1. Startseite
  2. Lokales
  3. Northeim
  4. Northeim

Prozess um Bankraub von Höckelheim: Angeklagter hat schon mit „Bombenkoffer“ Geld erpresst

Erstellt:

Von: Heidi Niemann

Kommentare

Im Januar fand der Überfall auf die Filiale der Kreis-Sparkasse Northeim in Höckelheim statt. Archi
Im Januar fand der Überfall auf die inzwischen geschlossene Filiale der Kreis-Sparkasse Northeim in Höckelheim statt. © Hubert Jelinek

Im Prozess um den Überfall auf die Sparkassenfiliale in Höckelheim (Kreis Northeim) hat sich das Landgericht am Dienstag mit dem kriminellen Vorleben der beiden Angeklagten beschäftigt.

Northeim / Göttingen – Beide Männer hatten sich in der Jugendanstalt in Hameln kennengelernt. Der ältere von ihnen, ein 22-jähriger Mann aus Göttingen, saß dort wegen zweier Banküberfälle ein. Er hatte im Oktober 2018 einen Überfall auf eine Sparkassenfiliale im Göttinger Kreishaus verübt.

Vier Monate später überfiel er im Februar 2019 gemeinsam mit zwei Kumpanen die Sparkassenfiliale in Friedland. Das Amtsgericht Göttingen verurteilte ihn im Juli 2019 wegen dieser beiden Taten zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und drei Monaten.

Bei dem ersten Überfall hatte der damals 18 Jahre alte Göttinger mit Maske vorm Gesicht und einem kleinen silbernen Koffer in der Hand um kurz nach 9 Uhr morgens die Sparkassenfiliale betreten. Dort schob er einem Angestellten am Bankschalter einen Zettel zu.

Darauf stand die Aufforderung, den Tresor zu öffnen und das darin befindliche Geld zu übergeben, sowie der Hinweis, dass sich in dem Koffer hochexplosiver TNT-Sprengstoff befinde. Sollte der Aufforderung nicht Folge geleistet werden, würde der Sprengstoff zur Explosion gebracht. Dies würde eine Zerstörung großen Ausmaßes anrichten.

Der Angestellte händigte ihm insgesamt 11 850 Euro Bargeld aus. Wenige Tage nach dem Überfall nahm die Polizei den heute 22 Jahre alten Göttinger unter dringendem Tatverdacht fest. Kurz darauf wurde er nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft wieder auf freien Fuß gesetzt.

Vier Monate später überfiel er mit zwei Komplizen die Sparkassenfiliale in Friedland. Während ein Mittäter mit einem Messer herumfuchtelte, bedrohte er die Mitarbeiter mit einer täuschend echt aussehenden Softair-Pistole. Nachdem sie den Tresorinhalt von 2300 Euro erbeutet hatten, rannten sie zu einem Pkw.

Dort wartete der dritte Beteiligte auf sie, der als Fahrer fungierte. Dieser hatte sich das als Fluchtfahrzeug genutzte Auto von seinem Opa ausgeborgt, der allerdings keine Ahnung hatte, was sein Enkel damit anstellen wollte.

Im Juli 2019 musste sich der heute 22-Jährige wegen der beiden Banküberfälle vor dem Göttinger Amtsgericht verantworten, wo er sich reuig zeigte. Als Begründung für seine Taten gab er „Perspektivlosigkeit“ an. „Vielleicht können Sie während der Zeit in der Jugendanstalt eine Perspektive entwickeln“, sagte damals der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung.

Der zweite Angeklagte, ein 20-Jähriger aus dem Landkreis Hildesheim, hat den Überfall in Höckelheim gestanden, den 22-Jährigen dagegen entlastet. Dieser sei in Höckelheim nicht dabei gewesen, sagte er.

Der 20-Jährige ist mehrfach wegen Raub- und Gewaltdelikten vorbestraft. Im Juli 2019 verurteilte ihn das Amtsgericht Hildesheim zu einer Jugendstrafe von drei Jahren. In dem Urteil werden ihm eine hohe kriminelle Energie und schädliche Neigungen bescheinigt. Im Dezember 2021 wurde er aus der Haft entlassen. Zeugenaussagen zufolge hat ihn damals der schon früher entlassene 22-Jährige vor dem Gefängnis in Hameln abgeholt.   (pid)

Auch interessant

Kommentare