Natur wird zur Kinderstube: Regeln für Spaziergänger

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Zum Schutz des Nachwuchses lassen Rehe ihre fast geruchlosen Jungtiere häufig allein: Spaziergänger sollten vermeintlich verlassene Tiere deshalb niemals anfassen oder mitnehmen.

Northeim. Im April beginnt die Brut- und Setzzeit vieler heimischer Wildtiere. Spaziergänger sollten sich deshalb in der Natur an bestimmte Regeln halten.

Bis zum 15. Juli gilt im Wald und in der freien Landschaft die Anleinpflicht für Hunde. Darauf weist die Jägerschaft Gandersheim-Altes Amt hin. „Ob Rehkitz, Junghase oder Fasanenküken, die Natur gleicht im Frühjahr einer Kinderstube“, sagt Vorsitzender Dr. Manfred Bartels.

Die Jägerschaft bittet alle Naturfreunde und Erholungssuchenden in den kommenden Wochen um erhöhte Rücksichtnahme beim Spaziergang in der Natur. Von freilaufenden Hunden gehe in dieser Zeit eine besondere Gefahr aus, denn nicht nur die Jungtiere, auch die Elterntiere seien mitunter gefährdet. Hochträchtige Rehe seien nicht mehr schnell genug, um vor stöbernden Hunden fliehen zu können.

Für alle Spaziergänger gelte es in dieser Jahreszeit einiges zu beachten, so Bartels, denn die tierische Nachwuchspflege unterscheide sich häufig deutlich von der des Menschen. „Zum Schutz der Jungen werden diese tagsüber vom Muttertier häufig allein gelassen“, erklärt er. Rehkitze zum Beispiel seien in den ersten Wochen nahezu geruchlos. In Verbindung mit der angeborenen „Ducken-und-Tarnen-Strategie“ seien sie für natürliche Fressfeinde fast unauffindbar. Die Ricke erscheine nur zum Säugen, dazwischen halte sie größeren Abstand.

„Solch scheinbar verlassene Jungtiere sollten Spaziergänger auf keinen Fall anfassen oder gar mitnehmen“, mahnt Bartels. Das Jungwild nehme bei Kontakt sofort den Menschengeruch an.

Das zurückkommende Muttertier werde durch diesen Fremdgeruch abgeschreckt - die Jungtiere würden so tatsächlich zu Waisen. „Falsch verstandene Tierliebe bewirkt in diesen Fällen leider allzu häufig das Gegenteil.“

Auch indirekt können Hund und Mensch den tierischen Nachwuchs gefährden: Nähern sie sich beispielsweise einem Nest mit Eiern oder jungen Küken, verlässt die Henne dieses, um den Feind abzulenken. Rabenvögel wie Krähen oder Elstern merken sich diese Stelle - die ungeschützten Nester sind dann eine leichte Beute.

Für jeden Spaziergang in der Natur gelte während der Frühlingsmonate deshalb folgende Verhaltensregel: „Auf den ausgewiesenen Wegen bleiben und unbedingt den Hund angeleint führen“, fasst Bartels zusammen.

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