Bald ein Bon für jedes Brötchen

Bäckerinnung Northeim-Einbeck kritisiert neues Gesetz

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Northeim: Bäckerinnung kritisiert neues Gesetz 

Auch die Bäckereibetriebe im Landkreis Northeim müssen sich zum Beginn des kommenden Jahres auf höhere Kosten und einen zusätzlichen bürokratischen Aufwand einstellen.

Grund dafür ist das Kassengesetz 2020, das zum 1. Januar in Kraft tritt.

Darin ist geregelt, dass unter anderem auch Bäckereibetriebe ihren Kunden bei jedem Einkauf einen Kassenbon aushändigen müssen – auch für das einzelne Frühstücksbrötchen.

„Irgendwie hat man langsam den Eindruck, dass wir nicht mehr erwünscht sind“, bringt Jürgen Schulze, Obermeister der Bäckerinnung Northeim-Einbeck die momentane Stimmung seiner Zunft auf den Punkt. Der bürokratische Aufwand, den Bäckereibetriebe ohnehin schon betreiben müssten, um die immer komplizierteren Auflagen zu erfüllen, sei schon sehr hoch. Die Bonpflicht stelle da eine weitere Hürde dar. Darüber hinaus müssten die Betriebe ab dem kommenden Jahr ihre Registrierkassen mit einem besonderen Modul ausstatten.

Kein Protest trotz Unmut

„Wir werden mit den Kassenzetteln demnächst nur unnötig Müll produzieren,“ ist sich Schulze sicher. Denn vermutlich werde kein Kunde ein Beleg für seine Frühstücksbrötchen verlangen. Protestaktionen gegen das Gesetz, wie es sie bundesweit bereits von einigen Kollegen gegeben habe, werde es im Landkreis Northeim vermutlich nicht geben, so der Obermeister. 

Dazu seien es zu wenige Betriebe. „Wir müssen wohl einfach akzeptieren, dass der Gesetzgeber meint, uns stärker kontrollieren zu müssen“, sagt Schulze und gibt zu bedenken, dass die Finanzämter schon jetzt genug zu tun hätten.

Purer Aktionismus 

Er kann sich vorstellen, dass das geplante „Aufbauschen der Bürokratie“ nicht nur in den Bäckereibetrieben, sondern auch von den Mitarbeitern der Finanzämter als purer Aktionismus empfunden wird, um das Problem der Steuerhinterziehung in den Griff zu bekommen. „Wir zahlen alle unsere Steuern“, sagt Schulze. „Aber man sieht in uns wohl ein leichtes Opfer.“

Die ab 1. Januar 2020 geltende Belegausgabepflicht gilt nicht nur für Bäcker, sondern für alle Einzelhändler. Laut Bundesfinanzministerium dient die Neuregelung der Verhinderung von Steuerbetrug, da auf den Beleg zusätzliche Daten aufgedruckt werden müssen. Anhand der ausgegebenen Belege sei im Rahmen einer Überprüfung leichter nachprüfbar, ob Geschäftsvorfälle korrekt festgehalten, aufgezeichnet und aufbewahrt worden sind.

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