Protest bei Wilvorst in Northeim

75 Prozent der Wilvorst-Mitarbeiter in Northeim sollen voraussichtlich gehen

Mitarbeiter der Firma Wilvorst demonstrieren vor dem Betriebsgelände und legen einen Sarg ab.
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Mitarbeiter des Northeimer Traditionsunternehmens Wilvorst trugen am 14. Oktober ihre Firma symbolisch zu Grabe. Denn sie sehen ihre Arbeitsplätze bedroht. Die Pläne des Unternehmens sehen nach Angaben des Betriebsrates vor, dass rund 75 Prozent der Stellen in Northeim gestrichen werden sollen.

Erneut sind am Mittwochmittag, 14. Oktober, die Mitarbeiter der Firma Wilvorst in Northeim auf die Straße gegangen, um für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze zu demonstrieren. Denn die Bekleidungsfirma plant die Einstellung der Produktion sowie weitere Stellenstreichungen in allen Bereichen.

Northeim – „Das vom Arbeitgeber vorgelegte Konzept geht davon aus, dass 75 Prozent der rund 220 Stellen in Northeim gestrichen werden“ sagen Betriebsrätin Regina Ries und Bianka Berlin, Verantwortliche Gewerkschaftssekretärin für die Textilbranche bei der IG Metall Südniedersachsen-Harz.

Unterstützung: Fast 3000 gesammelte Unterschriften sowie ein Konzept mit Ideen für die Zukunft werden (von links) von Bianka Berlin (IG Metall) an Regina Ries und Gabriele Schlimme vom Betriebsrat überreicht, um sie anschließend an die Geschäftsführung zu übergeben.

3000 Unterschriften für Wilvorst-Standort in Northeim gesammelt

Um sich für den Erhalt des Standortes Northeim und gegen eine weitere Verlagerung ins Ausland stark zu machen, wurde eine Unterschriftensammlung initiiert. „Innerhalb von zehn Tagen konnten wir fast 3000 Unterstützerunterschriften sammeln“, so Berlin. Diese Liste wurde vom Betriebsrat im Anschluss an die Kundgebung an die Geschäftsführung übergeben. Zudem überreichten sie ein Alternativkonzept, das Ideen vorgibt, wie der Standort entwickelt und gestärkt werden könne.

Wilvorst-Betriebsrat schlägt Exzellenzzentrum mit Maßanfertigungen vor

Es sieht unter anderem vor, Northeim zu einem Exzellenzzentrum auszubauen, in dem Maßanfertigungen sowie der Auf- und Ausbau einer Muster- und Anlauffertigung erfolgen könnten, erklärt der damit beauftragte Projektberater Dr. Andreas Veres. Er könne sich auch vorstellen, dass Wilvorst sein Produkt-Portfolio erweitert. „Wir haben einen Blumenstrauß an Alternativen entwickelt“, so Veres, der hofft, dass die Geschäftsführung diese aufgreift und „bis ans Ende denkt“.

Befürchtet wird jedoch von der IG Metall, dass die Entscheidung schon gefallen sei. Man wisse auch nicht, welchen Handlungsspielraum die Northeimer Geschäftsführer hätten, da das Unternehmen seit 1993 zur Bugatti Holding/Brinkmann-Gruppe in Herford gehört.

Wilvorst-Gebäude in Northeim nur bis 2023 gemietet

Morgen findet die von den Mitarbeitern seit Langem gewünschte Betriebsversammlung in der Stadthalle statt, informiert Ries. Am kommenden Dienstag treffe man sich wieder mit der Geschäftsführung, die bis dahin den eingereichten Vorschlag prüfen sollte. Erforderlich sei dann eine schriftliche Replik der Geschäftsführung, erklärt Veres das übliche Prozedere. Anschließend würden die Verhandlungen beginnen, wie beispielsweise ein Interessenausgleich gestaltet werden könne. Aber man hoffe noch auf eine inhaltliche Diskussion. Denn ansonsten sorge man sich perspektivisch um den gesamten Standort.

Das Gebäude habe die Firma nur bis Ende 2023 gemietet. Dann kämen vielleicht auch die verbleibenden Arbeitsplätze auf den Prüfstand. (Von Rosemarie Gerhardy)

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