Jäger fangen Tiere mit Fallen

Waschbären werden im Landkreis Northeim immer mehr zur Plage

Mit einer solchen Kastenfalle lassen sich Waschbären lebend fangen, berichtet Ralf-Günter Rahnert von der Jägerschaft Northeim. FOTO: MICHAEL CASPAR
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Mit einer solchen Kastenfalle lassen sich Waschbären lebend fangen, berichtet Ralf-Günter Rahnert von der Jägerschaft Northeim.

Sie räumen Vogelnester aus, plündern in Gruppen von bis zu 20 Tieren Obstbäume oder nehmen auf Dachböden die Dämmung auseinander. „Waschbären, deren Zahl in Südniedersachsen seit Jahren steigt, verursachen erhebliche Schäden“, berichtet der Vorsitzende der Jägerschaft Northeim, Ralf-Günter Rahnert.

Northeim - Die possierlich wirkenden Raubtiere machen den Bodenbrütern das Leben schwer. „Dass der Wachtelkönig seit zwei Jahren im Leinepolder kaum noch zu beobachten ist, hat wahrscheinlich mit den vielen Waschbären dort zu tun“, vermutet Rahnert. „Die Tiere angeln mit ihren langen Pfoten Vogelkästen leer“, ergänzt Bernhard Biel, der Northeimer Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu). Und sie machten selbst vor den Horsten von Greifvögeln, wie dem Rotmilan, nicht halt.

Rahnert bekommt Anrufe von Gartenbesitzern, an deren Obstbäumen kein einziger Apfel, keine Kirsche mehr hängt. „Auf der Suche nach Engerlingen graben die Wildtiere Gärten um“, weiß Biel. Gerade erst habe er den Anruf einer Frau aus der Northeimer Wilhelmstraße erhalten. Dort hätten Waschbären wie eine Rotte Wildschweine gewütet. „Teuer wird es, wenn sich die Tiere unter losen Dachziegeln durchzwängen“, sagt Rahnert. Sie zerstören die Dämmung und koten alles voll. „Helfen sie uns“, bitten ihn immer wieder Hausbesitzer. „Wenden sie sich an ihren örtlichen Jagdpächter“, sagt der Vorsitzende der Jägerschaft dann. Der Jagdpächter kann, wenn er den nötigen Sachkundenachweis hat, Lebendfallen einsetzen. 80 bis 150 Euro kostet eine Kastenfalle, eine Rohrfalle aus Beton für den festen Einbau zwischen 450 und 1200 Euro. Auf eine Wippe werden Räucherfisch, Trockenobst oder Katzenfutter gelegt. Berührt das Tier die Wippe, fallen die Türen zu und der Waschbär sitzt im Dunkeln.

„Fallen lassen sich mit einem 160 bis 200 Euro teuren Melder ausstatten, der den Jäger per SMS über das Zuschnappen benachrichtigt“, sagt Rahnert. Mindestens zweimal am Tag ist die Falle zu kontrollieren. Über eine Luke lässt sich nachschauen, was dort hineingeraten ist. Katzen und streunende Dackel lässt der Jäger wieder frei. Waschbären kommen in einen Abfangkorb und werden getötet.

Auch in Wald und Flur wird das nachtaktive Raubtier gejagt. Oft mache es sich über die Kirrung, die Lockfütterung, für Wildschweine, her. „An solchen Orten lassen sich am Abend zwei, drei Waschbären schießen“, so Rahnert. Die Zahl erbeuteter Waschbären ist von 171 Tieren im Jahr 2008/09 auf 621 Tiere 2018/19 gestiegen. Im Landkreis Northeim nahm die Zahl im gleichen Zeitraum von 825 auf 1700 Stück zu. 2008/09 entsprach das einem Fünftel aller in Niedersachsen erlegten Waschbären. Mittlerweile haben sie sich von Nordhessen aus über Südniedersachsen auch in anderen Teilen des Landes verbreitet. Aktuell werden im Landkreis Northeim zehn Prozent aller Waschbären in Niedersachsen erlegt. (zmc)

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