Übernahme soll Lösung bringen

Sixti-Pflege in Northeim steht vor der Insolvenz

St.-Sixti-Schwesternstation Zentrale in Northeim an der Borsigstraße
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St.-Sixti-Schwesternstation Zentrale in Northeim an der Borsigstraße

Schock für 500 Patienten der Schwesternstation St. Sixti GmbH Northeim: Die gemeinnützige Firma hat Insolvenz angemeldet. Die gute Nachricht: Der Pflegebetrieb läuft weiter.

  • Insolvenz bei der gemeinnützigen Schwesternstation St. Sixti GmbH Northeim
  • Pflegebetrieb soll trotzdem weiterlaufen
  • Suche nach Interessenten bei Sixti in Northeim für eine Übernahme läuft

Northeim - Zwar sei die Gesellschaft Schwesternstation St. Sixti aktuell nochliquide und alle Löhne seien gezahlt, doch der Insolvenzantrag sei trotzdem nötig, weil Zahlungsunfähigkeit drohe, wenn der Betrieb in Eigenregie weiterlaufe, erläuterte Knut Kepke, der seit April 2019 Geschäftsführer der Sixt-Schwesternstation ist. 

Als seriöser Kaufmann sehe er keinen anderen Weg. Der Antrag sei nach der jetzt erfolgten Erstellung der Jahresrechnung für 2019 sofort gestellt worden. Insolvenzverwalterin ist Rechtsanwältin Anja Karow aus Seesen.

Die Schwesternstation St. Sixti gGmbH mit Sitz an der Borsigstraße ist das größte ambulante Pflegeunternehmen im Landkreis Northeim. Sie hat laut Geschäftsführer Kepke 105 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 65 in der ambulanten Pflege, 25 im Bereich Hauswirtschaft, vier in der Verwaltung und zehn im Menüservice. Betreut werden rund 500 Patienten im Raum Northeim und Umgebung und etwa 100 Kunden im Bereich Menüservice.

Insolvenz Sixti Northeim: Suche nach Interessenten für Übernahme läuft

Für die Patienten der Sixti-Station soll die Insolvenz keine Auswirkungen haben, das ist das Ziel von Karow und Kepke. Beide sind dabei, Interessenten für eine Übernahme zu finden. Kepke: „Und es gibt auch mehrere, Gespräche laufen“. Spätestens in drei Monaten soll alles unter Dach und Fach sein.

Knut Kepke, Geschäftsführer von Sixti.

Wichtig sei, dass die Mitarbeiter, deren Gehälter bis Ende Mai über das Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur voll weiter gezahlt würden, bei der Stange blieben, betont Karsten Möller, Vorsitzender der Vertreterversammlung der Schwesternstation. Die Belegschaft, die am Dienstag in einer Mitarbeiterversammlung informiert wurde, habe dies zum Glück auch zugesagt. 

Insolvenz Sixti Northeim: Dach der Diakonie soll bleiben

Möller: „Unser Ziel ist, nach einer Übernahme unter dem Dach der Diakonie zu bleiben.“ Tariflöhne und Alterssicherung würden dann weiter gezahlt.

Nach Informationen der HNA soll als übernehmende Gesellschaft die Diakonie-/Sozialstationen Westharz gGmbH im Gespräch sein, die kürzlich auch die Gemeindeschwesternstation Katlenburg übernommen hat.

Als Grund für die finanzielle Schieflage der Northeimer Station gibt Kepke die „katastrophale“ Vergütung der ambulanten Pflege durch die Kassen an. Sixti verfüge über keine stationären Einrichtungen wie Tagespflegen oder Heime, deren Leistungen deutlich besser vergütet würden.  

Insolvenz Sixti Northeim: Alle Touren laufen weiter

„Es braucht keiner Angst zu haben, dass niemand mehr kommt“, beruhigt Dr. Christian Steigertahl, seines Zeichens Sixti-Kirchenvorstandsmitglied und Mitglied der Vertreterversammlung der Sixti-Schwesternstation gGmbH die Patienten, die Pflegeverträge mit der Northeim Station abgeschlossen haben. Alle Zeiten und Touren würden erfüllt, der Betrieb laufe auch nach dem Insolvenzantrag erst einmal normal weiter.

Die angestrebte Übernahme durch einen Dritten solle schnellstmöglich unter Dach und Fach gebracht werden, ergänzte Insolvenzverwalterin Anja Karow. „Ich hoffe, dass wir dafür keine drei Monate brauchen.“

Insolvenz Sixti Northeim: Weiterbetrieb in Eigenregie rechnet sich nicht

Ein Weiterbetrieb des St.-Sixti-Schwesternstation in Eigenregie rechne sich nicht länger. Das habe auch eine externe Beratung ergeben, fasste Geschäftsführer Kurt Kepke noch einmal die Situation zusammen, die zum Insolvenzantrag geführt habe.

„Die Refinanzierung der Pflege ist eine mittelschwere Katastrophe“, führt er aus. Sie führe dazu, dass viele ambulante Pflegeunternehmen mittlerweile in finanzieller Schieflage seien und wie die Sixti-Station kurz vor dem Kollaps stünden.

Insolvenz Sixti Northeim: Politik fördert eher stationäre als ambulante Pflege

Grund sei, dass die Politik mehr auf stationäre als auf die ambulante Pflege setzte. Stationäre Einrichtungen bekämen bessere Vergütungen. Dies liege auch daran, dass ein Großteil der Arbeitszeiten des Personals in der ambulanten Pflege nicht als Pflegeleistung abgerechnet werden könne. Dies betreffe hauptsächlich die Fahrzeiten zu den Patienten. Die niedrigen Wegepausschalen könnten dies nicht kompensieren.

Finanziell lukrativ seien nur noch stationäre Einrichtungen. Da gehörten zum Beispiel Tagespflege-Stationen dazu, über die die Sixti-Schwesternstation aber nicht verfüge. So könne man auch keine Quersubventionierung vornehmen, wie andere Träger von ambulanten Pflegen dies könnten, erklärt Kepke die Hintergründe für den Insolvenzantrag.

Insolvenz Sixti Northeim: Keine Quersubventionierung bei Sixti möglich

Die Diakonie-/Sozialstationen Westharz gGmbH zum Beispiel, die als Übernahme-Kandidat für die Sixti-Schwersternstation gehandelt wird, betreibt Tagespflegen in Herzberg, Osterode, Bad Sachsa, Bad Grund und in Kürze auch in Clausthal-Zellerfeld. Zudem hat sie im Verbund auch ein Alten-Pflegeheim in Osterode.

Im ambulanten Pflegebereich betreut die Firma mit 220 Mitarbeitern 1100 Patienten im ehemaligen Landkreis Osterode von Bad Sachsa bis nach Bad Grund, aber auch im Oberharz. Seit Anfang dieses Jahres sind mit der Übernahme der Gemeindeschwesternstation Katlenburg auch 85 Patienten aus Katlenburg-Lindau dabei.

Pflegedienste im Landkreis Northeim sind überlastet.

Was Sie über Pflegegrade wissen müssen.

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