Ersatz für die marode Schuhwallhalle

Neue Sporthalle in Northeim ist als Steuersparmodell geplant

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Die alte Schuhwallhalle: Das Gebäude aus den 1960er-Jahren und seine Ausstattung sind stark sanierungsbedürftig. Unter anderem müsste die Halle energetisch saniert werden. 

Northeim. Die Northeimer Schuhwallhalle soll durch einen Neubau ersetzt werden. Nach einer groben Kostenkalkulation soll der Ersatz für die marode Halle 11,2 Millionen Euro kosten.

In Fragen und Antworten gibt es hier Erläuterungen zu dem Projekt.

Wieso sollen die Stadtwerke Northeim (SWN) die neue Schuhwallhalle bauen und betreiben?

Vor allem aus steuerlichen Gründen. Die Verluste, die beim Betrieb der neuen Sporthalle entstehen, würden zwar die SWN-Bilanz belasten. Weil dadurch die als GmbH geführten Stadtwerke wegen des geringeren Gewinns weniger Steuern zahlen müssten, fiele der tatsächliche Verlust nur halb so hoch aus. Diese Form der Defizitsenkung wäre nicht möglich, wenn die Stadt die Halle selbst betreiben würde.

Das verbleibende Defizit soll durch eine reduzierte Gewinnabführung an die Stadt ausgeglichen werden. Von den Baukosten sollen die Stadtwerke außerdem die darin enthaltene Mehrwertsteuer als Vorsteuer geltend machen.

Wie soll der Hallenneubau finanziert werden?

Egal, wer Bauherr ist: Der Neubau müsste in jedem Fall über Kredite finanziert werden.

Ist die SWN-Trägerschaft für die neue Halle unstreitig?

TobiasSchnabel

Nach den Worten des Aufsichtsratsvorsitzenden, des FDP-Ratsherren Tobias Schnabel, ist darüber das letzte Wort noch nicht gesprochen. Der Aufsichtsrat habe der SWN-Geschäftsführung den Auftrag erteilt, genauere Zahlen über die Bau- und Betriebskosten zu ermitteln, ehe eine Entscheidung fällt. „Es geht nicht darum, sich grundsätzlich zu drücken“, betonte Schnabel.

Was befürchtet der SWN-Aufsichtsrat?

Im Aufsichtsrat gibt es die Befürchtung, dass die grobe Kostenkalkulation für die Halle von 11,2 Millionen Euro weit überschritten werden könnte. So ist Schnabel nicht sicher, ob in der von einem Hildesheimer Architekturbüro vorgenommenen groben Kostenkalkulation für den Neubau wirklich alle wesentlichen Punkte enthalten sind. Dazu komme, dass angesichts der Auslastung der Bauunternehmen die Preise zurzeit nicht gerade günstig seien. Die Bausumme könne folglich leicht auf 15 Millionen Euro steigen.

Dazu sei mit jährlichen Unterhaltungskosten von 400 000 Euro zu rechnen. Ob das angesichts dessen, dass die für die Hallennutzung geplanten Gebühren, wie es in einer Beschlussvorlage der Stadt heißt, marktüblich, aber nicht kostendeckend sein sollen, für die Stadtwerke tragbar ist, sei fraglich, so Schnabel.

Gibt es weitere offene Fragen?

Schnabel befürchtet auch, dass der sogenannte steuerliche Querverbund, der Voraussetzung dafür ist, dass sich die Verluste des Hallenbetriebs für die SWN steuermindernd auswirken, vom Finanzamt nicht genehmigt wird und sich das finanzielle Risiko für die SWN noch erhöht.

Gibt es Vorbilder für einen solchen steuerlichen Querverbund?

Ja. So wirkt sich das Defizit des Hallenbades steuermindernd auf die SWN aus. Schnabel ist aber skeptisch, ob sich das Modell auf die Schuhwallhalle übertragen lässt. Wie beim Hallenbad soll der Querverbund durch ein Blockheizkraftwerk hergestellt werden, das einerseits Wärme für die Halle liefert, andererseits Strom erzeugt, der ins SWN-Netz eingespeist wird. Die Investitionen für das Blockheizkraftwerk sind nicht Teil der Kostenkalkulation.

Gibt es weitere Risiken für die Stadtwerke?

Die Kredite für den Hallenbau würden die Handlungsfreiheit der SWN einschränken. Sie würden nämlich die beispielsweise für Investitionen in die Gas- und Stromnetze freie Kreditsumme der Stadtwerke reduzieren.

Auf welcher Basis beruht die im Auftrag der Kreis-Sparkasse Northeim erstellte Kostenkalkulation für den Hallenneubau?

Jedenfalls nicht auf einer Wunschliste des Northeimer Handballclubs, wie dessen Vorsitzender Knut Freter betont. „Der NHC stellt keine Forderungen“, betont er.

GuidoMönnecke

Nach den Worten des ehemaligen Vorstandschefs der Kreis-Sparkasse Northeim, Guido Mönnecke, hat er die Kostenkalkulation in Auftrag gegeben, nachdem er von Landrätin Astrid Klinkert-Kittel darum gebeten worden sei, den Hallenbau-Prozess zwischen Landkreis und Stadt zu moderieren. „Das ist ein Rohling, an dem sich die Politik nun abarbeiten muss“, sagte er über die Kostenkalkulation, die auf Grundlage aktueller Preise erstellt worden sei. Beauftragt worden sei damit bewusst ein Architekturbüro, das Erfahrung mit dem Sporthallenbau habe. Dabei trat Mönnecke Gerüchten entgegen, die Kalkulation enthalte so wesentliche Punkte wie den Hallen-Schwingboden und eine Lüftungsanlage nicht.

Soll die Halle nur den Handballern dienen?

Nein. Sie ist zunächst für den Schulsport der Oberschule gedacht, weshalb sich der Landkreis mit drei Millionen Euro an den Baukosten beteiligen will. Außerdem soll sie dem Breiten- und dem Spitzensport dienen, betont Mönnecke.

NHC-Vorsitzender Freter spricht von einem „Leuchtturm-Projekt für Northeim“. Die Halle sei ein Baustein dafür, Northeim zur Sportstadt zu machen.

Was sind die nächsten Schritte?

Zunächst hat am Donnerstag, 15. März, der Stadtrat das Wort. Er soll den Grundsatzbeschluss fassen, dass es einen Hallenneubau gibt. Bis dahin sollen Aufstellungen vorliegen, was die einzelnen Teile der neuen Halle kosten sollen, um möglicherweise Einsparpotenziale festzulegen. Sollte der Rat den Beschluss fassen, müsste ein Architektenwettbewerb folgen.

Halle mit Tribüne für 750 Zuschauer

Die grobe Kostenkalkulation beruht auf folgender Ausstattung für die neue Halle: Sie soll 

  • neben der alten Halle auf der Fläche des abgerissenen Realschul-Gebäudes entstehen, 
  • die Maße 27 mal 45 Meter haben und dreifach geteilt werden können,
  • 750 Zuschauer fassen,
  • einen zusätzlichen Gymnastikraum, 
  • einen Gastronomiebereich mit rund 110 Sitzplätzen, Küche und Personalraum, 
  • einen Vereinsraum und Nebenräume für Schulungen für den Northeimer Handballclub und 
  • einen VIP- beziehungsweise Seminar-Bereich mit Teeküche bekommen.

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