Auch Wunsch zu Organspende wird berücksichtigt

Ärzte empfehlen neue Patientenverfügung - Vorgespräch mit Arzt wichtig

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Stellte das neue Formular in Hannover vor: Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen.

Northeim. Der Unterschrift unter die eigene Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht sollte ein ausführliches Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt des Vertrauens vorausgegangen sein.

Das empfiehlt Dr. Christian Steigertahl, Vorsitzender des Ärztevereins Northeim, und verweist dazu auf ein neues Formular, das die Ärztekammer Niedersachsen zu diesem Thema jetzt herausgegeben hat.

„Der Zustand, dass man sich nicht mehr äußern oder einen eigenen Willen bilden kann, kann sich schneller ereignen als man denkt“, sagt Steigertahl. Deshalb sei es wichtig, diese letzten Dinge zu regeln, wenn man noch nicht davon betroffen ist.

Das Neue an dem jetzt veröffentlichten Formular sei, dass ein solches Beratungsgespräch ausdrücklich gefordert werde, so Steigertahl.

„Das schafft für alle Beteiligten die Gewissheit, dass die betroffene Person beim Abfassen der Erklärung die medizinischen Möglichkeiten kannte und sich über die Konsequenzen der eigenen Entscheidung im Klaren war.“

Kopie der Patientenverfügung wichtig

Eine Kopie der Patientenverfügung sollte in der beratenden Praxis hinterlegt werden, rät der Northeimer Mediziner.

„Die Ärztekammer und auch wir in unseren Praxen empfehlen immer, auch mit Angehörigen und anderen Vertrauten über die eigenen Wünsche und Einstellungen zu sprechen und eine Vertrauensperson zu bevollmächtigen“, beschreibt Steigertahl die Vorgehensweise. Im Fall der Fälle könne diese Person dann unmittelbar die Vertretung des Betroffenen übernehmen und dem in der Patientenverfügung festgelegten Willen Geltung verschaffen.

„So eine Vorsorgevollmacht hat das Ziel, die gerichtliche Anordnung einer Betreuung für den Betroffenen zu vermeiden“, betont Steigertahl. „Wer sich als Vertrauensperson zur Verfügung stellt, leistet einen letzten Liebesdienst – einen sehr schweren Liebesdienst.“

Die neue Patientenverfügung der Ärztekammer berücksichtige die wichtigsten Situationen im Klinik-Alltag, bei denen sich die Frage der Fortführung einer Therapie, einer weiteren Behandlungsmaßnahme oder des Abbruchs einer Behandlung stelle, so Steigertahl weiter. Neben der Festlegung von Behandlungswünschen enthalte sie auch eine Erklärung zu der möglicherweise nach dem Tod in Frage kommenden Organ- oder Gewebespende. 

Vorgehensweise mit Patientenverfügung in Praxis

In seiner eigenen Praxis sehe die Vorgehensweise so aus: Der Patient wünscht Unterlagen beziehungsweise Formulare, die er mit nach Hause nehmen und mit den Angehörigen besprechen und möglicherweise auch schon von einem Bevollmächtigten unterschreiben lassen kann. Bei einem zweiten Termin in der Praxis werden offene Fragen angesprochen, die Einwilligungsfähigkeit attestiert und die Verfügung eingescannt. Anschließend erhalten die Patienten zwei Kärtchen für die Brieftasche, aus denen hervorgeht, dass eine Patientenverfügung vorliegt. 

„Die Patientenverfügung ist kein Formular, das man mal eben durchliest, abhakt und dann ist Schluss mit dem Tabuthema“, betont Steigertahl. „Jeder Einzelne muss sich damit intensiv auseinandersetzen und unbedingt darüber mit vertrauten Personen sprechen.“ 

Die neuen Formulare zur Patientenverfügung gibt es hier.

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