Dank von der Arbeitsagentur finanzierter Fortbildung

Neuer Arbeitsplatz in Northeim: Jessica Koschwitz´  Lieblingsplatz ist hinterm Lenker

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Traumberuf Busfahrerin: Jessica Koschwitz hat erfolgreich an einer Weiterbildungsmaßnahme teilgenommen. Mit ihr freuen sich (von links) Ferhat Erdana und Maik Heise von der Agentur für Arbeit sowie Horst Weihrauch, Geschäftsführer des Northeimer Busbetriebes Weihrauch-Uhlendorff. 

Northeim – Von der Arbeitslosigkeit in den Wunschberuf – für Jessica Koschwitz aus Sudheim ging dieser Traum in Erfüllung.

Seit August dieses Jahres arbeitet sie bei der Firma Weihrauch-Uhlendorff in Northeim als Busfahrerin. Zusammen mit 10 anderen arbeitslosen Frauen und Männern nahm sie von April bis August dieses Jahres erfolgreich an einer beruflichen Weiterbildung der Agentur für Arbeit teil und erwarb den Busführerschein.

Die Idee, auf diese Weise etwas gegen den Mangel an qualifiziertem Fahrpersonal zu unternehmen, hatte Horst Weihrauch, Geschäftsführer des Northeimer Busunternehmens Weihrauch-Uhlendorff. Angesichts des Mangels an geeigneten Fachkräften sei man auf motivierte Seiteneinsteiger angewiesen, sagt Weihrauch, dessen Vorschlag von der Agentur für Arbeit aufgegriffen und unterstützt wurde. Die Ausbildung erfolgte bei der Fahrschule Matthias Düring.

Für zehn der insgesamt elf Teilnehmenden, die nach der bestandenen Führerscheinprüfung noch ein sechswöchiges Praktikum absolvierten, mündete die Ausbildung direkt in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis. Allein sieben haben bei der Firma Weihrauch-Uhlendorff begonnen, darunter zwei Frauen.

Dieses positive Beispiel mache deutlich, dass der Berufsbereich der Bus- oder Straßenbahnfahrer vielen arbeitslosen Menschen eine Perspektive bieten könne, sagt Christine Gudd, Presssprecherin der Agentur für Arbeit in Göttingen. „In Niedersachsen kamen im September auf 346 arbeitslose Fachkräfte in diesem Bereich 404 offene Stellen. Das heißt, dass es deutlich mehr Stellen als arbeitslose Bewerber gab.“

Die Agentur für Arbeit und die Jobcenter hätte aber nicht nur die Möglichkeit, die berufliche Weiterbildung von arbeitslosen Menschen zu fördern, wenn dies ihre nachhaltige Integration auf dem Arbeitsmarkt verbessere, betont Gudd. „Wir können auch Frauen und Männer mit Weiterbildung unterstützen, die keine Leistungen der Arbeitsagentur erhalten, beispielsweise weil sie sich längere Zeit um die Kindererziehung gekümmert haben oder Angehörige gepflegt haben.“

Wichtig sei, dass es sich um eine zertifizierte Bildungsmaßnahme handelt und vor Antritt der Fortbildung ein Gespräch mit einem Mitarbeiter des Jobcenters stattgefunden hat, um die Voraussetzungen zu prüfen.

„Wird eine solche berufliche Weiterbildung bewilligt, übernehmen Jobcenter und Arbeitsagentur nicht nur die Kosten für die Weiterbildung, sonder auch anfallende Fahrtkosten, Prüfungsgebühren und eventuelle Kosten für die Kinderbetreuung“, betont Gudd.

Die jetzt erfolgreich abgeschlossene Weiterbildung könne ein Modell für weitere Maßnahmen, auch in anderen Berufsbereichen sein, ist Gudd überzeugt. Und sei ein gutes Beispiel dafür, das sogenannte Männerberufe durchaus auch Frauen eine Perspektive bieten könnten.

„Nach wie vor ist die Berufswahl von Mädchen und jungen Frauen stark auf vermeintlich typische Frauenberufe ausgerichtet“, sagt Gudd. Daher bemühe sich die Agentur für Arbeit darum, Frauen in unterschiedlichen Formaten und Angeboten über vermeintliche Männerberufe zu informieren.

Laut Gudd lag der Anteil der beschäftigten Frauen im Bereich der Bus- und Straßenbahnfahrer im Jahr 2018 in Niedersachsen bei sieben Prozent, obwohl die Nachfrage nach Fachkräften in den vergangenen fünf Jahren konstant gestiegen sei. In Niedersachsen seit die Zahl der gemeldeten offenen Stellen um 100 Prozent angestiegen, während die Zahl der arbeitslosen Fachkräfte um 18 Prozent gesunken sei.

„Das heißt, dass es in diesem Segment gute Berufsperspektiven gibt, und positive Beispiele von Frauen in solchen Männerdomänen wie jetzt bei der Firma Weihrauch-Uhlendorff können helfen, geschlechtsspezifische Berufswahlmuster zu durchbrechen und Mut zu machen, sich in diesen Bereichen auszuprobieren.“

Jessica Koschwitz kann dem nur zustimmen. Sie kann sich nicht mehr vorstellen, noch einmal etwas anderes zu machen – zumal ihr Mann jetzt auch ihr Arbeitskollege ist, denn der ist auch Busfahrer bei Weihrauch-Uhlendorff.

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