Streit um Geld zwischen Ex-Freunden

Geldstrafe für jungen Drogenabhängigen

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Symbolbild

Das Amtsgericht Northeim verhängte Geldstrafe gegen jungen Drogenabhängigen. Im Prozess gibt es um Erpressung.

Das Northeimer Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Dr. Martin Rammert hat einen 23-jährigen Angeklagten aus dem Kreisgebiet wegen versuchter Nötigung zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 15 Euro verurteilt.

Das Gericht und der Staatsanwalt waren sich einig, dass der Tatbestand einer Erpressung nicht erfüllt war und somit kein Verbrechen, sondern nur ein Vergehen vorlag.

Der Angeklagte hatte einem 24-jährigen als Zeugen geladenen Mann Mitte Februar und zuvor über den Messengerdienst der sozialen Plattform Facebook gedroht, dass der 24-Jährige „finanziell und physisch bluten werde“, wenn dieser ihm nicht binnen weniger Tage 887 Euro zahlen und ihm seine Klamotten zurückgeben würde. Zudem schrieb er, er würde sich nicht selbst die Hände schmutzig machen, sondern „für die Jungs hundert Euro drauf legen.“

Die beiden jungen Männer waren früher befreundet. Der 24-Jährige gab zu, mit dem 23-Jährigen früher Drogen konsumiert zu haben. Der Angeklagte schwieg während der Verhandlung.

Der 24-jährige bedrohte Zeuge sagte vor Gericht aus, Anfang Dezember 2018 mit dem Angeklagten für einen Abend Drogen konsumiert zu haben, obwohl sie vor diesem Zeitpunkt keinen Kontakt mehr gehabt hätten. Wegen des Konsums könne er sich an den späteren Verlauf des Abends nicht erinnern. Als er im Krankenhaus aufgewacht sei, habe er die Klamotten des Angeklagten dabei gehabt.

Weswegen sein früherer Freund 887 Euro verlangte, konnte er sich nicht erklären. An dem Abend hatte er ein kaputtes Macbook sowie ein altes I-Pad mit zu dem Angeklagten genommen. Beide Apple-Produkte sind laut Zeugenaussage noch im Besitz des Angeklagten. Der 24-Jährige habe die Gegenstände jedoch nicht zurückgewollt und war auf die Forderung des Angeklagten nicht eingegangen, da er mit ihm und den Drogen nichts mehr zu tun haben wollte.

Die Mutter des 24-jährigen Zeugen, die ursprünglich nicht als Zeugin geladen war, hatte im Februar 2019 Anzeige gegen den Angeklagten erstattet, nachdem sie das Handy ihres Sohnes kontrolliert und die Nachrichten gelesen hatte.

Nach einer kurzen Beratung entschieden sich Schöffengericht, Staatsanwalt und Verteidiger, die Mutter des Zeugen ebenfalls als Zeugin zu laden.

Die Mutter gab an, dass sie zuvor selbst Nachrichten von dem Angeklagten erhalten hatte, in denen er die 887 Euro und die Anziehsachen einforderte. Daraufhin blockierte sie ihn auf der sozialen Plattform. Die 57-Jährige sagte außerdem, dass sie früher schon einmal mehrere Hundert Euro an den Angeklagten gezahlt habe, um ihren Sohn aus der Patsche zu helfen. Sie vermutet, dass die 887 Euro für Drogen waren, die an dem Dezemberabend oder zuvor konsumiert wurden.

Der Vorsitzende Richter empfahl dem Angeklagten, sich bezüglich zuvor genannter psychischer Probleme und dem Drogenproblem im eigenen Interesse Hilfe zu suchen.

Mit dem Urteil blieb das Gericht unter den von dem Staatsanwalt vorgeschlagenen 50 Tagessätzen zu je 15 Euro. Der Verteidiger stellte keinen konkreten Antrag, hielt es jedoch für fraglich, ob überhaupt eine versuchte Nötigung vorliegt.

Das Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz läuft noch.

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