Kreis Northeim

Ärzte warnen vor Long-Covid: „Betroffene leiden noch Monate nach der Ansteckung“

Zu sehen sind Pfleger und Ärzte sowie Maschinen auf der Station 0119 der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Schwerkranke Covid-19-Krenke werden mit hohem personellen und technischen Aufwand intensivmedizinisch und pflegerisch betreut.
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Jeder vierte Covid-Patient muss sich nach seiner Entlassung aus der Klinik innerhalb von sechs Monaten erneut im Krankenhaus behandeln lassen. Dieses Saymbolfoto entstand auf der Station 0119 der Universitätsmedizin Göttingen.

Vom Long-Covid-Syndrom sind viele Corona-Infizierte betroffen. Ärzte aus dem Kreis Northeim warnen vor der Langzeiterkrankung.

Einbeck – Die Langzeitfolgen einer Covid-19-Infektion sind derzeit nicht absehbar. Darauf haben jetzt Dr. Sara Friederike Heunecke und Dr. Gregor Herrendorf vor dem Hintergrund der sich auch im Landkreis Northeim breitmachenden Impfmüdigkeit (wir berichteten) aufmerksam gemacht.

Die beiden Fachärzte für Neurologie, die in Einbeck gemeinsam eine Praxis betreiben, verweisen dazu auf eine aktuelle Studie, die auf Grundlage von Daten der AOK in Deutschland erarbeitet wurde. Demnach muss sich jeder vierte Covid-Patient nach seiner Entlassung innerhalb von sechs Monaten erneut im Krankenhaus behandeln lassen.

Long-Covid im Kreis Northeim: Betroffene haben lange Zeit Beschwerden

„Aber auch viele Betroffene, die nur leichte Symptome hatten und nicht ins Krankenhaus mussten, leiden noch Monate nach der Ansteckung an den Folgen ihrer Corona-Infektion“, sagt Herrendorf und kann von einem Patienten berichten, der bereits seit mehr als einem Jahr darauf wartet, dass sein Geschmacks- und Geruchssinn zurückkehrt.

Neben diesem Phänomen bereitet das sogenannte Post-Covid-Syndrom den Medizinern große Sorge. Dabei machen sich bei den Betroffenen viele Monate nach einer komplett überstandenen Infektion Symptome bemerkbar, die oft zunächst gar nicht als Folgen ihrer Corona-Infektion diagnostiziert werden. Nach aktuellen Schätzungen sind von diesem als Post-Covid-Syndrom genannten Phänomen laut Herrendorf und Heunecke etwa zehn Prozent der Covid-Patienten betroffen. Etwa die Hälfte davon leiden unter Müdigkeit und Erschöpfung, dem sogenannten Fatigue-Syndrom. Aber auch Unwohlsein, Muskel- und Nervenschmerzen sowie Störungen der Wahrnehmung, des Erinnerns und des Denkens können Spätfolgen einer Covid-Infektion sein – mit der Folge, dass die Betroffenen für lange Zeit nicht mehr arbeitsfähig sind.

„Dass diese Beschwerden ganz unabhängig davon auftreten können, ob die Patienten kurz nach der Ansteckung schwere, leichte oder gar keine Symptome hatten, macht die Diagnose so schwierig“, betont Herrendorf.

Kreis Northeim: Forschung zu Long-Covid und Post-Covid müsse vorangetrieben werden

Ein Post-Covid-Syndrom sei derzeit lediglich dadurch festzustellen, dass alle anderen möglichen Ursachen für die entsprechenden Symptome durch entsprechende Untersuchungen ausgeschlossen werden können, beschreibt Dr. Sara Friederike Heunecke die aktuelle Situation.

Dr. Gregor Herrendorf.

Im Hinblick auf die jetzt laufende Diskussion darüber, ob künftig nicht mehr allein die Inzidenz ausschlaggebend für die Kontaktbeschränkungen sein soll, sei es daher notwendig, bereits vorliegende wissenschaftliche Erkenntnisse zu Long-Covid oder Post-Covid mit einzubeziehen und in diesem Bereich die Forschung voranzutreiben.

Das empfiehlt auch der ehemalige Chef der Lungenklinik Lenglern und Vorsitzende der deutschen Atemwegsliga, Professor Dr. Carl-Peter Criee, der seit September zusammen mit Dr. Helge Granops in der Lungenfacharztpraxis in Northeim tätig ist. Dort werden unter anderem Patienten behandelt, die ein Vierteljahr nach einer überstandenen Covid-Infektion „aus heiterem Himmel“ plötzlich über Atemnot klagen unter Erschöpfung leiden. „Die genauen Ursachen dafür sind bislang nicht bekannt, und der Nachweis über Laborwerte ist derzeit nicht möglich“, sagt Criee. Eine Erklärung sei, dass das Virus womöglich über Wochen und Monate im Körper von infizierten Personen überdauern kann. (Niko Mönkemeyer)

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