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Nachfrage und Preise von Brennholz steigen auch im Landkreis Northeim

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Von: Rosemarie Gerhardy

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Die Nachfrage nach Brennholz ist derzeit groß: Stadtförster Jonas Fürchtenicht rät Käufern, das Holz am Wegrand zügig abzuholen, da vermehrt mit Diebstählen gerechnet werden muss.
Die Nachfrage nach Brennholz ist derzeit groß: Stadtförster Jonas Fürchtenicht rät Käufern, das Holz am Wegrand zügig abzuholen, da vermehrt mit Diebstählen gerechnet werden muss. © Hubert Jelinek

Seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine und der damit verbundenen Energiekrise ist auch die Nachfrage nach Brennholz drastisch gestiegen. Jonas Fürchtenicht, Leiter des Forstamts Moringen und in dieser Funktion auch zuständig für den Stadtforst Northeim, schätzt, dass die Nachfrage im Vergleich zum Vorjahr um circa 30 Prozent zugenommen hat.

Northeim/Moringen//Dassel – Auch die Niedersächsischen Landesforsten verzeichnen einen seit Monaten ständig gestiegenen Bedarf an Brennholz, sowohl direkt von Endverbrauchern als auch von Brennholzproduzenten. Bevorzugt werde, so die Forstämter, das sogenannte Industrieholz, das auf drei bis fünf Meter Länge fertig zugeschnitten zur Abholung für Kunden am Waldrand liegt. Doch mit steigendem Bedarf und steigenden Preisen, sei auch mit vermehrtem Brennholzdiebstahl aus dem Wald zu rechnen.

Erst in der vergangenen Woche wurden laut Michael Rudolph, Pressesprecher der Niedersächsischen Landesforsten (NLF), bei Dassel fünf Raummeter Buchen-Brennholzstämme aus dem Wald gestohlen. Ausgelaufenes Hydrauliköl an der Stelle lasse auf Diebe mit professioneller Ausrüstung schließen.

Doch auch sonst käme es immer wieder zu Brennholzdiebstählen. Meist nicht im großen Stil, sondern mal hier ein paar Scheite, die im Vorbeigehen mitgenommen würden, mal dort eine Wagenladung voll. Das bestätigt auch Fürchtenicht. Es sei bereits zu kleineren Diebstählen gekommen, aber auch in den vergangenen Jahren sei Brennholz gelegentlich „abhanden gekommen“.

Fürchtenicht: „Ich befürchte aber, dass die Diebstähle weiter zunehmen werden. Daher raten wir jedem Kunden, sein Holz zeitnah abzufahren.“

Den sogenannten Leseschein, mit dem in der Vergangenheit gegen eine Gebühr Kleinholz vom Waldboden eingesammelt werden konnte, gebe es nicht mehr. Das sei vom bürokratischen Aufwand her zu hoch – und das Interesse zu gering gewesen, sagt Rudolph zur Begründung. Jetzt werde das Holz zu Hackschnitzeln verarbeitet oder verbleibe einfach im Wald.

Das sogenannte „Holzmachen“ müsse auf jeden Fall vorher beim Forstamt oder Revierförster oder auch beim Eigentümer angefragt und angemeldet werden. „Einfach Holz aus dem Wald mitzunehmen, das ist Diebstahl“, betont Jonas Fürchtenicht.Die Lage am Brennholzmarkt verschärft sich zunehmend. Dabei kann das im Frühjahr und das ab Oktober neu geschlagene Holz ohne weitere Trocknung in diesem Winter noch nicht verheizt werden. Denn Brennholz darf maximal eine Feuchtigkeit von 25 Prozent aufweisen, sagt Michael Rudolph von den Niedersächsischen Landesforsten. Eine Ausnahme bilde trockene „Borkenkäfer-Fichte“. Diese sei oft im Wald schon getrocknet und könne gegebenenfalls in ein paar Monaten verbrannt werden. Da lohne es sich, auf jeden Fall bei den Waldgenossenschaften nachzufragen.

Bei steigender Brennholz-Nachfrage könne nicht garantiert werden, dass alle Anfragen bedient werden, so Rudolph und Jonas Fürchtenicht, Leiter des Moringer Stadtforstamtes. Da der Wald nachhaltig bewirtschaftet werde, könne jedes Jahr auch nur ein gewisses Holz-Kontingent produziert werden.

Brennholz wird „gehamstert“

Die Niedersächsischen Landesforsten haben den Eindruck, dass Brennholz jetzt verstärkt „gehamstert“ werde. Dem versuche man entgegenzuwirken, indem bevorzugt Stammkunden das Holz erhielten und wenn die angefragte Menge deutlich über dem des Vorjahres liege, würde diese entsprechend kontingentiert, so Rudolph. Nicht nur bei Selbstwerbern, auch bei den gewerblichen Brennstoffhändlern sei die Nachfrage deutlich gestiegen.

Aktuelle Brennholzpreise

Im Stadtforstamt Moringen sind die Preise aktuell noch unverändert geblieben. Zur nächsten Saison (ab circa Oktober) werden die Preise im Brennholzbereich aber angepasst. Der Raummeter Laubhartholz (Buche, Esche etc.) in Selbstwerbung kostet laut Fürchtenicht zurzeit 20 Euro/Raummeter (rm) plus 5,5 Prozent Mehrwertsteuer. Ab Oktober kostet er dann circa 25 Euro/rm.

Der Festmeter Laubhartholz als Industrieholz am Weg kostet zurzeit 50 Euro/Festmeter (fm) plus 5,5 Prozent Mehrwertsteuer.

Hier wird ab Oktober in zwei Kategorien unterschieden: Industrieholz normal für circa 65 Euro/fm und Automatenholz (astreines Rundholz in Standardlängen für die automatisierte Scheitholzproduktion) für circa 85 Euro/fm.

Bei den Landesforsten verhandeln die Forstämter den Preis. Hier liege der Richtwert für Premium-Buchenholz zugeschnitten bei rund 48 Euro/rm netto, erklärte Rudolph. Den Raummeter Nadelholz gibt es nach seinen Worten bereits ab 30 Euro netto. (rom)

Motorsägenschein ist immer Voraussetzung

Es gibt unterschiedliche Methoden, Brennholz zu erwerben: . Die klassische Selbstwerbung: Kronenholz nach dem Holzeinschlag selbst sägen.

. Industrieholz (dünne oder qualitativ schlechte Stämme): Dieses Holz wird vom Forstamt zur Abholung auf drei bis fünf Metern Länge geschnitten und am Waldweg aufgestapelt.

Voraussetzung für alle Holzarbeiten im Wald ist ein Motorsägenschein. (rom)

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