Festivalbesucher feierten auf dem Campingplatz weiter

Nach Terrorwarnung: Junge Menschen aus der Region berichten von Rock am Ring

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Hoffen, dass das Festival fortgesetzt wird: Simon Sander, Stefan Sander und Verena Geier (vorne, von links).

Nürburgring/Northeim/Schwalm. Das Festival Rock am Ring zieht jedes Jahr zehntausende Besucher an. Als es am Freitagabend wegen einer Terrorwarnung abgebrochen wurde, waren auch junge Menschen auf dem Gelände.

Aktualisiert: 3. Juni 2017, 15 Uhr -  Der Himmel bricht auf, die Broilers heizen der Masse auf der Hauptbühne ein - ideale Festivalbedingungen. So beschreibt Simon Sander (26) aus dem Kreis Northeim die Momente, bevor Rock am Ring am Freitagabend sein abruptes, vorläufiges Ende gefunden hat.

Der junge Mann ist mit einer Gruppe von über 20 jungen Erwachsenen aus dem Kreis Northeim am Nürburgring. "Wir sind seit Mittwochmorgen auf dem Campingplatz", berichtet Sander am späten Freitagabend der HNA. "Die Vorfreude auf den heutigen musikalischen Eröffnungstag war groß. Viele sind extra wegen Rammstein angereist."

Der Auftritt der Broilers am Freitagabend.

Doch zum Auftritt der Band kam es am Abend nicht mehr. "Gegen 21 Uhr kam Veranstalter Marek Lieberberg mit einer Polizistin auf die Bühne und hat die Nachricht verkündet, dass das Festival vorübergehend unterbrochen wird", berichtet Sander, der zu diesem Zeitpunkt ebenfalls mit Zehntausenden vor der Hauptbühne gestanden hat. "Alle sollten ruhig und ohne Panik das Gelände verlassen." Die Enttäuschung sei sehr groß gewesen, aber der Tross aus 80.000 Festivalbesuchern habe sich langsam in Richtung des Campingplatzes und der Parkplätze bewegt. "Das lief total geordnet ab. Insgesamt gibt es hohe Sicherheitsstandards. Wir werden bei jedem Betreten des Geländes einzeln kontrolliert." Angst habe niemand gehabt.

Dennoch gab es auch Fans, die unter Tränen das Gelände verlassen haben. "Es ist sehr schwer, überhaupt an Karten für Rammstein zu kommen. Viele wollen die Band unbedingt sehen." Deshalb hoffen alle Fans auf die Veranstalter: Diese wollen die Musiker überreden, am Samstag aufzutreten.

Informationen über den aktuellen Stand der Dinge gibt es für die Festivalbesucher am Nürburgring laufend. "Es gibt eine Rock am Ring-App, die informiert und auch immer Updates über die Facebookseite. Außerdem stehen auf dem Gelände Lautsprecher", berichtet Sander. Währenddessen feiere etwa die Hälfte der Besucher auf dem Campingplatz weiter. "Viele sitzen aber auch einfach in ihren Stühlen und hoffen, dass es morgen weitergeht."

Die Gruppe aus Südniedersachsen hat nach dem Bekanntwerden der Festivalunterbrechung eine Menge Nachrichten und Anrufe bekommen. "Alle wollen wissen, wie es uns geht", sagt der 26-Jährige. Ihnen kann er Entwarnung geben: "Es geht uns gut".

Alle Informationen finden Sie in unserem Newsticker zur Terrorwarnung bei Rock am Ring.

Auch junge Menschen aus der Schwalm vor Ort

Am Samstagmorgen erreichten uns auch Nachrichten von Festivalbesuchern aus der Schwalm. "Wir waren bei dem Broilers-Konzert, als plötzlich Rock-am-Ring-Veranstalter auf die Bühne kamen und sagten, wir sollten auf die Zeltplätze gehen. Es dauerte dann ewig bis wir da waren, da es eine Massenwanderung war. Aber es wurde dabei gesungen, z.B. "Scheiß Terror" oder "Pure Lust am Leben"", berichtet uns eine junge Frau aus dem Schwalm-Eder-Kreis, die anonym bleiben möchte. 

Die Stimmung sei eher feierlich gewesen, als sie das Gelände verlassen musste. "Jetzt [am Samstagmorgen, Anm. der Red.] müssen wir alle warten, ob es heute weiter geht oder nicht. Ärgerlich."

Gegen 14.45 Uhr am Samstag ist die Besuchergruppe aus der Schwalm wieder Richtung Festivalgelände aufgebrochen. "Über die Festivalapp sind wir gut informiert, wie es weitergeht", erzählte die Teilnehmerin per Handy. Das Internet funktioniere wieder gut, anders als am Freitag, als praktisch nichts mehr ging. Es herrsche wieder normaler Betrieb, aber alle seine enttäuscht, dass die "Headliner" Rammstein definitiv nicht mehr auftreten, "deretwegen sind ja viele hierher gekommen". Trotzdem sei die Stimmung dort bei "Rock am Ring" nach wie vor gut.

Schon letztes Jahr mussten sie und ihre Gruppe wegen des Unwetters früher vom Festival weg. Nach wiederholten Unwettern mit mehr als 80 Verletzten war das Festival in der Eifel im vergangenen Jahr vorzeitig abgebrochen worden. "Dafür wurde dieses Jahr vorgesorgt durch mehr Blitzableiter. Diese würden jedoch gegen Terror nicht helfen", merkt die junge Frau an.

Festivalgelände geräumt: Keine Spur von Panik

Auch in den sozialen Netzwerken spiegelt sich die Reaktion der Northeimer Gruppe wider. Viele schrieben am Freitagabend von einem ruhigen Ablauf der Räumung, Panik oder Angst sei nicht ausgebrochen. Eher im Gegenteil machten viele junge Menschen deutlich, dass sie sich von der Drohung nicht unterkriegen lassen möchten.

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