Bar Mitch 

Northeim hat einen neuen, alten Ort für Partys

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Sie wollen die Party zurück nach Northeim bringen: (von links) Aushilfe Tanja Stober, Bar-Chefin Michaela Brandt, Aushilfe Alice Schall und Lutz Schmidt, Brandts Lebensgefährte.

Michaela Brandt hat einen Plan: Sie will Northeim vor dem "Einschlafen" bewahren - und hat deshalb eine neue Kneipe eröffnet. Das Risiko zu scheitern ist groß. 

Michaela Brandt erinnert sich gerne an ihre Jugend zurück. An die Zeit, als es noch zwei Diskotheken in Northeim gab. Und als sie sich vor lauter Bars und Kneipen kaum entscheiden konnte, wo sie den Abend verbringen soll. Von „legendären Partys“ ist die Rede. Würde sie all das Touristen erzählen – sie würde vermutlich nur ungläubiges Kopfschütteln ernten. Zu Recht: „Party“ sucht man in Northeim vergebens.

"Möchte schauen, ob's noch mal funktioniert"

Die wenigen Bars, die noch nicht aufgegeben haben, lassen sich an einer Hand abzählen. Es ist nicht verwunderlich: Seit die Scharnhorst-Kaserne 1992 geräumt wurde, hat die Northeimer Kneipenlandschaft den Großteil ihrer Kundschaft verloren. Wer heute in Northeim jung ist, fährt zum Feiern nach Göttingen. Das kann man deprimierend finden. Oder man macht es wie Michaela Brandt – und eröffnet einfach eine eigene Bar.

Vor zwei Wochen hat die Northeimerin das zweistöckige Eckgebäude in der Sonnenpassage angemietet, in dem bis vor Kurzem noch das F90 zu Hause war. Seitdem residiert dort die Bar Mitch. Mitten in der Innenstadt, umringt von leer stehenden Ladenflächen. Die 51-Jährige ist optimistisch: „Ich möchte schauen, ob’s noch mal funktioniert“.

Das ganze Leben in Northeim verbracht

Noch aber ist in der neuen Kneipe einiges zu tun: Das Logo hängt noch nicht, Wände müssen gestrichen und die Lounge fertig gebaut werden. Ihre Zielvorstellung hat die 51-Jährige allerdings längst klar definiert: „Ich will verhindern, dass hier alles einschläft.“

Wie schwierig sich das gestalten könnte, weiß die 51-Jährige nur zu gut. Ihr ganzes Leben hat sie in Northeim verbracht. Und bis vor zwei Jahren sogar selbst noch in der Eckkneipe hinter dem Tresen gestanden. Im Tipperary Pub, dem Vorgänger vom F90.

Am Ende kam sogar die Polizei

Tatsächlich haben sich in den letzten Jahren schon mehrere Barbesitzer an dem Standort versucht – und aufgegeben. Brandt versucht es trotzdem. „Dazu bracht man eine Mischung aus Mut und Dummheit“, ist sie sich sicher. Das Risiko zu scheitern sei groß – und davor habe sie „eine gehörige Portion Respekt“. Aber: „Jetzt gibt es kein Zurück mehr.“

Brettspiele und Mallorca-Partys

Zumindest die Eröffnungsfeier vor einer Woche bucht die 51-Jährige schon mal als vollen Erfolg ab. Alle Tische seien belegt gewesen – und am Ende sei sogar die Polizei gekommen, wegen Ruhestörung. Ein gutes Zeichen, findet Brandt, der es auch an Ideen für ihre neue Bar nicht mangelt: Sie reichen von der gemütlichen Sitzecke mit Ledersofas über Dartscheibe, Kicker und Brettspiele bis hin zur Tanzfläche mit Disco-Kugel, Mallorca-Mottopartys und Band-Abenden. Optisch plant Brandt keine Rundumerneuerung – „heller“, „freundlicher“ und „gemütlicher“ soll es werden. Zu trinken gibt es Bier aus Einbeck und Schnaps aus Berlin.

Außerdem, und das ist der neuen Bar-Chefin besonders wichtig, sollen sich Gäste ihre Musik selbst wünschen dürfen. „Das funktioniert super“, meint Brandt – und schaut zurück auf vergangene Abende im F90, als „Menschen in Kutten zu Dirty-Dancing getanzt haben“.

Michaela Brandt wird mit ihrem Konzept nicht jeden begeistern können – die 51-Jährige weiß das. Trotzdem, sie will einen Ort schaffen, an dem sich „jeder wohlfühlt“. Ob 18 oder 80 Jahre alt. Und wer weiß, vielleicht geht ihr Plan auf – und es gibt sie irgendwann wieder, die legendären Partys in Northeim.

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