Auflagen zur Kastenstandhaltung stellen Landwirte vor Herausforderungen

Mehr Platz für Muttersauen – Ferkelproduzenten im Landkreis Northeim müssen Baumaßnahmen vornehmen

Ein Schwein steht eingesperrt zwischen mehreren Metallgittern und dreht seinen Kopf mehreren kleinen Ferkeln zu.
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Eingeschränkte Interaktion: Künftig dürfen Muttersauen mit Jungtieren nur noch fünf Tage im Kastenstand stehen.

Neue Tierschutz-Auflagen stellen die ungefähr 20 Ferkelproduzenten im Landkreis Northeim vor Herausforderungen. „Vor allem kleine Betriebe werden aufgeben“, erwartet Landwirt Matthias Weißkittel.

Northeim – Er hält gemeinsam mit seinem Bruder Jörg in Trögen 1000 Muttersauen, so viele wie niemand anders im Landkreis. „In den vergangenen acht Jahren hat sich die Zahl der Ferkelproduzenten in Deutschland halbiert“, berichtet Weißkittel. Dieser Trend würde durch die im Juli vom Bundesrat beschlossenen Auflagen zur Kastenstandhaltung beschleunigt.

„Wenn die rauschigen (brünstigen) Sauen nicht im Metallkäfig stehen, springen sie aufeinander, um sich zu stimulieren“, erklärt Weißkittel. In den Kastenstand kommen die Tiere bisher, wenn sie gedeckt werden, was mit acht Monaten das erste Mal der Fall sei. Bei Weißkittel werden die Schweine künstlich besamt und bleiben anschließend 21 Tage im Kastenstand, bis die befruchteten Eier in der Gebärmutter eingenistet sind. Erst danach kommen sie in Gruppen von 28 Tieren.

„Die trächtigen Tiere wollen vor allem Ruhe“, berichtet Juniorchefin Sina Weißkittel. Vor dem Einnisten der Eier komme es dagegen häufiger zu Rangkämpfen, die die Tiere stressten. Das erschwere das Einnisten, sodass Sauen häufiger erneut besamt werden müssten. Entsprechend kritisch sieht sie das Verbot von Kastenständen im Deckzentrum, das nach einer Übergangsfrist von acht Jahren gelten soll – dann müssen dort jeder Sau fünf Quadratmeter Platz zur Verfügung stehen.

Halten im Hardegser Ortsteil Trögen 1000 Muttersauen: Matthias Weißkittel mit Tochter Sina Weißkittel.

Wenn die Ferkel nach vier Monaten zur Welt kommen, müssen die Sauen bisher erneut in den Kastenstand. Tierschützer kritisieren daran die Einschränkung in der Bewegungsfreiheit während der Geburt. Bereits vorher leide unter den Kastenständen auch das Sozialverhalten der Tiere, die dann verhaltensaufällig würden. Unter anderem bissen sie in die Metallstangen, würden krank, bekämen Druckstellen und die Muskulatur schwinde. Zudem könnten die Sauen nach dem Gebären in der dreiwöchigen Stillzeit kaum mit ihren Ferkeln interagieren. Weißkittel sagt aber: „Der Kastenstand schützt Jungtiere davor, vom Muttertier erdrückt zu werden.“ Die neuen Auflagen sehen außerdem vor, dass der Metallkäfig nach einer Übergangsfrist von 15 Jahren nur noch an fünf statt bisher 35 Tagen erlaubt ist und Sauen dann jeweils 6,5 Quadratmeter Platz haben müssen. Somit stehen nun bei allen Ferkelproduzenten im Landkreis größere Baumaßnahmen an.

„Der einzige Vorteil daran ist, dass nun die Vorgaben klar sind“, sagt Matthias Weißkittel. Er fürchtet, dass mit den notwendigen Anbauten der Bestandsschutz bereits genehmigter Ställe erlösche. Damit müsse das Objekt erneut das kostspielige Verfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz durchlaufen. „Die neuen Vorgaben laufen dem Ziel der Politik entgegen, regionale, kleinbäuerliche Strukturen zu erhalten“, sagt Weißkittel. Er erwartet, dass Ferkel vermehrt importiert werden. Deren Anteil bei den Mastschweinen liege derzeit bei 20 Prozent. (Michael Caspar)

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