Streit um die Forstwirtschaft

Northeimer Stadtförster sieht Forderung nach Einschränkung kritisch

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Fichten haben in der Forstwirtschaft keine Zukunft mehr.

Nicht nur der Klimawandel, sondern auch die bislang praktizierte Waldwirtschaft ist für die aktuelle Krise des Waldes verantwortlich. Davon ist Henning Städtler aus Einbeck überzeugt.

Nicht nur der Klimawandel, sondern auch die bislang praktizierte Waldwirtschaft ist für die aktuelle Krise des Waldes verantwortlich. Davon ist Henning Städtler aus Einbeck überzeugt.

„Was im Moment im Wald geschieht, ist bedrückend“, sagt der pensionierte Förster und verweist auf einen offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, den rund 80 Experten, Waldbesitzer und Verbandsvertreter zu diesem Thema unterzeichnet haben. Darin werde die staatliche Forstwirtschaft aufgefordert, den großen Schäden in den Baumbeständen nicht „mit teurem Aktionismus“ zu begegnen, sondern eine „sachkundige Fehleranalyse des eigenen Wirkens“ vorzunehmen.

Befürchtung, dass Steuergelder nicht sinnvoll eingesetzt werden

Laut Städtler befürchten die Unterzeichner des Briefes, dass die 800 Millionen Euro an Steuergeld, die zur Beseitigung der Schäden zur Verfügung gestellt werden sollen, nicht sinnvoll eingesetzt werden. Sie fordern unter anderem, dass auf den entstandenen Kahlflächen pro Hektar nur noch 400 bis 600 Bäume einheimischer Arten statt wie bisher 8000 bis 1000 gepflanzt werden, um so die natürliche Waldentwicklung mit Pionierbaumarten zu ermöglichen. 

Außerdem sehen sie die Notwendigkeit, die Durchforstung der Wälder zu minimieren. Der Northeimer Stadtförster Jonas Fürchtenicht bezeichnet diese Vorschläge vom Grundsatz her als gut für den Wald als Lebensraum und betont, dass es bereits einen Wandel in der Forstwirtschaft gegeben habe.

Er gibt aber zu bedenken, dass mit der vorgeschlagenen Vorgehensweise der Bedarf der deutschen Holzindustrie auf Dauer nicht gedeckt werden könnte. „Wir müssten mehr Holz aus Regionen importieren, in denen man nicht wie in Deutschland auf Nachhaltigkeit setzt, und das könnte sich letztendlich negativ auf den Klimawandel auswirken.“

Insofern sei genau zu überlegen, welche Folgen eine Einschränkung der deutschen Forstwirtschaft hätte – nicht nur für die deutsche Holzwirtschaft, sondern auch für den Naturschutz weltweit.

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