Trend sind anonyme oder halbanonymen Bestattungsformen

Nachfrage nach gestalteten Grabsteinen geht zurück

Northeim. Die veränderte Friedhofskultur bereitet dem Steinmetzhandwerk in Deutschland große Probleme. Auch in Northeim blickt dieses Handwerk in eine ungewisse Zukunft.

In Baden-Württemberg haben mehrere Betriebe bereits vor fünf Jahren den „Verein für Friedhofskultur und Verbraucherschutz“ gegründet, um den Bedarf nach handwerklich anspruchsvoll gestalteten Grabsteinen aufrecht zu erhalten.

Nach Einschätzung von Fritz Reichert, dessen Steinmetzbetrieb seit 1897 in Northeim ansässig ist, müssen sich die Betriebe aber damit abfinden, dass der Trend nach immer mehr anonymen oder halbanonymen Bestattungsformen nicht aufzuhalten ist. „Wir müssen uns einfach der Entwicklung anpassen“, sagt Reichert. Eine Spezialisierung auf andere Bereiche wie zum Beispiel den Treppenbau sei für ihn aber nicht in Frage gekommen. Er habe sich dazu durchgerungen, den Betrieb zu verkleinern. „Das zweite Grundstück am Harztor habe ich verkauft, und die Anzahl der Mitarbeiter von zwölf auf sechs reduziert.“

„Mit dem anonymen Gräberfeld auf dem Hillerser Friedhof ging es los“, erinnert sich Reichert. Mittlerweile seien Rasengräber auch auf den anderen Friedhöfen der Region üblich. Und sogar von Kollegen aus dem katholischen Eichsfeld, wo die Erdbestattung noch stärker zur Friedhofskultur gehört, höre er mittlerweile Klagen.

Nach Einschätzung von Reichert ist in Northeim der Trend durch die Einrichtung des Ruhewaldes Bürgerholz noch einmal verstärkt worden.

Dass die Wald-Bestattungsform von vielen Menschen gewünscht wird, zeigt ein Blick in die Statistik des Friedhofsamtes Northeim. Bei insgesamt 299 Bestattungen wurde in 2014 bislang 87-mal eine Beisetzung im Ruhewald gewählt. Außerdem gab es 159 Urnen- und 53 Erdbestattungen auf den städtischen Friedhöfen in Northeim, Höckelheim, Hillerse, Sudheim, Schnedinghausen und Hollenstedt. (nik)

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