Nach 16 Jahren der Wechsel nach Hannover

Pfarrer Kurth verlässt Northeim

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Verlässt die Mariengemeinde nach 16 Jahren: Pfarrer Franz Kurth in der Marienkirche Northeim.

Pfarrer Franz Kurth verlässt die katholische St.-Marien-Gemeinde in Northeim. Ende Juli übernimmt er die mehr als doppelt so große Gemeinde St. Martin in Hannover.   

Northeim. „Ich hatte ziemlichen Respekt vor dieser Stelle“, sagt Franz Kurth über seinen ersten Job als Pfarrer in der Mariengemeinde Northeim. Üblich seien damals Gemeinden mit bis zu 2.000 Mitgliedern gewesen. „Ich habe gleich eine sehr große Stelle mit über 5.000 Seelen bekommen. Das war eine Herausforderung.“ Nun wartet die nächste auf ihn: Ende Juli verlässt er die Mariengemeinde und übernimmt in Hannover die Katholische Kirchengemeinde St. Martin. Dort wird er sogar für 12.000 Gemeindemitglieder verantwortlich sein.

Aufgewachsen ist der Mann mit dem warmen Lächeln in Seulingen auf einem Bauernhof samt Kühen, Schweinen und Hühnern. „Ich pflanze auch heute noch gerne Obstbäume, das ist geblieben.“

In seinem Heimatort habe ihn ein Pfarrer zum Ehrenamt in der Jugendarbeit engagiert, so habe er viele Ordensmenschen kennengelernt. „Irgendwann war mir klar: Das möchtest du auch.“ Also gab er mit 27 Jahren seinen Beruf beim Fernmeldeamt Göttingen auf und studierte Philosophie und Theologie. Pfarrer-Klischees zum Trotz, wie er sagt.

„Natürlich gibt es Situationen, wo man sich einen Menschen an seiner Seite wünscht, aber ich bin auch ohne Partner glücklich und habe weniger Stress“, sagt der Pfarrer mit einem Schmunzeln. So müsse er Familie und Beruf nicht unter einen Hut bringen.

Zu tun gibt es als Gemeindeleiter genug. „Der Verwaltungskram drängt sich leider in den Vordergrund“, so der Chef von 20 Mitarbeitern. Zu seinem Alltagsgeschäft in den knapp 40 Dörfern gehören auch die nicht so heiteren Angelegenheiten, wie beispielsweise die etwa 70 Beerdigungen pro Jahr oder Krankensalbungen.

Was er am liebsten mache? „Ich taufe und traue wahnsinnig gerne.“ An die 700 Kinder hat er in der Gemeinde getauft, dazu kommt ein Dutzend Hochzeiten pro Jahr. Dabei hat er auch Kurioses erlebt, zum Beispiel als eine Braut nicht erschien, weil sie ihren Blumenstrauß zu Hause vergessen hatte oder als ein Dreijähriger bei einer Taufe ausbüxte und die Oma ihn in der Kirche wieder eingefangen musste.

Fehlen werden ihm seine Gemeindemitglieder. „Ich war mit den Menschen hier schnell auf einer Wellenlänge“, so Kurth. Für den Job des Pfarrers sei es wichtig, offen auf Menschen zugehen zu können. Als Seelsorger ist er rund um die Uhr für seine Gemeindemitglieder da. „Manche stehen auch mitten in der Nacht vor der Tür,“ sagt Kurth, der schon die ganze Palette erlebt hat: Von Scheidungen bis zu Problemen mit den Kindern oder auch einfach nur ein Schlafplatz für eine Nacht für Obdachlose.

„Abschalten fällt mir oft schwer“, sagt der Pfarrer über sich selbst. Wenn er es schafft, finde man ihn vermutlich auf der Couch, mit einer Zigarre und einem historischen Roman in der Hand. 

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