Stoßlüften in den Schulen

Lüftungsgeräte sind für die Kreisverwaltung Northeim keine Option

Ein Fenster in einer Schulklasse steht offen. Durch die Scheibe sieht man Schüler, Lehrer und den Klassenraum.
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Symbolbild: Die Schulen im Landkreis Northeim lüften nach der 20-5-20-Regel (20 Minuten Unterricht - 5 Minuten Lüften - 20 Minuten Unterricht).

Die Schulen sind nach den Herbstferien wieder gestartet. In der Coronazeit bedeutet das: Auch in der jetzt beginnenden kalten Jahreszeit muss regelmäßig gelüftet werden.

Landkreis Northeim – Die Schulen im Landkreis Northeim halten sich dabei an die 20-5-20-Regel des Kultusministeriums. Demnach wird 20 Minuten Unterricht gemacht, etwa fünf Minuten gelüftet und dann folgen wieder 20 Minuten Unterricht. „Da es nun immer kälter wird, kann nicht die ganze Zeit gelüftet werden wie im Sommer“, erklärt Christoph Dönges, Schulleiter des Gymnasiums Corvinianum in Northeim. So werde in den Pausen stoßgelüftet und dann jeweils nach 20 Minuten. Im Gymnasium Corvinianum lüften die Kinder selbst. Jeweils ein Schüler ist für ein Doppelfenster zuständig. „Damit dauert das Lüften gar nicht lange“, ergänzt der Schulleiter.

Die Kinder im Gymnasium Uslar sind wegen des Lüftens warm angezogen. Sowohl Lehrer als auch Schüler achten darauf, dass das Fenster regelmäßig geöffnet wird, schildert Schulleiter Dietmar Wagener.

„Das einzig sinnvolle ist Lüften“, sagt der Schulleiter der KGS Moringen, Markus Hohmeister. Noch sei das problemlos möglich. Bei winterlichen Temperaturen, so befürchtet er, könnte es dann in Räumen, die noch nicht saniert, also kaum wärmegedämmt seien, zu kalt werden, weil die Heizung dann den Wärmeverlust nicht mehr ausgleichen könne. Zwei Räume, die nicht ausreichend gelüftet werden können, seien in der KGS derzeit für den Unterricht gesperrt.

Stoßlüften in den Schulen: Mehrere Schichten Kleidung für die Schüler

In der Johann-Wolf-Grundschule in Nörten-Hardenberg sei im Sommer das Fenster permanent „auf Kipp“ gewesen. Mittlerweile lüften die Lehrer ebenfalls nach der 20-5-20-Regel. „Es gibt aber die Überlegung, einen Lüftungsdienst einzusetzen“, sagt Schulleiterin Julia Schröder. Problem sei, dass viele der Fenster für die Kinder zu hoch seien.

Weil es momentan draußen noch relativ warm ist, seien an der Oberschule Northeim momentan noch Fenster und Türen permanent geöffnet. So könne über die Flure besser durchgelüftet werden, betont Jens-Henning Schult, Oberschulrektor.

Sobald es kälter werde, werde auf das 20-5-20-System umgestellt. Damit die Schüler nicht frieren, empfiehlt Schult: „Die Schüler sollten am besten mehrere Schichten anziehen, damit sie je nach Temperatur Kleidung an- oder ausziehen können.“

Stoßlüften in den Schulen: Lüftungsgeräte sind keine Option

Während die Schulen im Landkreis Northeim nach der 20-5-20-Regel lüften, steht die Frage nach Anschaffung von Lüftungsgeräten im Raum, die die Viren aus der Luft filtern.

Laut der Northeimer Kreisverwaltung sei deren Beschaffung für die Schulen allerdings nicht vorgesehen. Das empfohlene mobile Gerät, der Viromed Klinik Akut V 500 plus, koste inklusive Versand aktuell rund 4000 Euro.

Allein in den allgemeinbildenden Schulen werden die Schüler in zurzeit etwa 400 allgemeinen Unterrichtsräumen unterrichtet. Bereits ohne Berücksichtigung der Fachunterrichtsräume würde die Investitionssumme somit etwa 1,6 Millionen Euro betragen.

Hinzu käme dann noch die Versorgung der Berufsbildenden Schulen. Die Mittel wären im Kreishaushalt nicht vorhanden, wie die Kreisverwaltung mitteilte.

Stoßlüften in den Schulen: Lüftungsgeräte minimieren nur das indirekte Infektionsrisiko

Zudem hätten bisher weder die Landesregierung noch das Bundesministeriums für Gesundheit Empfehlungen oder Hinweise zur Wirksamkeit von Luftfiltern gegeben. Ohne verbindliche Vorgaben fehle es an einer objektiven Grundlage für eine Beschaffung.

Außerdem würde sich der Einsatz von Luftfiltern mit einer ungenügenden beziehungsweise fehlerhaften Filtertechnik auch als wirkungslos erweisen. Im ungünstigsten Fall könnte er sogar zu einer Verstärkung einer Verteilung von Aerosolen im Raum führen.

Lüftungsgeräte können grundsätzlich auch nur das indirekte Infektionsrisiko minimieren, aber keinen Schutz vor einer direkten Infektion leisten, urteilt die Kreisverwaltung in einer Antwort auf eine HNA-Anfrage.

Stoßlüften in den Schulen: Schulleitungen halten Lüftungsgeräte für keinen geeigneten Vorschlag

Für die Schulleitungen der Schulen im Landkreis sind die Lüftungsgeräte ebenfalls kein geeigneter Vorschlag.

„Das ist keine realisierbare Lösung“, sagt Christoph Dönges, Schulleiter des Gymnasium Corvinianum. Die Geräte seien zwar gut, jedoch könnte das Geld seiner Meinung nach besser eingesetzt werden.

„Wir probieren es erst mal mit dem Lüften“, erklärt Julia Schröder, Schulleiterin der Johann-Wolf-Grundschule in Nörten-Hardenberg. (Samira Müller)

Temperatur sinkt um etwa zwei bis drei Grad

Der neue Rahmenhygieneplan des Landes Niedersachsen sieht zur Belüftung eine Stoß- oder Querlüftung nach dem 20-5-20-Prinzip (20 Minuten Unterricht - 5 Minuten Lüften - 20 Minuten Unterricht) vor. Während des fünfminütigen Lüftens sinke die Raumtemperatur nur um maximal zwei bis drei Grad, wie der Landkreis Northeim mitteilte. Das sei für die Schüler durchaus zumutbar, meint etwa Jens-Henning Schult, Rektor der Oberschule in Northeim. 

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