Niedersächsische Landesforsten: Mehr Wild soll auf den Tisch

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Auf Rehböcke ist die Jagd seit dem 1. Mai wieder erlaubt.

Der Markt für Wildfleisch ist durch die Coronakrise auch in der hiesigen Region zusammengebrochen.

Grund dafür ist, dass die Gastronomie als Hauptabnehmer ausgefallen ist.

„Wenn ausgerechnet jetzt zum Beginn der Jagdsaison für Rehböcke noch wenige Tiere geschossen werden, weil der Absatz von Wildfleisch stockt, wäre das für die Forstwirtschaft ein großes Problem“, sagt Michael Rudolph, Pressesprecher der Niedersächsischen Landesforsten. Die Bejagung der Wildbestände sei dringend nötig, um den Erfolg der vielen, mit großem Aufwand verbundenen Aufforstungsmaßnahmen nicht zu gefährden.

„Auf den durch Windbruch und Borkenkäferbefall entstandenen Flächen der ehemaligen Fichtenbestände haben die Forstämter und die privaten Waldbesitzer im Rahmen des Waldumbauprogramms jetzt Baumarten angepflanzt, die mit dem Klimawandel besser zurechtkommen“, beschreibt Rudolph die Situation. „Aber Buchen, Ahorn und Roteichen schmeckt dem Wild viel besser, und es empfindet unsere Neuanpflanzungen daher leider wie einen gedeckten Tisch.“ Um die Bejagung fortführen zu können, sei es wichtig, den Wildhandel wieder anzukurbeln. „Sollte dies nicht gelingen, ist zu befürchten, dass insbesondere private Jagdpächter in ihren Revieren der Landesforsten auf die Jagd jetzt erst einmal verzichten.“

Aus diesem Grund appelliere man jetzt an die Verbraucher, nicht nur zu besonderen Anlässen, sondern viel öfter Wildfleisch zu essen, erklärt Rudolph und betont: „Mehr Bio geht nicht, und die Zubereitung ist auch nicht komplizierter als bei anderen Fleischsorten.“

Stephan Heine, der in Schnedinghausen eine Wildhandlung betreibt und auch mit einem Verkaufsstand auf dem Northeimer Wochenmarkt vertreten ist, glaubt nicht, dass die jetzt angekündigten Lockerungen für die Gastronomie zu einer großen Steigerung der Nachfrage an Wildfleisch führen wird. „Großveranstaltungen, Hochzeiten und andere Familienfeiern werden wohl noch länger nicht möglich sein, und außerdem dürfen in den Restaurants nicht alle Tische genutzt werden“, sagt Heine.

Er kauft derzeit nur noch Wildfleisch, wenn dafür konkrete Bestellungen vorliegen. „Aber das ist nicht viel. Zurzeit habe ich im Vergleich zum vergangenen Jahr gerade mal zehn Prozent des Umsatzes erreicht.“        

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