Glasfasernetz (FTTB) bis in alle Häuser zu erreichen. Zunächst sollen aber Glasfaserkabel nur bis zu den sogenannten Kabelverzweigern (FTTC) gelegt werden. Das ist der Punkt, von dem aus die Häuser eines Quartiers angeschlossen werden.

Ist mit dem vom Landkreis geplanten Glasfasernetzausbau sichergestellt, dass wirklich alle Haushalte Zugang ans schnelle Internet mit einer Übertragung von 50 Mbit/s haben? 

Das kann niemand genau sagen. Von laut der Erhebung der Firma IBZ 20.600 Gebäuden im Landkreis, die derzeit kein schnelles Internet haben, können 15.300 durch das Netzprojekt des Landkreis erreicht werden. 1950 Gebäude könnten aus rechtlichen Gründen nur durch Aufrüstung des bestehenden Telekom-Netzes an die Datenbautobahn kommen. 32 Gebäude sind aufgrund ihrer abgelegenen Lage für schnelles Internet überhaupt nicht erreichbar. Der Rest kann ebenfalls nicht von den Ausbauplänen des Landkreises profitieren, weil ein Netzanbieter angekündigt hat, in den jeweiligen Bereichen in den kommenden drei Jahren selbst den Breitbandausbau vorzunehmen. In diesen Bereichen ist ein Netzausbau durch die öffentliche Hand ausgeschlossen

Gibt es Gewissheit, dass dieser Netzanbieter seine Ankündigung auch verwirklicht? 

Mehr als eine große Wahrscheinlichkeit gibt es nicht dafür. Die großen Netzanbieter wie die Deutsche Telekom suchen sich nur die Bereiche für ihre Ausbaupläne aus, wo sich der Ausbau auch wirtschaftlich lohnt, also sie durch entsprechend viele Haushalte, die sich an das Netz anschließen, am Netz verdienen

Ist der Ausbau ausschließlich per Glasfaserkabel geplant? !Nein. Abgelegene Bereiche sollen per Wimax erschlossen werden. Das ist eine Datenübertragung per Funk, ähnlich wie W-LAN. Ein Wimax-Sender, der eine maximale Reichweite von 20 Kilometern hat, ist laut IBZ für maximal 50 Teilnehmer geeignet.

Wie viel Kabel muss verlegt werden? 

Bei der angestrebten funkunterstützten FTTC-Lösung müssen mehr als 260 Kilometer verlegt werden. Beim Endziel, der Glasfaserleitung bis in jedes Haus (FTTB), wären es 815 Kilometer.

Gibt es eine Schätzung, was der Ausbau kosten wird? 

Keine offizielle. In der Sitzung wurde von einem Ausschussmitglied Summen jenseits der 100-Millionen Euro-Grenze für die FTTB-Lösung genannt, die unwidersprochen blieben. Sie dürfte damit unrealistisch sein. Zum Hintergrund: die Verlegung eines Meter Kabels schlägt laut IBZ unter einer Straße mit rund 500 Euro zu Buche, im Feld mit nur fünf Euro.

Wann soll der Ausbau beginnen? 

Der Beginn der Arbeiten ist für das nächste Jahr geplant. Das ehrgeizige Ziel lautet, sie bis Ende 2018 abzuschließen. Zuvor muss die Gesellschaftsgründung (mit den Nachbarkreisen und den Städten und Gemeinden des Landkreises?) über die Bühne gehen und klar sein, in welchem Umfang Bund und Land den Breitbandausbau fördern.

Wie will der Landkreis das finanzieren? 

Der Löwenanteil davon wird er durch Kredite finanzieren müssen. Nur ein geringer Anteil wird sich durch Fördermittel des Landes – unter anderem aus dem Südniedersachsenplan – und des Bundes decken lassen. So hat das Land bisher für den Breitbandausbau in ganz Niedersachsen eine Fördersumme von 60 Millionen Euro bis zum Jahr 2020 eingeplant.

Wenn der Landkreis eine Gesellschaft gründen will, die das Netz baut, warum soll diese dann nicht auch das Netz betreiben? 

Es ist noch nicht entschieden, ob die Gesellschaft auch Netzbetreiber werden soll. Dagegen spricht aber der große Aufwand, den Kundenakquise und Service bedeuten. Wahrscheinlicher ist deshalb, dass der Landkreis das Netz an einen Betreiber vermietet.

Sind die Bürger in den jeweiligen Gebieten dann gezwungen, Kunden dieses Netzbetreibers zu werden, wenn sie das schnelle Internet nutzenwollen? 

Ja. Sie sind aber bei der Preisgestaltung nicht ausgeliefert. Der Landkreis kann bei der Vermietung einen Preisrahmen abstecken, zu dem der Netzbetreiber den Internetzugang den Endkunden anbieten darf.

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