Naturschützer sammeln weiter Unterschriften

Nabu Northeim hält am Volksbegehren Artenvielfalt fest

Nabumitglieder mit Mund- und Nasenschutz in Hannover beim Start der Unterschriftensammlung
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Start der Unterschriftensammlung für das Volksbegehren in Hannover

Die Unterschriftensammlung für das Volksbegehren geht weiter.

Northeim – Mit dem Volksbegehren Artenvielfalt möchten die Initiatoren nach wie vor mehr Verbindlichkeit für den sogenannten Niedersächsischen Weg erreichen. Darauf hat jetzt Klaus Bodenstein, 2. Vorsitzender des Nabu-Kreisverbandes Northeim hingewiesen, nachdem der Nabu Niedersachsen angekündigt hatte, unter Umständen auf das Volksbegehren verzichten zu wollen.

Der Niedersächsische Weg, den unter anderem die Naturschutzverbände Nabu und BUND sowie das Landvolk unterschrieben hätten, sei lediglich eine Absichtserklärung, sagt Bodenstein. Die enthalte zwar einige Forderungen in Sachen Natur- und Umweltschutz, die noch über die im Volksbegehren geforderten Maßnahmen hinaus gingen. Andere Schwerpunkte wie zum Beispiel der Gewässerrandschutz und die Vorschläge zum Waldschutz könnten nach der Vereinbarung aber jederzeit gemildert, unterschiedlich ausgelegt oder verworfen werden.

Klaus Bodenstein

„Wir sind deshalb der Meinung, dass nur durch den Druck, den das Volksbegehren erfolgreich ausübt, Naturschutz in Niedersachsen gesetzlich so festgelegt werden kann, dass es uns allen nützt, Landwirten wie der allgemeinen Bevölkerung und nicht zuletzt der Natur“, sagt Bodenstein. und berichtet, dass dies auch eines der Gesprächsthemen bei einem Treffen in Moringen gewesen sei, an dem Vorstandsmitglieder des Nabu und des Landvolks Northeim-Osterode sowie ein Biobauer teilgenommen hätten und das in angenehmer Atmosphäre verlaufen sei.

„Wir freuen uns, dass diese Gespräche zwischen Landvolk und Nabu fortgesetzt werden sollen“, so Bodenstein. „Denn ohne die Landwirte, die einen Großteil der Flächen gestalten, geht Naturschutz nicht, und viele Arten sind durch die Landwirtschaft überhaupt erst hier in der Region ansässig geworden.“ Entscheidend sei allerdings, wie das Land bewirtschaftet werde und wie viel Platz man der Natur lasse.

Bodenstein: „Aus Sicht des Landvolks sind die im Niedersächsischen Weg dafür vereinbarten Regelungen ausreichend, aber wir sehen das anders und meinen, dass der von den Naturschutzverbänden und der Landwirtschaft vereinbarte Niedersächsiche Weg in Sachen Artenschutz nur erfolgreich sein, wenn er durch das Volksbegehren massiv unterstützt und ergänzt wird.“ Ein weiterer Punkt, den man bei dem Treffen des Nabus und des Landvolks besprochen habe, sei der finanzielle Ausgleich für Maßnahmen, die Acker- und Grünflächen beeinflussen. „Der Nabu hält es für selbstverständlich und notwendig, dass kein Landwirt durch den Artenschutz Einbußen erleiden darf.“

Natürlich gebe es da und dort auch andere Landwirte, denen Natur- und Umweltschutz eher ein Dorn im Auge seien. Vielen gehe es um Maximalerträge auf ihren Flächen, und der Verzicht oder die Einschränkung von Giften wie Pestiziden, Glyphosat und anderen Mitteln, erscheine ihnen als Eingriff in ihre gewohnte Lebensweise. Den Begriff Pflanzenschutzmittel hält Bodenstein in diesem Zusammenhang für einen euphemistischen Begriff, weil diese Stoffe eher ein Schutz vor Pflanzen und nicht für Pflanzen seien. Auch die Frage, ob die deutsche Landwirtschaft die Bevölkerung überhaupt noch ernähren könne, wo Deutschland doch vieles importieren müsse, sei bei dem Treffen erörtert worden, berichtet Bodenstein. Dazu sei zu bedenken, dass 70 Prozent der Fläche für die Fleischproduktion verwendet würden und weitere Prozente für Industriepflanzen. Wenn man die Exporte von Schweinefleisch in riesigen Mengen nach China anschaue, beantworte sich diese Frage fast von selbst. „Mit einer gesunden Ernährung und besseren Antwort auf die Globalisierung könnten wir nach Expertenmeinung unsere Bevölkerung dreimal ernähren“, betont Bodenstein. „Es würde uns leicht fallen, mehr Platz für die Natur zu schaffen, die Grundlage für unser Überleben ist.“

Das nächste Treffen mit Vertretern des Landvolks soll im September stattfinden. Dann auf einem der Höfe der Landvolk-Mitglieder. „Wir glauben an positive Ergebnisse“, ist Bodenstein überzeugt.

Die Mehrheit der Deutschen ärgert sich laut einer Studie des Bundesumweltministeriums über den zu sorglosen Umgang mit der Natur und fordert eine Stärkung der Schutzgebiete. Die möchte der Nabu mit dem Volksbegehren erreichen. Damit das zugelassen wird, müssen niedersachenweit 25 000 Unterschriften gesammelt werden. Dieses Ziel ist laut Bodenstein bereits erreicht. Am Samstag haben auf dem Northeimer Wochenmarkt allein 72 Personen dafür unterschrieben.

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