Fußball-Saison wird abgebrochen

„Der Titelgewinn auf dem grünen Rasen wäre uns lieber gewesen“

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Endlich Klarheit über die Spielzeit: Heinz Schwingel, der Vorsitzende des Kreis-Spielausschusses

Für die Amateurfußballer in Niedersachsen zeichnet sich endlich das Ende der Spielzeit 2019/20 ab. Wie der Niedersächsische Fußball-Verband (NFV) mitteilte, spricht sich der NFV-Vorstand für den Abbruch der laufenden Serie gemäß der Quotientenregel (mit Aufstieg, aber keine Absteiger) aus. Über diesen Antrag wird der in virtueller Form am 27. Juni stattfindende außerordentliche Verbandstag entscheiden.

Bei dem die Tabelle der Bezirksliga anführenden SSV Nörten-Hardenberg hat sich die Nachricht vom Saisonabbruch wie ein Lauffeuer verbreitet. Aber Glückwünsche hält Team-Manager Detlef Ott bis zur finalen Entscheidung für verfrüht: „Der sportliche Wettkampf wäre besser gewesen, aber wenn es tatsächlich so kommen sollte, dass wir bei einem Saisonabbruch aufgrund der Quotientenregel zum Meister erklärt werden, müssen wir kein schlechtes Gewissen haben. Wir alle im Verein – Spieler, Trainer, Verantwortliche und unsere Anhänger – haben kontinuierlich auf dieses große Ziel hingearbeitet. Leider nimmt die Corona-Krise allen Beteiligten die Möglichkeit, so ein nicht alltägliches Erlebnis in gebührender Weise zu feiern“, betont Ott.

Ähnliche Gefühle bewegen den Sportlichen Leiter des Kreisliga-Spitzenreiters SG Rehbachtal, Rolf Eckhardt: „Uns wäre es lieber gewesen, die Meisterschaft auf dem grünen Rasen zu gewinnen. Diesen Höhepunkt, für den die Spieler und das gesamte Umfeld hart gearbeitet haben, hätten wir gern mit allen Emotionen und Begleiterscheinungen gefeiert. Doch es gibt Dinge im Leben, die nicht in unserer Entscheidungsgewalt liegen, wobei ich denke, dass die Lockerungen etwas verfrüht sind“, sagt Eckhardt.

Sven Lühmann Trainer beim TSV Sudheim: „Wir haben vor der Rückrunde eine gute Vorbereitung absolviert und uns zudem mit einigen Neuzugängen verstärkt. Damit hatten wir uns die Aufgabe gestellt, den Klassenerhalt sportlich zu erreichen. Aber wenn die Entscheidung, dass es keine Absteiger geben wird, so getroffen wird, nehmen wir das natürlich an. Immerhin macht es für den Verein und die Spieler einen Unterschied, in der Kreisliga oder der 1. Kreisklasse zu spielen. Jetzt müssen wir uns gedulden, wann der Tag X mit dem Beginn der nächsten Saison kommt“, sagt Lühmann.

„Sollte die Saison wirklich abgebrochen werden und es deshalb keine Absteiger geben, dann haben wir mächtig Glück. Sportlich haben wir keine gute Saison gespielt und hätten den Abstieg wohl nur schwer abwenden können. Das sollte für unsere Mannschaft Ansporn sein, es in der nächsten Spielzeit besser zu machen. Es gibt weiterhin das Derby gegen Sudheim, das ebenso von dieser Regelung profitiert“, sagtPhilipp Zych, Spieler des Kreisligisten SV Höckelheim.

Marcel Corde (Fachwart SG Denkershausen/L.): „Es soll keine Absteiger geben und unsere Bezirksligamannschaft hat nichts mit der Spitzengruppe zu tun. Daher benötigen wir keinen Rechenschieber und können für ein weiteres Jahr in der Liga planen. Ich denke, wir sind personell ganz gut aufgestellt. Interne Gespräche stehen aber noch bezüglich der zweiten Mannschaft an, die möglicherweise in die Kreisliga aufsteigen kann“.

Hartmut Denecke (Team-Manager Eintracht Northeim) „Nachdem sich der NFV lange mit einer Entscheidung schwer getan hat, zeichnet sich mit dem Antrag auf Abbruch der Saison eine Klärung ab. Wenn es wie vorgesehen keine Absteiger geben wird, wäre das für unseren Verein eine erfreuliche Situation. Obwohl es schwer werden wird, will sich die aus jungen in Northeim ausgebildeten Spielern besetzte Mannschaft der großen Herausforderung stellen. Als Übergangslösung könnte ich mir eine Teilung der Oberliga in Nord und Süd vorstellen“, so die Einschätzung von Denecke.

In seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Bezirks-Spielausschusses begrüßt Jörg Zellmer (Harlingerode) den Antrag auf Abbruch der aktuellen Spielzeit. Für den Spielausschuss-Chef ist es keine Frage, dass der Verbandstag für diesen von den Vereinen mehrheitlich gewünschten Abbruch stimmen wird. Gleichwohl hätte sich Zellmer gewünscht, mit seinen Mitstreitern aus dem letztlich für den Spielbetrieb verantwortlich zeichnenden Gremium mehr in den schwierigen Gestaltungsprozess eingebunden gewesen zu sein. „Auf Bezirksebene bleiben für mich einige Fragen. Einen Rahmenspielplan zu erstellen, ohne zu wissen, wann das Spieljahr 2020/21 beginnen wird? Die dann 19 Vereine umfassende Landesliga spielt sehr wahrscheinlich in zwei Staffeln – aber wie? Wird es im Folgejahr einen erhöhten Abstieg geben? Hier besteht Aufklärungsbedarf. Deshalb habe ich mich diesbezüglich auch an den Vorstand gewandt“, bekräftigt Zellmer.

„Endlich können wir einen Schlussstrich unter die aktuelle Spielzeit ziehen. Der Abbruch der Saison ist die richtige Entscheidung. Das hat schließlich auch das Votum der Vereine aufgezeigt“, reagiert Heinz Schwingel (Edesheim), Vorsitzender des Kreis-Spielausschusses erleichtert auf den Antrag zum Abbruch der aktuellen Spielzeit. „Jetzt kann ich mich mit meinen Kameraden aus dem Spielausschuss daran machen, die Kommunikation mit den Vereinen zu intensivieren. Wenn es denn zu dieser Entscheidung kommen wird, ist Rehbachtal Kreismeister und Aufsteiger in die Bezirksliga. Eine Relegation zur Kreisliga entfällt. Es ist auch nicht auszuschließen, dass Vereine nicht für ihre derzeitige Spielklasse melden werden. Wann der Spielbetrieb für die Saison 2020/21 aber tatsächlich losgehen wird, entscheiden die politischen Verantwortungsträger“, erklärt Schwingel. 

Von Ottmar Schirmacher

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