Entwicklung nur in Zentren: Neue Landesplanung erbost die kleinen Orte

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Aua, das tat weh: Der Uslarer Bürgermeister Torsten Bauer gehörte zu den Verwaltungs-Chefs, die Ministerpräsident Stephan Weil dazu bewegten, das Landesraumordnungsprogramm noch einmal zu überarbeiten

Northeim. Die Neufassung des Landesraumordnungsprogramms (LROP) durch die Landesregierung sorgt für Zündstoff, auch im Kreis Northeim.

Hauptkritik: Das Land schränke die Planungshoheit der Gemeinden zu sehr ein. Jetzt will die Landesregierung den Entwurf nochmals überarbeiten.

Was viele stört, ist zum Beispiel die Vorgabe, dass die Entwicklung von Wohn- und Gewerbeflächen nur noch auf zentrale Orte oder auf Orte beschränkt werden soll, die über liniengebundenen Bus- oder Bahnverkehr verfügen.

Unter anderem dieser Passus veranlasste die Stadt Uslar, sogar ihre Ortsräte in die Diskussion um den LROP-Entwurf mit einzubeziehen, kreisweit eine einmalige Aktion. Uslars Stadtplaner Ralf Mohr: „Orte ohne öffentlichen Nahverkehr sollen nicht mehr entwickelt werden. Das bedeutet, man gibt sie auf. Das darf nicht sein.“

Die Uslarer Ortschaften haben noch mehr aufgelistet, was aus ihrer Sicht im neuen Programm gar nicht geht oder fehlt. Da wäre zum Beispiel die Versorgung mit schnellem Internet mit mindestens 50 Megabit/Sekunde, und zwar flächendeckend für jeden Ort und nicht nur bedarfsgerecht. Oder auch die flächendeckende Versorgung mit Busverkehr oder ärztlicher Versorgung.

Die Stadt Northeim, die das Papier im Bauausschuss diskutieren ließ, bemängelt unter anderem, dass die Gemeinde Nörten-Hardenberg und der Raum Kalefeld/Echte nicht ihrem Einzugsgebiet als Mittelzentrum zugeordnet wurden.

Das so fehlende Kundenpotenzial könnte dazu führen, dass Beschränkungen für die Ausweisung von neuen Einkaufszentren noch größer werden, als es die LROP-Änderung ohnehin schon vorsieht.

Außerdem, so kritisiert Northeim, müsse es einem Mittelzentrum möglich sein, eine besondere Identität zu entwickeln und durch Spezialisierung auch Versorgungsfunktionen für benachbarte Mittelzentren zu übernehmen. Das sieht das neue LROP nicht vor. (goe)

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