Würdigung der besonderen Art

Eine süße Rettung: Lkw-Fahrer zeigt Herz für Einsatzkräfte bei A7-Unfall

Echte. Immer wieder wird in den Medien von Übergriffen oder zu wenig Wertschätzung gegenüber Einsatzkräften aller Organisationen berichtet. Doch es geht auch anders.

Keine funktionierende Rettungsgasse, vom Stau genervte Autofahrer und in den Städten Übergriffe auf Rettungskräfte – wer die Nachrichten verfolgt, der könnte meinen, das Ehrenamt findet kaum noch Würdigung. Der Unfall am Dienstagabend auf der A7 bei Echte beweist jedoch das Gegenteil.

Was war passiert?

Es ist ein ungemütlicher Winterabend gegen 20.25 Uhr. Es regnet seit weit über einer Stunde pausenlos im Alten Amt. Dazu ist es bei Temperaturen um fünf Grad auch noch windig – kurzum, ideales Wetter für warmen Tee und das heimische Sofa. Dort befinden sich auch die meisten Mitglieder der Feuerwehren aus Kalefeld, Echte und Bad Gandersheim, als um 20.25 Uhr die zunächst dramatische Meldung über den Autobahnunfall aufläuft.

Informiert Rettungskräfte über Einsätze: Ein digitaler Funkmeldeempfänger, auch "Pieper" genannt.

„Schwerer Verkehrsunfall, vier Fahrzeuge, eins über die Leitplanke in Seitenlage, mindestens eine Person eingeklemmt“, lautet die Erstmeldung. Eine solche Nachricht lässt den Puls in Sekunden, wie bei Leistungssport, nach oben schnellen, alles läuft nach Schema F ab. Schuhe, Schlüssel, Fahrt zum Feuerwehrhaus – alles haben die Feuerwehren, die sich parallel zum Rettungsdienst und die Polizei auf den Weg machen, dutzende Male erlebt. In diesem Fall ist aber klar, dass eigentlich nichts so richtig klar ist.

Sekunden, die entscheiden können

Im Feuerwehrhaus reges treiben, Positionen werden eingeteilt, im Kopf gehen die Ehrenamtlichen das durch, was sie nicht nur bei Lehrgängen im Kreis und an der Feuerwehrakademie gelernt haben, springen auf die Fahrzeuge und fahren los zur Einsatzstelle. Durch die Anspannung wird deutlich: Hier kann jetzt jede Sekunde entscheidend sein.

Der Kampf durch die volle Autobahn 7, auf der sich der Verkehr weit zurückstaut, ist fast schon obligatorisch. Die Rettungsgasse funktioniert zwar irgendwie, allerdings haben manche Autofahrer noch immer nicht ganz verstanden, dass Organisationen wie Feuerwehr oder Technisches Hilfswerk mit schwerem Gerät, also mit Lastwagen und keinen Kleinwagen anrücken.

A7 bei Echte war nach Unfall voll gesperrt

 © Mennecke
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Von den Maschinisten, das sind die Fahrer der Feuerwehrfahrzeuge, wird wieder einmal Präzision abverlangt, wenn sie ihre Außenspiegel nicht verlieren wollen.

Nur wenige Minuten später – auch für die Feuerwehr fühlt es sich wie eine kleine Ewigkeit an – treffen die ersten Kräfte am Unfallort ein. Zwei Lastwagen stehen auf der Fahrbahn, einer quer, ein Auto ist schwer beschädigt, ein anderes liegt im Graben. Was dramatisch aussieht, ist glimpflich ausgegangen. Alle Personen sind aus ihren Fahrzeugen selbstständig rausgekommen, sie werden mit verhältnismäßig kleinen Verletzungen behandelt.

Das ist der Moment, in dem jede Menge Anspannung abfällt. Es gibt viel aufzuräumen, aber nur Leichtverletzte – Minuten zuvor hatte damit kaum jemand gerechnet.

Große Überraschung

Womit auch keiner im strömenden Regen gerechnet hat, ist die Reaktion eines polnischen LKW-Fahrers. Er winkt die Einsatzkräfte herbei, macht sein Fenster runter und reicht gleich eine ganze Reihe von Schokoriegeln an die Helfer. „Habt ihr euch verdient“, sagt er. Und bleibt mit dieser Geste sicher äußerst lange in guter Erinnerung.

  • Zur Person: Unser Autor ist seit 2012 als Gruppenführer in der Feuerwehr Echte tätig.

Rubriklistenbild: © pixabay

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