Neues Arznei-Gesetz irritiert Patienten

Northeim. Viele gesetzlich Krankenversicherte sind irritiert. Seit Jahresbeginn erhalten sie in Apotheken andere Medikamente als bisher. Denn viele Arzneimittel werden nicht mehr voll erstattet, so legt es das Arzneimittelmarkt-Neuregelungsgesetz (AMNOG) fest.

Wolfram Schmidt, Inhaber der Mühlen-Apotheke in Northeim, kann den Ursprung des Gesetzes verstehen. „Die Industrie hat versucht, Rabattverträge zu umgehen“, sagt der Apotheker. Mit dem AMNOG sollen nun die Arzneimittelkosten gesenkt werden.

Kritik übt Schmidt jedoch an der Umsetzung. „Am 19. Dezember ist das Gesetz beschlossen worden - die Umsetzungsphase ist viel zu kurz“, betont er.

Derzeit werden die Medikamenten-Datensätze, die jede Apotheke von einer zentralen Stelle erhält, fast täglich erneuert. „Durch unzählige falsche Daten herrscht das totale Chaos“, moniert Wolfram Schmidt.

Doch auch bei den Patienten, besonders betroffen sind chronisch Kranke, herrsche Unverständnis. „Es ist schwer einem Patienten zu erklären, warum er ein Medikament jahrelang bekommen hat und plötzlich ein neues erhält“, sagt der Northeimer Arzt Dr. Christian Steigertahl. Die Menschen schauen schließlich auf den Namen und nicht auf den identischen Wirkstoff.

„Ärzte und Apotheken haben die Beratungsleistung zu bewältigen“, sagt Steigertahl. Apotheker Schmidt berichtet von Diskussionen - seine Mitarbeiter wurden auch schon beschimpft

„Kein Patient sollte sich einreden lassen, er bekomme für seine hohe Aufzahlung etwas Besseres“, warnt Helmut Schröder von der AOK Niedersachsen in Göttingen. Nicht selten stammen beide Mittel sogar aus derselben Herstellung. Nur wenn ein medizinischer Grund vorliege, kann der Arzt von vornherein ein konkretes Medikament anstelle eines Wirkstoffes verordnen.

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