Debatte um das Bild der Kreisstadt in der Öffentlichkeit

Northeim ist „ein ungeschliffener Diamant“ oder „Müll und Hundekot“

Hier fühlen sich viele wohl – es gibt aber auch viel Kritik: Die Menschen in Northeim diskutieren aktuell darüber, ob die Stadt liebenswert ist oder ihren Reiz schon vor Jahren verloren hat. Auslöser war eine Straßenumfrage von Radio ffn aus Göttingen. Foto: Mennecke

Northeim. „Was ist das Besondere an Northeim?“ Diese Frage hat die HNA nach der Berichterstattung von Radio ffn gestellt, in der sich die Bewohner ausschließlich negativ über die Stadt geäußert haben.

Rückmeldungen auf diese Frage gab es genug: Über 300 Kommentare und Meinungen sind per E-Mail, Post, Fax und in den sozialen Netzwerken eingegangen.

Das Ergebnis: Die Rückmeldungen der Leser, ob im Internet oder der gedruckten HNA, sind in einem ausgeglichenen Verhältnis positiv und negativ. Von „Northeim ist ein ungeschliffener Diamant“ und „Manchmal braucht es einfach mehr Distanz, um die vielen schönen Seiten zu erkennen“ reichen die Meinungen bis hin zu „Northeim, das ist Müll und Hundekot“, sowie „Um 18 Uhr werden die Bürgersteige hochgeklappt“. Bemängelt wird auch die Außendarstellung Northeims. Verwaltungsinternas solle man nicht nach außen tragen – und nicht ständig den Bürgermeister wechseln, so einige Leser.

Wir haben die umfangreichen Antworten thematisch sortiert und fassen die wichtigsten Punkte nachfolgend in Pro und Contra zusammen.

Pro: „Sehens- und lebenswert"

Positiv äußern sich nicht nur ältere Menschen, sondern auch viele weit unter 30 Jahren.

Freizeitangebot Der Freizeitsee als Erholungs- und Wassersportort, die 50-Meter-Bahn im Hallenbad und die ländliche Region ringsherum – das wird am häufigsten angeführt. Ebenso mit dabei ist die Möglichkeit, im Wieter zu wandern.

Kultur Das Theater der Nacht ist laut unserer Leser „über die Region hinaus bekannt“ und damit eine Bereicherung für Northeim. Lobend erwähnt wird auch das „gesteigerte Angebot in der Stadthalle“ sowie das sehenswerte, kulturelle Angebot, unter anderem in der Alten Brauerei. Insgesamt gebe es „Konzerte jeder nur denkbaren musikalischen Richtung“, wie unter anderem Dorothea Speyer-Heise findet. Vieles davon werde laut mehrerer Leser erst „durch das umfangreiche ehrenamtliche Engagement“ ermöglicht. Das bald 100 Jahre alte „mehrfach ausgezeichnete Kino mit seinem Filmkunstprogramm“, die Neue Schauburg, wird ebenfalls sehr oft genannt.

Fachwerk „Meine Familie aus den USA kommt regelmäßig hierher und schwärmt von Northeims malerischer Altstadt (...). Ein Blick aus der Ferne hilft manchmal, um das Nahe zu wertschätzen“, schreibt Whitney Morris-Lange. Das Fachwerk loben dutzende weitere Leser. Zusammengefasst: „Wem es in Northeim langweilig wird, der wird auch in anderen Städten unserer Größe nicht zufrieden sein“, scheibt Joachim Leuschel.

Contra: „Die Stadt ist leider tot“

Besonders negativ wird das Northeimer Angebot für Jugendliche erwähnt, dicht gefolgt von der Sauberkeit.

Diskosterben Vor allem in der Mühlenstraße und der Neustadt war früher viel los – dann kam das Disko- und Kneipensterben, so der Tenor vieler Leser. Heute gebe es zwölf Spielotheken, sonst aber nichts, wie Steven Schlesier meint. „Northeim ist leider tot“, schreibt er.

Nichts für die Jugend Mehrere dutzend Leser bemängeln das fehlende Angebot für die Jugend. Und das fängt schon bei den Jüngsten an. „Die Spielplätze für Kinder gleichen einem Scherbenhaufen und einer Müllkippe“, sagt unter anderem Silke Albo-Hussein, oder „sind voller Hundekot“, wie Karola Cremer schreibt. Diese mangelnde Pflege übertragen viele Leser auf die gesamte Stadt.

Leerstand „Ein großer Fehler war sicherlich der Bau des City Centers“, meint Dennis Friedrichs zum Leerstand. Viele Leser kritisieren den Weggang großer Geschäfte wie Galeria Kaufhof und wünschen sich ein Konzept für die Innenstadt.

Notorische Nörgler Fast 20 Leser weisen auf die ständige Nörgelei hin, die den „typischen Northeimer“ ausmache. „Natürlich kann man mehr aus Northeim rausholen, aber das schafft man sicherlich nicht, in dem man permanent am Meckern ist“, schreibt Christina Lang. Wer aktuell erschrocken sei über das Bild, das Northeim „schrecklich“ ist, „lebt seit Jahren bereits in einer Traumwelt“, resümiert Jens Nolte.

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