Mitarbeiter enttäuscht von Wilvorst

Demonstration für den Erhalt der Arbeitsplätze am Standort Northeim

Mitarbeiter der Firma Wilvorst haben sich gestern rund um den Friedrich-Wilhelm-Vordemfelde-Kreisel postiert, um für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze zu demonstrieren.
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Mitarbeiter der Firma Wilvorst haben sich gestern rund um den Friedrich-Wilhelm-Vordemfelde-Kreisel postiert, um für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze zu demonstrieren.

Die Angst geht um bei den 220 Mitarbeitern der Firma Wilvorst in Northeim und Goslar. Deshalb haben sie am Dienstagmittag, 22. September, vor den Werkstoren in Northeim demonstriert. Sie werfen der Geschäftsleitung vor, Corona als Vorwand zu nutzen, um die Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern.

Northeim – Schon lange seien immer mehr Aufträge von der Näherei in Northeim an die Standorte im Ausland verlegt worden. Immer mit dem Argument, dass die deutsche Produktion zu teuer sei, berichten die Mitarbeiterinnen vor den Werkstoren. Hoffnung hätte es kurzfristig bei ihnen gegeben, als es hieß, dass man nun Mund-Nasen-Schutze in Northeim nähen würde. „Doch nachdem wir die Prozesse des Nähens optimiert hatten, wurde auch diese Arbeit ins Ausland verlagert“, berichtet eine Mitarbeiterin.

So haben die meist langjährigen Mitarbeiter des Familienunternehmens nun Sorge, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Sie glauben nicht mehr daran, dass es noch eine Rettung gibt. „Wir haben schon Existenzängste“, berichten sie und sind enttäuscht darüber, wie die Geschäftsleitung mit ihnen umgeht. „Das ist unwürdig“, sagen sie.

Es hätte noch nicht mal eine Betriebsversammlung gegeben, wird kritisiert. Auch hier wäre Corona vorgeschoben worden, dabei hätte die Versammlung nach ihrer Meinung auch draußen auf dem großen Betriebsparklatz im Freien und mit Abstand stattfinden können. Dann hätten sie wenigstens ihre Fragen an die Geschäftsführung stellen können. Doch stattdessen sei die Belegschaft mit einem Brief und einigen WhatsApp-Nachrichten „abgespeist“ worden.

Zum Hintergrund: Kürzlich hatte die Geschäftsführung einen Brief an die Mitarbeiter geschickt, in dem ihnen erklärt wurde, wie schlecht sich aufgrund von Corona die Verkaufszahlen entwickelt hätten und dass nun dringende Einsparungen erforderlich seien (wir berichteten).

Seit Wochen verhandelt der Betriebsrat, unterstützt von der zuständigen IG Metall, mit der Geschäftsführung, um Ideen zu entwickeln, das Traditionsunternehmen am Standort Northeim zukunftsfähig zu machen. „Wir hoffen, dass es noch eine Lösung geben wird“, so Bianka Berlin von der IG-Metall.

Die beiden Geschäftsführer Andreas Wolf und Stefan Kohlmann betonten, dass sie den Sparkurs fahren müssen, um den Standort Northeim zu erhalten. „Die Verlagerung der Arbeitsplätze ins Ausland kann nur ein letzter Schritt sein“, so Wolf kürzlich im Gespräch mit der HNA.

Doch dem wollen die Mitarbeiter nicht so richtig Glauben schenken, wie gestern bei der Protestkundgebung zu hören war. Die Verlagerung der Produktion, sagen die Demonstrierenden, sei schon längst vor Corona eine beschlossene Sache gewesen.

Sie werfen der Geschäftsführung vor, dass es schon seit dem Wechsel in der Chefetage kein Interesse mehr am Produktionsstandort Northeim des 104 Jahre alten Familienunternehmens gegeben habe.

Von Rosemarie Gerhardy

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