Anlage nach Umbau jetzt ein Jahr lang wieder in Betrieb

Neue Turbine und Fischtreppe fürs Rhumekraftwerk in Northeim

Seit gut einem Jahr ist das Northeimer Rhumekraftwerk nach umfangreichen Umbauarbeiten wieder am Netz. Bei der Modernisierung der Anlage wurde unter anderem auch eine Fischtreppe gebaut (rechts im Bild zu sehen). ARCHIV
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Seit gut einem Jahr ist das Northeimer Rhumekraftwerk nach umfangreichen Umbauarbeiten wieder am Netz. Bei der Modernisierung der Anlage wurde unter anderem auch eine Fischtreppe gebaut (rechts im Bild zu sehen). ARCHIV

Ein Jahr nach Wiederinbetriebnahme des Northeimer Rhumekraftwerks hat der Betreiber eine positive Bilanz gezogen.

Northeim – Wir haben die Informationen zum Umbau der Anlage als Fragen und Antworten zusammengefasst.

Wer ist der Betreiber des Northeimer Rhumekraftwerks?

Die Anlage wurde 1985 von Max Winter aus Forchheim übernommen. Ihm sei das Betreiben von Wasserkraftwerken „in die Wiege gelegt“ worden, sagt der 61-Jährige, der an seinem oberfränkischen Heimatort ein weiteres Wasserkraftwerk betreibt. Die Verbindung nach Northeim sei schlicht und einfach dadurch zustande gekommen, dass das Rhumekraftwerk damals auf dem Markt angeboten wurde. Da die Anlage ihre Verschleißgrenze erreicht hatte, musste sie im Mai 2019 für den Umbau und die Modernisierung abgestellt werden.

Kraftwerksbetreiber Max Winter am Herzstück der Anlage. Hier drunter ist die neue Turbine vertikal zur Fließrichtung installiert. 4

Die neue Anlage ist mit einer Fischtreppe ausgestattet worden. Warum?

Vor dem Umbau gab es lediglich ein sogenanntes Aalrohr, durch das Fische stromaufwärts das Kraftwerk passieren konnten. Die neue Fischtreppe ist in Serpentinen um das noch aus dem Jahr 1956 stammende Kraftwerkhaus angelegt worden, sodass die Fische den Höhenunterschied von 4,5 Metern jetzt über ein viel geringeres Gefälle überwinden können. Die Fischtreppe hat eine Gesamtlänge von 130 Metern.

Wird die Fischtreppe denn auch von Fischen genutzt, die weiter stromaufwärts für Nachwuchs sorgen?

Das soll laut Winter demnächst durch ein sogenanntes Monitoring festgestellt werden, denn aufgrund des Klimawandels hat sich auch das Verhalten vieler Fischarten geändert. Einige ziehen gar nicht mehr so weit die Flüsse hinauf wie früher, da das Wasser dort jetzt wärmer ist. Als Versteck und Lebensraum wird die Fischtreppe aber bereits von vielen Arten genutzt.

Was ist noch neu geworden?

Neben einer neuen Turbine, die nicht mehr wie ihre Vorgängerin horizontal, sondern vertikal zur Fließrichtung der Rhume installiert wurde, hat man den gesamten Bereich, über den das Wasser in das Kraftwerk gelangt, umgestaltet. Unter dem Wasserspiegel wurde dort auf einer Länge von 25 Metern ein sogenannter Rechen gebaut, also ein Gitter, das 2,60 Meter in die Tiefe reicht und mit seinen 15 Millimeter großen Maschen dafür sorgt, dass kein Fisch hindurch schwimmen und in die Turbine gelangen kann.

Wie wird dieser Rechen gereinigt?

Das geschieht vollautomatisch, denn die Anlage verfügt über Sensoren, mit denen sie die Wassermengen an beiden Seiten des Rechens vergleichen kann. Sollten Äste oder Algen am Rechen hängen bleiben, „merkt“ die neue Technik dies an der entsprechenden Differenz und setzt automatisch einen Besen in Gang, der das Gitter wie ein großer Scheibenwischer unter Wasser reinigt. Ansonsten gibt es festgelegte Intervalle für die Reinigung.

Ist für die Steuerung des gesamten Kraftwerks Personal vor Ort nötig?

Nein. Der Betreiber kann die komplette Anlage, die mit mehreren Videokameras ausgestattet ist, über das Internet von Bayern aus steuern. Es gibt lediglich zwei Angestellte, die in Teilzeit beschäftigt sind und das Kraftwerk vor Ort regelmäßig kontrollieren.

Was hat die Modernisierung der Anlage gekostet?

Der Betreiber hat 2,7 Millionen Euro in die Sanierung und den Umbau investiert. Das, so betont er, sei eine langfristige Investition, die sich erst in etwa 15 Jahren amortisieren werde.

Wie viel Strom kann das Northeimer Rhumekraftwerk erzeugen?

Ungefähr drei Millionen Kilowattstunden im Jahr. Diese Leistung hätten mittlerweile aber auch schon Windkraftanlagen, sagt Winter. Kontinuierlicher könnten zwar Wasserkraftwerke liefern, weil es nun einmal nicht immer Wind gebe, aber auch seine Anlage werde wie die Windkraftanlagen vom Netz genommen, wenn mehr Strom als nötig im Netz ist. Hier wünscht sich Winter neue gesetzliche Regelungen, die sowohl der Wind- als auch der Wasserkraft zugute käme: Seiner Ansicht nach müsste es Anreize für gespeicherte Kilowattstunden geben. Dann wäre man in Deutschland in Sachen Energiespeicher und Energiewende schon viel weiter.

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