Neue Stipendiatin der Kreis-Sparkasse Northeim: Am Anfang ist fast immer ein Ei

Eier: Während der Aufnahmen von Stipendiatin Anja Köhne, die eine Kopie des Fotos von 1905 zeigt, und ihrem Sohn Hannes war das echte Ei noch heile. Kurze Zeit später hielt es dem Stresstest des Zweieinhalbjährigen nicht mehr stand und landete auf dem Fußboden. Foto:  Eriksen

Northeim. Marketing-Leiter Gernot Bollerhei stellte beim Ateliergespräch die neue KSN-Stipendiatin Anja Köhne vor. Sie erklärt, warum das Ei Ausgangspunkt ihrer Arbeit ist.

„In diesem Jahr fördern wir erstmalig zwei junge Künstler“, sagte Gernot Bollerhei verschmitzt lächelnd im Atelier-Pressegespräch, „aber sie müssen sich das Stipendium teilen.“ Mit diesem Scherz spielte der Marketing-Leiter der KSN darauf an, dass Anja Köhne ihren zweieinhalbjährigen Sohn Hannes dabei hat, wenn sie im Atelier am Zwinger arbeitet.

Die junge sympathische Frau sprudelt förmlich von Ideen. „Die Möglichkeiten dieses Ateliers haben in mir ganz viel frei gesetzt, wie ein Urknall oder eine Explosion im Kopf“, sagt die 31-Jährige mit leuchtenden Augen und großen Gesten.

Das Hauptmedium der Künstlerin ist die Fotografie, oft digital, aber am liebsten analog. Die Kamera sei ein Instrument, um die Welt verständlich zu machen. Man glaube dem Fotografen, dass die Welt so sei wie auf seinem Bild. Dabei seien Manipulationen gang und gäbe.

Mit ihren Arbeiten schafft Anja Köhne eine eigene Wirklichkeit. Sie legt großen Wert auf die Tatsache, dass ihre Bilder nicht bearbeitet sind. „Wenn mich ein Motiv anspricht, dann besteht meine hauptsächliche Arbeit darin, den richtigen Winkel für die Aufnahme zu finden, damit das herauskommt, was ich empfunden habe. Manchmal muss ich mehrmals hingehen, um das richtige Licht zu bekommen oder den richtigen Zugang herauszufinden.“ Im zweiten Schritt folge der Ausschnitt der Aufnahme.

Manchmal liegt ein Foto zwei Jahre, bevor sie weiß, was sie daraus machen will. Für die Zeit in Northeim ist Köhnes Ausgangspunkt das Ei. Es ist der Beginn des Lebens und gleichzeitig Symbol für Evolution, Individualität und Identität. Da es Köhne hier mehr um Struktur und Formen als um Farben geht, werden die Aufnahmen schwarz-weiß sein.

„Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass eben nicht ein Ei dem anderen gleicht“, erläutert die Künstlerin. „Dasselbe gilt für Gesichter von Menschen, die sich sehr ähneln. Je länger man schaut, umso mehr Unterschiede erkennt man. Ich habe eine Fotografie aus der Zeit um 1905 bekommen.

Es stellt eine Frau dar, die einer Bekannten von mir unglaublich ähnlich ist. Anhand dieser Ähnlichkeit im Abstand von über hundert Jahren möchte ich den Faktor Zeit darstellen.“

Obwohl die Hauptfelder von Anja Köhne Fotografie, Malerei und Zeichnung sind, reizen sie auch Installationen und Skulpturen. „Ich bin gespannt, wohin mich das Jahr in Northeim führt. Ich bin für alles offen.“

Anja Köhne wurde 1985 in Stendal in Sachsen-Anhalt geboren und lebt seit 2005 in Kassel. Sie hat mehrere Preise und Stipendien bekommen.

Die junge Künstlerin, die vor allem wegen des Fachwerks schon mehrmals mit der Kamera in Northeim unterwegs gewesen ist, präsentiert am Samstag, 10. Dezember, von 10 bis 17 Uhr ihre Werke der Öffentlichkeit im KSN-Atelier an der Stadtmauer.

Auf die Ausstellung am Ende des einjährigen Stipendiums darf man jetzt schon gespannt sein.

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