Patientin im Wechselbad der Gefühle

Kurz nach Kaiserschnitt: Junge Mutter aus Moringen von Hirntumor befreit

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Klinik-Chefarzt, Dr. Ralph Carsten Thinius (rechts) freut sich für Martina Wabnitz und ihren Freund Philip Beuse, die sich nach einer turbulenten Zeit nun endlich ihrem Familienglück mit Tochter Greta widmen können.

Nur zwei Wochen nach einem Kaiserschnitt erhielt Martina Wabnitz aus Moringen die Nachricht, dass sie einen Gehirntumor hat. 

Glück und Unglück – manchmal liegen sie dicht beieinander. Im Fall von Martina Wabnitz aus Moringen waren es gerade einmal zwei Wochen, in der über einen letztlich glücklich ausgegangenen Krankheitsfall und die schnelle Diagnose in der Klinik berichtet wird, teilt die Northeimer Helios-Klinik mit.

Erst Ende April habe die 34-Jährige in der Helios Albert-Schweizer Klinik in Northeim eine gesunde Tochter auf die Welt gebracht, für sie und ihren Freund das größte Geschenk. Nur Tage später verschlug es die junge Frau erneut ins Krankenhaus – mit starken Kopfschmerzen.

Diagnose kam unerwartet

Mit dem, was die Untersuchungen ergaben, hatte selbst Dr. med. Ralph Carsten Thinius, Chefarzt der Neurologie, nicht gerechnet. Er diagnostizierte bei Martina Wabnitz einen Gehirntumor. „Das kam sehr unerwartet“, sagt Dr. Thinius. Machten doch Hirntumore, in diesem Fall war es ein sogenanntes Olfaktorius-Meningiom, nur etwa zwei Prozent aller Krebserkrankungen aus, und sie treten eher bei Menschen zwischen 50 und 70 Jahren auf und würden selten operativ entfernt, fährt er fort.

Nachdem die Kopfschmerzen immer stärker wurden und schwächeähnliche Stürze hinzukamen, war sich Martina Wabnitz sicher: Hier stimmt etwas nicht. „Da die kleine Greta per Kaiserschnitt auf die Welt geholt wurde, habe ich ja sowieso Schmerzmittel bekommen. 

Kopfschmerzen und Stürze

Aber die haben irgendwann nicht mehr geholfen. Dann kamen noch die Stürze hinzu. Da sind wir dann in die Notaufnahme gefahren“, erinnert sich die junge Frau. Zunächst vermutete Chefarzt Dr. Thinius bei der Patientin eine Hirnvenenthrombose. Auf dem MRT-Bild habe sich jedoch ein apfelsinengroßer Fleck im Bereich hinter der Stirn gezeigt.

Wabnitz: „Als ich das sah, habe ich gedacht, hoffentlich ist das nicht dein Kopf und nach der versteckten Kamera gefragt. Ich stand unter Schock, war wie gelähmt, und auch die nächsten Wochen verliefen eher wie ein Film. Es kam mir völlig irreal vor.“ Ruhig und nachvollziehbar habe der Northeimer Arzt ihr dann jedoch den Befund und alle weiteren Schritte erklärt. 

Zudem habe er eine schnelle Verlegung zur Operation nach Göttingen in die Neurochirurgie organisiert. Im Genesungsverlauf habe er ihr mit Rat und Tat zur Seite gestanden und sich auch nach dem Operationsverlauf erkundigt.

Nur Verlust des Geruchssinns ist geblieben

Die junge Mutter: „Dr. Thinius hat sich immer viel Zeit für uns genommen. Das hat mich beruhigt, und ich habe ich mich sehr gut aufgehoben gefühlt.“ Das schmerzende „Ding“ in ihrem Kopf ist Martina Wabnitz nun los. 

Nur der Verlust des Geruchsinns sei geblieben, so die Klinikmitteilung mit den Schilderungen. Wabnitz: „Und wenn ich so zurückdenke: Riechstörungen habe ich auch schon vor der Schwangerschaft gehabt. Und in den letzten Jahren hatte ich mich irgendwie verändert. War antriebslos und emotional gedämpft. Das haben meine Freunde auch gemerkt. Wer weiß also, wie lange ich das Ding schon hatte.“

Wabnitz sieht die Umstände, unter denen der Tumor entdeckt wurde, heute eher als Glücksfall an. „Ohne die Schwangerschaft und Greta hätte es vielleicht noch etwas länger gedauert, bis sich das ,Ding’ gemeldet hätte.“ So habe Dr. Thinius den Tumor früh genug entdeckt, sodass er auch schnell habe operiert werden können. 

Nach Wochen im Wechselbad der Gefühle ist Martina Wabnitz nun dankbar und freut sich, wieder die Powerfrau von früher zu sein, sich mit Freunden zu treffen, Pläne zu schmieden, sich um Pferde, Hund und Schafe auf ihrem Bauernhof zu kümmern. Und natürlich möchte sie ihre Tochter aufwachsen sehen. 

Meningeome sind meistens gutartig

Meningeome entstehen nach Angaben der Deutschen Hirntumorhilfe, im Gegensatz zu anderen Hirntumoren, nicht aus der Gehirnsubstanz, sondern aus den Zellen der Hirnhäute. Sie machen etwa 20 Prozent der sogenannten intrakraniellen – das heißt: im Schädel befindlichen – Tumore aus, kommen aber auch im Rückenmarkskanal oder innerhalb der Augenhöhle vor. 

Etwa 85 Prozent aller Meningeome sind gutartig, erklärt die Hirntumorhilfe weiter. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer, das Erkrankungsalter liegt meistens zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr. Weitere Informationen unter hirntumorhilfe.de.

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