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Lehrermangel bereitet den Schulen im Landkreis Northeim Probleme

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Von: Niko Mönkemeyer

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Blick auf die Grundschule Hardegsen
An der Grundschule Hardegsen hat sich die Situation hinsichtlich des Lehrermangels zum Beginn des neuen Schuljahrs etwas entspannt. © Roland Schrader

Der aktuelle Lehrermangel macht sich zum Schulbeginn nach den Sommerferien auch an den Schulen im Landkreis Northeim bemerkbar.

Landkreis Northeim – „Wir haben eine deutliche Unterversorgung und das ist schon eine Riesenherausforderung“, bringt Markus Hohmeister, Direktor der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Moringen, die aktuelle Situation an seiner Schule auf den Punkt. Aus seiner Sicht gibt es dafür zwei Gründe: Zum einen die Tatsache, dass den Schulen vom Land viel zu wenig Stellen zu gewiesen werden, und zum anderen den Mangel an geeigneten Lehrkräften.

„Insbesondere für die Fächer Kunst, Musik, Technik, Gesundheit und Soziales sowie Hauswirtschaft finden wir niemanden, um Stellen zu besetzen“, betont Hohmeister. Aus seiner Sicht rächt sich jetzt die Politik der Jahre, die den Zugang zu einem Lehramtsstudium begrenzt habe.

Das Problem jetzt mit Quereinsteigern lösen, sei zwar eine Möglichkeit, so Hohmeister. In der Praxis ergäben sich aber des Öfteren Schwierigkeiten, wenn der pädagogische Hintergrund fehle.

Auch nach Einschätzung von Christopher Nickel, Leiter der Oberschule Uslar, kann die Einstellung von Quereinsteigern zur Entlastung der Situation beitragen. „Dafür müsste es dann aber auch die entsprechenden Stelenzuweisungen geben“, betont er und beklagt, dass von dem sogenannten Lehrkräftegewinnungsgesetz, das in dieser Hinsicht ja eigentlich Abhilfe schaffen sollte, nichts zu spüren sei.

Nickel gibt zu bedenken, dass selbst eine Unterrichtsversorgung von 100 Prozent aus Sicht der Schulen viel zu wenig sei, um Krankheitsausfälle und den zusätzlichen Betreuungsbedarf im Zusammenhang mit der Inklusion auszugleichen.

„Aktuell sieht es bei uns so aus, dass wir rechnerisch zwar auf 100 Prozent Unterrichtsversorgung kommen, weil während der Ferien niemand krank oder schwanger geworden ist“, sagt Nickel. „Aber weil das an anderen Schulen derzeit ganz anders aussieht, müssen wir jetzt drei Lehrkräfte abordnen.“

Auch an den Grundschulen im Landkreis Northeim, wo heute die Einschulungen der Erstklässler stattfinden, ist die Personalsituation ein Dauerthema. „Zufrieden ist derzeit wohl keiner“, vermutet Corinna Kulp-Wahmke, Leiterin der Schule am Sultmer in Northeim.

An ihrer Schule verschärfe sich das Problem unter anderem dadurch, dass einige Kolleginnen in den Ruhestand gegangen seien und es derzeit auf dem Markt so gut wie keine Vertretungskräfte gebe, die man bei Engpässen vorübergehend einstellen könnte, wenn zum Beispiel Kolleginnen wegen längerer Krankheit ausfallen. Hinzu komme wie an fast allen anderen Schulen, dass seit diesem Jahr zusätzlich aus der Ukraine geflüchtete Kinder die Schule besuchten, was insbesondere wegen der Sprachbarriere einen zusätzlichen Betreuungsaufwand für das Kollegium zur Folge habe.

„Außerdem gibt es bei den Schülerinnen und Schülern aus der Ukraine derzeit eine große Fluktuation“, sagt Kulp-Wahmke. Einige hätten die Schule bereits wieder verlassen, weil sie umgezogen oder mit ihren Eltern zurück in die Ukraine gegangen seien. Mit den Kindern, die jetzt neu an die Schule kämen, müsse man zum Teil wieder ganz von vorne anfangen.

An der Grundschule Hardegsen hat sich die Personalsituation rechtzeitig zu Beginn des neuen Schuljahrs etwas entspannt. „Im vergangenen Schuljahr war die Unterrichtsversorgung für uns schwierig, aber jetzt sind wir vollständig versorgt“, freut sich Schulleiter Christopher Grupe und berichtet, dass zwei neue Lehrkräfte eingestellt werden konnten. Hinsichtlich der Unterrichtsversorgung gehe die Schule daher mit guten Voraussetzungen ins neue Schuljahr.  

Zum Start des ersten Schulhalbjahrs werden an den öffentlichen allgemeinbildenden Schulen in Niedersachsen laut Angaben des „Deutschen Schulportals“ vorerst 1620 neue Lehrkräfte ihren Dienst aufnehmen. Insgesamt sollen im ersten Halbjahr 2070 Vollzeitstellen neu besetzt werden. Die Schülerzahl stieg, bedingt durch coronabedingte Flexibilisierung der Einschulung und etwa 15 000 aus der Ukraine geflüchteten Schüler von 843 000 auf rund 875 000. (Niko Mönkemeyer)

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