Northeim

Einzigartiger Fund: Archäologen stoßen in Northeim auf Spuren aus der Eisenzeit

Grabungstechniker auf einem archäologischen Grabungsfeld in Northeim
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Entdeckten Pfostenlöcher und Keramikscherben aus der Eisenzeit: von links Martin Müller, Pawel Szczepanik, Krzysztof Rak, Piotr Szczepanik und Björn Bowen.

Archäologen stoßen in Northeim (Niedersachsen) auf einen spektakulären Fund aus der Eisenzeit.

Northeim – Überreste eines Gehöftes aus der frühen Eisenzeit haben Archäologen bei Grabungen an der Detlev-Karsten-Rohwedder-Straße 3 in Northeim entdeckt. 15 .000 Quadratmeter ist das Grundstück groß, auf dem die Firma Kälte-Klima GmbH seit September einen Neubau für ihre 66 Northeimer Mitarbeiter errichtet.

Routinemäßig wurden drei jeweils 110 Meter lange, archäologische Sondierungsstreifen quer über das Gelände angelegt. Im nordöstlichen Bereich stieß die Firma Goldschmidt Archäologie & Denkmalpflege aus Düren bei Aachen auf Siedlungsreste. „Bei weiterführenden Grabungen entdeckten wir knapp 50 Pfostengruben eines Gebäudes aus der Zeit um 700 vor Christus“, sagt Martin Müller, der die Arbeiten zusammen mit Björn Bowen und drei polnischen Kollegen aus Krakau, den Brüdern Pawel und Piotr Szczepanik sowie Krzysztof Rak, vornahm.

Stefan Teuber, Northeimer Stadtarchivar

Eng gesetzt waren die Außenwandpfosten. Weiter auseinander standen die drei Reihen Innenpfosten, die das Dach des elf Meter langen und 5,5 Meter breiten Gebäudes trugen. Die Wände waren wohl aus Flechtwerk. Lehm zum Verputzen wurde Gruben entnommen, die die Archäologen ebenfalls fanden. Von einem Dutzend Bewohner gehen die Dürener aus.

„Der Bauplatz liegt ähnlich wie die benachbarte mittelalterliche Wüstung Medenheim, die 1500 Jahre später entstanden ist, außerhalb des Überschwemungsgebietes der Leine“, führt Stadtarchivar Teuber aus.

„Vom erhöhten Standort des Gehöftes aus hatten die Bewohner wahrscheinlich eine gute Sicht auf Reh- und Rotwild, aber auch auf Menschen, die in der Auenlandschaft unterwegs waren“, vermutet Archäologe Martin. Die Dürener fanden Hinweise auf Speicher. Dort lagerten die Eisenzeitmenschen das Getreide, das sie auf dem umliegenden Lösboden anbauten.

Für den täglichen Bedarf hatten sie drei Speicher, die auf Stelzen standen. Sie waren gegen Feuchtigkeit, aber auch vor Ratten und Wildschweinen geschützt. Für Vorräte, die länger einzulagern waren, gab es drei kesselförmige, mit gebranntem Lehm ausgekleidete Vertiefungen im Boden.

Die Hausbewohner hielten eventuell Schweine und Rinder sowie Schafe und Ziegen. „Alle Tiere waren viel kleiner als die hochgezüchteten XXL-Exemplare, die wir heute kennen“, betont Teuber.

Das sind aber nur Vermutungen. Der sogenannte Laufhorizont, also der Boden, auf dem sich die Menschen damals bewegten, ist nämlich durch die landwirtschaftliche Nutzung der Flächen zerstört. Nur die Pfostenlöcher sowie einzelne Keramischerben haben sich erhalten.

„Vielleicht gehörte das Haus zu einer nordöstlich anschließenden Siedlung“, überlegt Teuber. Das müssten zukünftige Grabungen ergeben.

„Die jetzt durchgeführten archäologischen Untersuchungen kosten uns mehr als 50 000 Euro“, sagt Bauherr Reiner Bertuleit, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens. (Michael Caspar)

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