Gottesdienst zum Abschied

Pastor Sell geht nach 38 Jahren  in den Ruhestand

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Vor Sankt Blasien: Der Kapelle am Münster fühlt sich Pastor Reinhard Sell verbunden. Dort feiert die reformierte Gemeinde ihre Gottesdienste. Er hat aber auch viele Gottesdienste in der Osteroder St.-Marienkirche gehalten.

Northeim. Das nennt man eine Zäsur: Nach 38 Jahren als Vikar und Pastor in der Evangelisch-reformierten Kirche geht Pastor Reinhard Sell in den Ruhestand.

Mit einem Gottesdienst in der St.-Sixti-Kirche wird er am Sonntag, 14. Juni, ab 15 Uhr verabschiedet.

Geplant hatte er es nicht, so lange in Northeim zu bleiben. „Als 1981 unsere Tochter geboren wurde, waren meine Frau und ich uns einig, dass die nicht in Northeim eingeschult wird“, erzählt Sell. Doch dann bekam seine Frau Ingrid ein Planstelle als Richterin am Northeimer Amtsgericht. Seit fünf Jahren ist sie Direktor des Amtsgerichts.

Ein Wegzug aus der Kreisstadt ist längst kein Thema mehr. „Das ist unser Lebensmittelpunkt. Den verlässt man nicht“, betont der scheidende Pastor.

Stark verändert habe sich die Arbeit in der Gemeinde seit 1977 nicht, resümiert Sell. Sie sei nach wie vor durch den familiären Zuschnitt der Gemeinde geprägt, die 900 Mitglieder habe. Dazu kommt die geographische Größe. Das Gemeindegebiet reicht von Holzminden im Westen bis Sankt Andreasberg im Osten. Sell: „Zu meiner Einführung haben mir Kollegen ein Fernglas geschenkt, damit ich die versprengten Gemeindenmitglieder besser finde. Jetzt bin ich seit Jahren deswegen schon mit dem Navi unterwegs.“

Seit 2008 war Sell außerdem auch noch für die Gemeinde Angerstein zuständig.

Lob für die Ökumene

Eine Veränderung fällt Sell dann doch noch ein: „Der Gottesdienstbesuch war früher besser.“ Aber das sei ja eine Entwicklung, die in allen Gemeinden zu beobachten ist. Noch eins ist Sell wichtig: die Ökumene in Northeim. Er sei dankbar dafür, dass die die anderen Kirchen und Konfessionen die kleine reformierte Kirche gleichberechtigt beteiligt hätten.

Die Suchthilfe hat Sell, der neben Theologie auch ein Psychologiestudium abgeschlossen hat, ebenfalls immer am Herzen gelegen. 35 Jahre hat er die sogenannte Dienstagsgruppe geleitet, in der sich Alkoholkranke getroffen haben, um sich im Kampf mit der Sucht gegenseitig Halt zu geben. Mehr als 300 Menschen haben die Gruppe im Laufe der Zeit besucht. Im Mai hat sie sich aufgelöst.

„Es gibt ein Leben nach der Berufstätigkeit“, freut sich der 65-Jährige auf den Ruhestand. Reisen, aber auch Ausflüge in die Umgebung und natürlich Besuche bei den Töchtern, die in München beziehungsweise England leben, hat er sich mit seiner Frau vorgenommen. „Wenn sie am Wochenende Zeit hatte, konnte ich bisher nicht“, beschreibt er, wie sein Beruf bislang gemeinsame Aktivitäten erschwert hat.

Ein Jahr keine Gottesdienste

Ob er im Ruhestand vertretungsweise Gottesdienste halten will, lässt Sell offen. Einem Ratschlag eines Kollegen im Ruhestands folgend will er zumindest zwölf Monate für irgendwelche Vertretungen nicht zur Verfügung stehen.

„Bis zum ersten Advent“, so kalkuliert der künftige Ruheständler, wird sein Nachfolger wohl im Amt sein. Die Stelle sei gerade ausgeschrieben.

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