Krankheit soll kein Tabu-Thema sein

Mut-Tour macht Station in Northeim: Mit dem Tandem gegen Depression

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In Northeim zu Gast: Teilnehmer der Mut-Tour 2017 mit und ohne Depressionserfahrung. Mehr als fünf Millionen Menschen erkranken jährlich an Depression. Trotzdem ist es häufig ein Tabuthema. Die Mut-Tour endet im August in Leipzig.

Northeim / Göttingen. Es gibt Dinge, über die in unserer Gesellschaft nicht gerne gesprochen wird. Dinge, die bei der Jobsuche hinderlich sein können. Und unter denen die Betroffenen stark leiden: So wie Depressionen.

Um auf dieses für viele Tabu-Thema aufmerksam zu machen, sind sechs Betroffene auf drei Tandems quer durch Deutschland unterwegs und haben in Northeim Station gemacht.

In Bremen ist die Mut-Tour gestartet. 3200 Kilometer legen verschiedene Teams mit insgesamt 45 Teilnehmern zurück. Dabei nutzen sie das Rad, Zweier-Kajacks oder gehen auch mal zu Fuß. Das Ziel: Die Entstigmatisierung der Depression als Erkrankung.

Als das sechsköpfige Team am Dienstagvormittag auf dem Northeimer Marktplatz ankommt, sieht man niemandem an, dass er aktuell oder in der Vergangenheit mit Depressionen zu kämpfen hatte. Wie Peter Kraus und Mia Anders erzählen, ist das Tandem ein Gefährt mit Symbolkraft. „Wenn ich mal einen Durchhänger habe, fängt mich mein Mitfahrer auf“, sagt Anders. Nicht nur das sei für Betroffene wichtig zu wissen, sondern auch die Gemeinschaft, Tagesstruktur, Bewegung und die Natur, die bei der Mut-Tour erfahren wird. „Die Tour ist aber nicht nur eine Erholungsfahrt, sondern auch anstrengend“, sagt Mia Anders lachend. Wie ihr Teampartner Peter Kraus erklärt, haben die Fahrer alles dabei, was zum Zelten und Leben in der Natur erforderlich ist. Da kommt so manches Kilo zusammen.

Das Team war in Hildesheim gestartet und hatte in Northeim übernachtet. Weiter ging es am Mittwoch über Göttingen nach Witzenhausen.

Die Depression ist in der Gruppe durchaus Thema. Man tausche sich aus, aber „man bemitleidet sich nicht“. Die Teilnehmer der Mut-Tour möchten Betroffene, bei denen eben nicht alles in Ordnung ist, ermutigen, sich Hilfe zu suchen. Ganz gleich ob über den Hausarzt oder einer Selbsthilfegruppe.

Für 2018 sucht die Mut-Tour noch Mitfahrer. Für sie geht es im Vorfeld ins Trainingslager nach Mecklenburg-Vorpommern. Waschen mit kaltem Wasser und die Benutzung eines Plumpsklos – „das ist für manchen eine Herausforderung“, berichten Anders und Kraus mit einem Augenzwinkern. Die Kontaktdaten gibt es im Internet. Dort gibt es auch Hilfskontakte für Betroffene. (kmn) www.depressionsliga.de

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