Lernen fürs Leben: Laura Schoen macht ein FSJ in Northeim

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Blick über die Schulter: Laura Schoen und Bernd Helmbrecht beim gemeinsamen Verpacken von Kleinteilen. Die 19-Jährige hilft bei der Arbeit und kontrolliert gelegentlich das Ergebnis.

Northeim. Im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) können sich junge Menschen orientieren und erste Erfahrungen im Berufsleben sammeln. Wir haben eine FSJ-lerin bei der Arbeit besucht.

Noch ist Laura Schoen nicht weg, umarmt wird sie in letzter Zeit trotzdem häufiger. Die 19-Jährige macht seit Sommer vergangenen Jahres ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) am Northeimer Standort der Harz-Weser-Werkstätten.

Die gemeinnützige Einrichtung fördert die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben. Mit der so genannten Montagegruppe 3 ist Laura Schoen am Standort Northeim für eine sorgfältige Verpackung von Kleinteilen für eine große Firma zuständig. „Die Gruppe hat eine Herzlichkeit, die einfach begeistert“, fasst die FSJ-lerin ihre Erfahrungen zusammen. „Seit meinem ersten Tag gehöre ich dazu, lange einleben muss sich hier niemand.“

In ihren Aufgabenbereich fällt die Arbeitsplatzvorbereitung der Beschäftigten, außerdem guckt sie der Montagegruppe 3 bei ihrer Arbeit über die Schulter. „Ich wollte um ein halbes Jahr verlängern, aber ich habe ein super Ausbildungsplatzangebot als Heilerziehungspflegerin bekommen“, sagt Laura Schoen, und dabei schwingt doch etwas Wehmut mit.

Für sie ist das Freiwillige Soziale Jahr zugleich auch der praktische Teil ihrer Fachhochschulreife. Die Entscheidung fiel auf die Harz-Weser-Werkstätten, weil ihre Mutter sie häufig zu den jährlichen Weihnachtsmärkten des Unternehmens mitgenommen hatte.

Die 19-Jährige ist beliebt: Es ist schwer, ein Einzelfoto mit ihr zu bekommen, also wird kurzerhand auch noch ein Gruppenfoto gemacht. Gibt es Fettnäpfchen, die neue FSJ-ler vermeiden sollten? „Fehler werden hier nicht groß breit getreten, sondern zusammen wieder gerade gebogen“, sagt Laura Schoen.

„Helfer wie Laura sind für uns eine echte Bereicherung“, betont Marcel Gründel, der die FSJ-ler am Standort Northeim betreut. Tendenziell seien es zwar häufiger Frauen, sonst sei die 15-köpfige Gruppe aber bunt gemischt, vom Hauptschüler bis zum Abiturienten.

Was sollte ein Bewerber mitbringen? An erster Stelle die Wertschätzung gegenüber den Beschäftigten und ein gewisses Feingefühl, darauf achtet Gründel besonders, wenn die Bewerber für ein oder zwei Tage hospitieren. „Lust, Offenheit und Kommunikationsfreude“, fügt Laura Schoen hinzu.

Und der Lohn? Für sie hat sich durch ihr Freiwilliges Soziales Jahr eine berufliche Chance ergeben. „Gut im Lebenslauf macht sich soziales Engagement immer“, sagt Marcel Gründel dazu. Für viele sei es aber auch eine Zeit des Ausprobierens und Orientierens, die zusätzlich etwas Geld bringe. „Wir tauschen uns untereinander viel aus. Die anderen FSJ-ler sind auch sehr zufrieden“ sagt Laura Schoen und lässt sich noch einmal drücken. Die Beschäftigten sind es wohl auch.

Hintergrund: Das Freiwillige Soziale Jahr

Das Freiwillige Soziale Jahr beginnt bei den Harz-Weser-Werkstätten in der Regel am 1. August. Ausnahmen sind möglich. Am Standort Northeim sind derzeit noch sieben Plätze frei. Das FSJ bietet die Möglichkeit, den praktischen Teil der Fachhochschulreife zu erwerben und wird in vielen sozialen Studiengängen und Ausbildungen als Praktikum oder Wartezeit anerkannt. FSJ-ler bekommen ein Taschengeld und sind sozialversichert. Zur fachlichen Fortbildung gehören 25 Seminartage.

Weitere Infos: Harz-Weser-Werkstätten

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