Autofahrer zeigt Markt-Inhaber wegen Nötigung an

Northeimer Geschäftsmann geht mit Krallen gegen Parksünder vor

Gut sichtbare Schilder weisen auf das richtige Verhalten auf dem Parkplatz des Edeka-Marktes von Tobias Schnabel in Northeim hin.
+
Gut sichtbare Schilder weisen auf das richtige Verhalten auf dem Parkplatz des Edeka-Marktes von Tobias Schnabel in Northeim hin.

Achim Schneider aus Moringen hat den Inhaber des Northeimer Edeka-Marktes, Tobias Schnabel, wegen Nötigung angezeigt.

Northeim - Der Grund: Schneider hat sich über Schnabel geärgert, weil dieser seinem Auto vor gut einer Woche auf dem Supermarkt-Parkplatz eine Parkkralle verpasst hatte.

Er habe sein Auto auf dem Schnabel-Parkplatz abgestellt, das Grundstück verlassen und zunächst „eine oder eineinhalb Stunden“ andere Dinge erledigt, erzählte er auf HNA-Anfrage. Danach sei er kurz in den Edeka-Markt einkaufen gegangen. Als er zu seinem Auto zurückgekehrt sei, habe er die Kralle entdeckt.

„Ich musste mich dann im Markt melden mit dem Hinweis, Herr Schnabel würde gleich kommen. Zehn Minuten ließ er mich stehen, dann bekam ich erst mal eine Belehrung von Herrn Schnabel“. Rund eine halbe Stunde habe das alles gedauert, in der Zwischenzeit sei die Parkkralle auch wieder abgebaut worden.

„Das hat mich aber so genervt und ich finde das so lächerlich, dass ich mich beim ADAC erkundigt habe, was ich machen kann. Dort wurde mir gesagt, dass die halbe Stunde ausreiche für den Tatbestand der Nötigung“, so Schneider.

Markt-Inhaber Tobias Schnabel sieht der Anzeige sehr gelassen entgegen: Jeden Tag habe er es inzwischen mit Menschen zu tun, die ihre Autos auf seinem Parkplatz abstellen, dann das Grundstück verlassen, um zum Beispiel gegenüber im Ärztehaus einen Termin wahrzunehmen, sagt er auf HNA-Anfrage. Und das, obwohl es dort auch genügend Parkplätze gibt. „Da kostet das Parken aber Geld“, so Schnabel.

Große Hinweisschilder auf dem Parkplatz und an der langen Lärmschutzwand würden Autofahrer ausführlich auf das „richtige Parkverhalten“ hinweisen, doch scheint das nur Wenige zu interessieren. Täglich würden Mitarbeiter mehr als 20 Informationszettel an Autos heften, die dort seit mehreren Stunden stehen.

Und ab und an werde eben eine Parkkralle angebaut, wenn das Verhalten besonders dreist sei, so Schnabel. Wenn er oder seine Mitarbeiter die Autofahrer dann ansprechen, gäbe es selten Einsicht, umso häufiger aber Ausreden, Lügen und Beleidigungen. „Einer Mitarbeitern wurde von einer Frau erst kürzlich eine Krebs-Erkrankung gewünscht, nur weil sie darauf hingewiesen wurde, dass es sich um einen Privat-Parkplatz handelt“, erzählt Schnabel.

Noch niemand habe bislang, wie inzwischen auf den meisten Supermarkt-Parkplätzen in Northeim, für „falsches“ Parken bei ihm Geld bezahlt, noch nie habe er einen Abschleppdienst mit dann hohen Folgekosten für die Autofahrer beauftragt.

Trotzdem behalte er sich vor, diejenigen, die seinen Kunden dreist die Parkplätze wegnehmen, über ihr Fehlverhalten zu informieren. „Jeder, der in den Markt kommt und Bescheid sagt, dass er kurz ins Ärztehaus gegenüber muss, um ein Rezept zu holen, und dann noch einkaufen gehen will, kann das gerne tun, damit habe ich auch gar kein Problem“, so Schnabel. Aber sein Parkplatz sei halt kein öffentlicher, kostenloser Parkplatz. Dafür sollte doch jeder Verständnis haben.

Zu der Anzeige wegen Nötigung gegen Schnabel betonte eine Sprecherin der Polizei Northeim, dass es zu dem Thema in der Rechtsprechung unterschiedliche Entcheidungen gebe, auch der Bundesgerichtshof (BGH) habe sich bisher eine Entscheidung vorbehalten.

„Mit dem Befahren des Parkplatzes von Herrn Schnabel gehen die Nutzer einen Vertrag mit dem Betreiber ein, der nur für den Zeitraum des Einkaufs gilt. Wird der Parkplatz aber zur Fuß für andere Erledigungen verlassen, ist der Vertrag nichtig“.

Dann könnte der Parkplatz-Eigentümer das Auto zum Beispiel abschleppen lassen. Ob es sich bei dem Vorfall auf dem Schnabel-Parkplatz um eine Nötigung handele, müssten Juristen entscheiden. Die Polizei habe aber Ermittlungen wegen des Verdachts der Nötigung eingeleitet. (Kathrin Plikat)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.