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Bald mehr Schlachtungen auf Bauernhöfen im Landkreis Northeim?

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Von: Niko Mönkemeyer

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Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) möchte, dass künftig mehr Schlachtungen durch mobile Schlachtbetriebe gibt. archiv
Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) möchte, dass künftig mehr Schlachtungen durch mobile Schlachtbetriebe gibt (Symbolbild). © Archivfoto Ronald Wittek/nh

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) möchte mit der Förderung des mobilen Schlachtens auf Bauernhöfen Tiertransporte einschränken und landwirtschaftliche Betriebe stärken. Diese Pläne werden von Landwirten und Fleischern im Landkreis Northeim unterschiedlich bewertet.

Northeim – „Der Ansatz, durch diese Maßnahme die Bildung regionaler Wertschöpfungsketten und den Ausbau einer Ab-Hof-Vermarktung zu fördern, ist grundsätzlich nachvollziehbar“, sagt Claus Hartmann, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Northeim-Osterode. Gleichwohl gebe es in vielen Regionen noch familiäre Schlachtbetriebe, die etwaige Nachfrage bedienen könnten. „Diese, durch zunehmende Auflagen bereits unter Druck stehenden Unternehmen könnten durch eine geförderte Konkurrenz noch größere Schwierigkeiten bekommen.

„Außerdem versucht die Politik hier, das Konsumverhalten der Verbraucher vom falschen Ende her zu verändern“, ist Hartmann überzeugt. „Nach meiner Kenntnis gibt es keine unbefriedigte Nachfrage nach regional erzeugten Fleischprodukten. Eine zusätzliche Förderung würde daher nur ein künstlich erhöhtes Angebot erzeugen und keine zusätzliche Nachfrage.“ Dass hätte dann niedrigere Preise und damit geringere Einnahmen für die landwirtschaftlichen Betriebe zur Folge.“

So sieht das auch Anastasia Schulz aus Bad Sachsa, die ebenfalls dem Vorstand des Kreisbauernverbandes angehört. Der Ansatz des Ministers sei allerdings nur für Direktvermarkter interessant, da größere Betriebe so ihr Fleisch nicht vermarkten könnten. „Aus tierschutzrechtlichen Aspekten ist das natürlich zur begrüßen und für die Betriebe, die in dieser Nische unterwegs sind, ist das längst überfällig“, so Schulz. „Aber ansonsten ist das kein großer Coup.“

Landwirt Jörge Penk, der in Großenrode einen Bioland-Vollerberwerbsbetrieb beitreibt und als Agrarberater Landwirte begleitet, die ihre Betriebe auf Ökolandbau umstellen möchten, sieht in den Plänen des Ministers große Chancen für Biobetriebe.

„Das Schlachten ist für viele Biobetriebe derzeit ein großes Problem, weil es einfach zu wenig biozertifizierte Schlachtbetriebe gibt“, kann Jörge Penk aus der eigenen Praxis auf seinem Ökolandbetrieb in Großenrode berichten. „Neue Betriebe, die sich auf die mobile Schlachtung spezialisieren, wären da eine große Erleichterung.“ Voraussetzung für den Erfolg eines solchen Konzeptes wäre aber auch nach Einschätzung Penks aber, dass in diesen mobilen Einheiten dann auch gleich die Verarbeitung der Tiere vor Ort erfolgen kann – sodass sowohl die Schlachtung als auch die Verarbeitung zu fertigen Produkten auf dem jeweiligen Hof möglich wäre.

„Der Vorteil mobiler Schlachteinheiten wäre, dass diese ohne große Schwierigkeiten im Wechsel Tiere sowohl aus konventioneller als auch biologischer Haltung verarbeiten könnten“, ist Penk überzeugt.

Michael Kniep, Obermeister der Fleischer-Innung Northeim Osterode, sieht die Pläne des Bundeslandwirtschaftsministers eher skeptisch. Er hält es aus unterschiedlichen Gründen für unrealistisch, die Hofschlachtung wie vorgesehen auszubauen. Zum Beispiel könne er sich nicht vorstellen, wie die strengen hygienischen Auflagen beim mobilen Schlachten in größeren Mastbetrieben eingehalten werden sollen. „Außerdem gibt es überhaupt keine Leute, die diese mobilen Einheiten betreiben könnten“, so Kniep. „Es fehlen einfach die Fachkräfte.“

Das Veterinäramt des Landkreises Northeim teilte auf HNA-Anfrage zu diesem Thema mit, dass im vergangenen Jahr im Landkreis Northeim bereits drei Tierhalter die Möglichkeit der mobilen Schlachtung genutzt haben. Klar sei, dass die Anforderungen des Tierschutzschlachtrechts auch in vollem Umfang für mobile Schlachtungen im Herkunftsbetrieb gelten. Dies werde bereits im Vorfeld durch ein aufwendiges Genehmigungsverfahren und während der Schlachtung durch die Anwesenheit des Tierarztes sichergestellt. Durch die mobile Schlachtung werde der Transport zum Schlachtbetrieb und damit der Stress für die Tiere vermieden. (nik)

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