1. Startseite
  2. Lokales
  3. Northeim
  4. Northeim

Northeimer Mediziner ist Chefarzt bei den Paralympics in China

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Kathrin Plikat

Kommentare

Chefarzt des deuschen Teams bei den Paralympics in Peking: Dr. Hartmut Stinus ist mit dem Team gut in China angekommen. Hier ist er im paralympischen Dorf zu sehen.
Chefarzt des deuschen Teams bei den Paralympics in Peking: Dr. Hartmut Stinus ist mit dem Team gut in China angekommen. Hier ist er im paralympischen Dorf zu sehen. © Dr. Hartmut Stinus/privat

Am Freitag starten die Paralympics in Peking, vor wenigen Tagen ist auch das deutsche Team in die chinesische Hauptstadt geflogen.

Northeim/Peking - Wieder mit dabei: Dr. Hartmut Stinus, Facharzt im Orthopaedicum Northeim. Dr. Stinus fungiert in Peking als „Chief medical officer“, also Chefarzt des gesamten deutschen Teams, sowie als Chefarzt der Para Ski alpin-Mannschaft. Insgesamt 18 Athletinnen und Athleten werden den Deutschen Behindertensportverband (DBS) in Peking vertreten, die gesamte Delegation umfasst rund 60 Personen.

Zu den Aufgaben von Stinus gehört zum einen die medizinische Überwachung der Sportler, auch im Hinblick auf Doping. Zum anderen ist er Ansprechpartner für sämtliche medizinischen Probleme und kommt natürlich bei Verletzungen zum Einsatz.

Stinus: „Dies ist in China besonders schwierig, weil wir als Gäste die sogenannte Bubble nicht verlassen dürfen. Somit kann ich bei einer Verletzung eines Sportlers nicht in das Krankenhaus. Er habe aber gute Kontakte zu chinesischen Ärzten, weil er seit Jahren eine Gastprofessur in China innehat, so der Northeimer Arzt, der in Bovenden zu Hause ist. „Die sind gern bereit, uns zu helfen“, lobt Stinus die Kooperationsbereitschaft.

Die Arbeit für das paralympische Team bei den Spielen ist mit einem hohen zeitlichen Aufwand verbunden. Denn: Die Betreuung findet nicht nur während der Winterspiele statt, sondern quasi immer: „Eigentlich bin ich 24 Stunden, sieben Tage die Woche für die Athleten da“, sagt er. Dabei kooperiert er sehr eng mit den Physiotherapeuten und Trainern des deutschen Teams.

Bei großen Veranstaltungen wie eben den Winter-Paralympics ist er vor Ort mit dabei – und das schon seit 1994: Die Behinderten-Ski-Nationalmannschaft hat er als Arzt bereits bei den Paralympics in Lillehammer, Nagano, Salt Lake City, Turin, Vancouver, Sotchi und Pyeongchang sowie bei vielen internationalen Wettkämpfen begleitet. Seit vier Jahren ist er zudem Chefarzt des gesamten deutschen Teams.

Ein bisschen aufgeregt war der Arzt vor der Abreise schon. „Es ist eine komische Situation in Zeiten des Krieges in der Ukraine. Und wir dürfen nicht vergessen, dass die Corona-Pandemie noch nicht vorbei ist.“.

Per Liveschalte wurde das Team jetzt am Frankfurter Flughafen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Richtung Peking verabschiedet. Von China werden Dr. Hartmut Stinus und das gesamte deutsche Team allerdings nicht viel sehen.

„Wir landen in Peking und werden mit dem Bus ins 75 Kilometer nordwestlich gelegene Yanqing in unser Dorf gefahren“, sagt Stinus. Von dort aus gehe es dann bei den Wettbewerben mit dem Lift auf die Berge, wo die Alpin-Wettbewerbe stattfinden. Als Chefarzt darf Stinus zumindest mit dem Fahrdienst der Paralympics auch nach Zhangjiakou fahren, wo die nordischen Ski- und Snowboardwettbewerbe ausgetragen werden.

Große Partys wie noch vor vier Jahren in Pyeongchang werde es wohl keine geben, erzählt der musikbegeisterte Arzt. „Ich habe aber wieder meine Gitarre dabei, sodass wir vielleicht gegen Ende der Spiele im olympischen Dorf ein wenig feiern können.“

China als Austragungsort der olympischen und paralympischen Winterspiele sieht der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, der auch im Weender Krankenhaus tätig ist, kritisch. Er sei enttäuscht, dass sich die Münchener 2013 bei Bürgerentscheiden gegen die Spiele in diesem Jahr in Deutschland entschieden hätten.

Für die Paralympics in Peking erwartet Stinus eine Menge Medaillen für die Athleten des deutschen Olympiateams. Vor allem Monoskibob-Fahrerin Anna-Lena Forster sei ein „Superstar“ im Deutschen Behindertensportverband.

Privat ist Stinus – früher übrigens selbst begeisterter Ski-Rennläufer – ein großer Fan der Skipisten am Wurmberg im Harz. (kat)

Auch interessant

Kommentare