Rocker wollte Geld für LuToM spenden

Kein Geld für Kinder: Hospizdienst lehnt Spende eines Ex-Polizisten ab

Ex-Polizist, Rocker und Buchautor Tim K.

Northeim. Ex-Polizist, Rocker und Buchautor Tim K. wollte für die Kinder-Trauerbegleitung des Hospizdienstes Geld sammeln.

Seit voriger Woche erlebt der Northeimer Superintendent Jan von Lingen einen sogenannten Shitstorm. Und zwar nicht nur im Internet, sondern vor allem am Telefon. Der Grund: Der Kirchenkreis Leine-Solling hat eine Spende für die Trauerbegleitung „LuToM“ abgelehnt.

Die Spendenaktion wollte der Bielefelder Ex-Polizist, Buchautor und Mitglied eines Rockerclubs, Tim K., für die Northeimer Einrichtung in die Wege leiten, nachdem er in der HNA gelesen hatte, dass für LuToM Spenden benötigt werden. Doch Superintendent von Lingen möchte das Geld von Tim K. nicht. 

Laut von Lingen schreibe Tim K. Bücher mit Titeln wie „Kein Teil des Systems“ oder „Vergeltung – Rache verjährt nicht“, mit deren Verkaufserlös die Hospiz-Einrichtung jetzt unterstützt werden sollte. Von Lingen: „Wir könne uns nicht mit den Inhalten der Bücher identifizieren, sagen dazu Nein und untersagen jede Verbindung zwischen Tim K. und LuToM.“

Gegner und Kritiker warnten von Lingen vor der Spendenaktion

Tim K. hatte am Donnerstag im Internet auf seiner Facebook-Seite über die Ablehnung unter anderem geschrieben, dass der Superintendent ihm in einem Telefonat zunächst mitgeteilt habe, dass man keine Spenden mehr benötige, außerdem lieber regionale Spender hätte. Im Gespräch mit der HNA sagte der 43-Jährige, dass er in dem Telefonat mit von Lingen Unverständnis für diese Entscheidung geäußert habe. 

„Als ich dann fragte, ob die Entscheidung wohl eher mit meiner Person zusammenhänge, wurde mir das bestätigt“. Tim K. steht im Ruf, rechtsradikalen Gruppen nahe zu stehen und Verschwörungstheorien zu verbreiten. 

Er habe nur etwas für Kinder des Hospizdienstes machen wollen. „Aber ich habe die Entscheidung akzeptiert und sehe sie als eine Art Meinungsfreiheit.“ Nicht jedem müsse seine Lebenseinstellung gefallen: „Ich bin ein mündiger Bürger, der seinen Mund aufmacht. Und ich sage öffentlich, was mir derzeit in Deutschland nicht gefällt und was mir Sorgen macht. Da kann nicht jeder mit umgehen.“

Er finde es sehr schade, dass das Geld, das er dem Hospizdienst spenden wollte, jetzt nicht bei den Kindern ankommt. Noch bevor er vor einigen Tagen zum ersten Mal mit dem Superintendenten in Northeim Kontakt hatte, habe eine Gruppe seiner „Gegner und Kritiker“ in Northeim angerufen und vor der Spende und der Person Tim K. gewarnt. 

"Heuchler haben den Kindern die Spende kaputtgemacht"

Die Informationen hatten sie wohl von seiner Facebook-Seite, auf der die Spendenaktion angekündigt worden ist. „Das hat mich sehr wütend gemacht. Denn ich finde die Arbeit des Hospizdienstes toll. Diese Heuchler, die sicherlich selbst noch nichts für den Hospizdienst gemacht haben, haben den Kindern die Spende kaputtgemacht.“

Dazu betont der Northeimer Superintendent Jan von Lingen in seiner Stellungnahme: „Nach ausführlicher Recherche im Internet und einem Telefonat mit dem Autor haben wir im Ambulanten Hospizdienst und im Diakonievorstand entschieden, das Angebot von Tim K. abzulehnen. Diese Entscheidung wurde vom Kirchenkreisvorstand bei einer Sitzung am 5. April einstimmig unterstützt.“ 

Von Lingen liefert zudem weitere Gründe für die Ablehnung: Die evangelisch-lutherische Landeskirche folge einer „Spenden-Etikette“, diese habe auch der Vorstand des Kirchenkreises Leine-Solling beschlossen: „Wir haben als Landeskirche ethische Standards zum Beispiel für Sponsoring, in denen wir Zwecke ausschließen, die unserem kirchlichen Auftrag widersprechen.“ 

"Durch unser Spendenethos dürfen wir Spenden ablehnen“

Zudem sei keine Organisation gezwungen, Spenden anzunehmen. Im ethischen Zweifelsfall könne man sich, wie auch Tim K., an den Ethikausschuss des deutschen Fundraisingverbandes wenden und um Rat bitten, so der Superintendent weiter. 

Und: „Wir kennen unsere Spender und Sponsoren, die sich für LuToM einsetzen. Neben der räumlichen Nähe zählt die persönliche Nähe. Wir informieren, laden zu LuToM ein, halten Vorträge. Durch unser Spendenethos dürfen wir auch Spenden ablehnen“. Tatsächlich habe es inzwischen mehrere positive Kontakte für die Trauerbegleitung in der Region gegeben, daher sei man nicht auf Spenden aus anderen Kirchenkreisen oder gar aus anderen Landeskirchen angewiesen. 

Am Freitagabend habe es ein weiteres Gespräch zwischen ihm und Tim K. gegeben. Kurz darauf erneuerte Tim K. seine Bitte auf seiner Facebook-Seite: „Ich hatte Euch darum gebeten, keinen Shitstorm gegen diese Einrichtung loszutreten und erneuere hiermit meine Bitte. Die Einrichtung tut Gutes und soll in ihrer Arbeit nicht beeinträchtigt werden. Der Grund, weshalb meine Spende abgelehnt wurde, ist der, dass man sich mit dem Inhalt meines neuesten Buches Kein Teil des Systems nicht identifizieren kann. Ich danke für Euer Verständnis und bitte Euch um Mäßigung.“

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