Der Angeklagte ist einschlägig vorbestraft

Missbrauch einer 14-Jährigen: Haftstrafe für 55-Jährigen aus Northeim

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Göttingen/Northeim. Weil er die damals 14 Jahre alte beste Freundin seiner Stiefenkelin vergewaltigt hat, muss ein 55-jähriger Mann aus Northeim für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis.

Das hat am Donnerstag das Landgericht Göttingen entschieden. Mit seinem Urteil entsprach die Kammer dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Anwalt der Nebenklägerin hatte eine Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren gefordert. Die Verteidigung plädierte auf eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollte.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der einschlägig vorbestrafte Angeklagte die 14-Jährige im November 2016 vergewaltigt hatte. Der 55-Jährige sei dabei zielgerichtet vorgegangen und habe das besondere Vertrauensverhältnis und die besondere Nähe ausgenutzt, sagte der Vorsitzende Richter Michael Kalde. Die Jugendliche war damals über Nacht bei ihrer Freundin zu Besuch gewesen.

Der 55-Jährige hatte in der Verhandlung, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, die Tat eingeräumt. Das Gericht wertete sein Geständnis zwar als strafmildernd, allerdings nur mit Einschränkungen. Der Angeklagte habe nicht nur übertriebene Angaben zu seiner Alkoholbeeinträchtigung gemacht, sondern zudem die Tat auch verharmlost.

Das Gericht habe den Eindruck, dass er nach wie vor nicht dazu stehe, was er der Jugendlichen angetan habe und welche schweren Folgen diese davongetragen habe. Dies habe sich auch daran gezeigt, dass er auf Zeugenaussagen mit Gesten und Kopfschütteln reagiert habe. „Das hat mir überhaupt nicht geschmeckt“, sagte der Vorsitzende Richter.

Äußerst befremdet sei die Kammer auch darüber gewesen, dass der Angeklagte in dem jetzigen Prozess plötzlich die Taten bestritten habe, für die er sich in einem früheren Strafverfahren hatte verantworten müssen.

Der Angeklagte aus Northeim war im Oktober 2009 wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen in drei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Vor neun Jahren hatte er in dem Prozess zugegeben, seine Stieftochter missbraucht zu haben. Jetzt behauptete er, dass er damals die Vorwürfe nur unter dem Druck einer drohenden Freiheitsstrafe eingeräumt habe. 

Das hat uns die Köpfe schütteln lassen“, sagte Kalde. Die Kammer habe sich das damalige Urteil angesehen. „Es gibt keinen Anlass, daran zu rütteln.“ Appell an Angeklagten Der Vorsitzende Richter appellierte an den Angeklagten, sich in der Haft mit seinen Taten auseinanderzusetzen. „Es wäre schön, wenn Ihnen die Verurteilung endlich mal zu denken geben würde. Wir hoffen, dass Sie die Zeit nutzen, damit so was nicht noch mal passiert.“

 

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