Der Weg ins feste Domizil war schwierig

Northeims Theater der Nacht besteht seit 30 Jahren - Frau Mond war Namensgeberin

Blick aus den Augen des Haues: Heiko Brockhausen mit Mary Delany und Ruth Brockhausen mit Friedrich Händel, Figuren aus dem Stück Händels Hamster.

Northeim. Seit 17 Jahren streckt das Theater der Nacht seine dicke Nase in die Northeimer Luft. Das Theater ist allerdings deutlich älter.

Ruth und Heiko Brockhausen feiern am Wochenende ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum. Seit 1988 machen die beiden Puppen- und Figurentheater.

Das Theatermacher-Ehepaar lernte sich nach Ruth Brockhausens Worten Mitte der 1980er-Jahre auf einem Northeimer Stadtfest kennen. Er fiel ihr wegen eines Alphorns aus Pappmaché auf. „Das hat uns von da an immer begleitet“, erzählt sie. Heute steht das Instrument im Foyer des Theaters.

Beide beschlossen zunächst, gemeinsam ein Stück zu machen. Das Puppen- und Maskentheater war geboren.

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Zusammen mit Regisseur Peter Hauck (Göttingen) entwickelten sie weitere Inszenierungen. Erfolge stellten sich ein. Das Theater der Nacht war, so erzählt Ruth Brockhausen, auf allen großen Festivals erfolgreich und tourte auch über die deutschen Grenzen hinaus, unter anderem nach Holland, Polen, Schweiz und Österreich. Der Name Theater der Nacht entstand übrigens, nachdem sie die Bühnengestalt Frau Mond entwickelt hatten.

Feuerwache entdeckt

Ein eigenes Theater war eigentlich nicht das Ziel des Paars. Es suchte Mitte der 1990er-Jahre aber ein Haus zum Proben und für die übrige Vorbereitung von Stücken. Die beiden entdeckten die ehemalige und damals vom Technischen Hilfswerk (THW) genutzte Feuerwache an der Oberen Straße. Das THW wollte aus dem Gebäude ausziehen und die Stadt plante den Abriss. Ruth und Heiko Brockhausen fragten, ob sie das Gebäude kaufen könnten. „Viele dachten, die haben Flausen im Kopf und wollen hinterher Geld von uns“, erinnert sich Ruth Brockhausen an die Widerstände, die die beiden überwinden mussten.

Hilfe und Widerstand

Wie kann aus einer Feuerwache ein öffentliches Theater werden? Es galt eine ganze Reihe von Auflagen wie Feuerschutzbestimmungen, Fluchtwege und öffentliche Toiletten zu erfüllen. „Es war unklar, ob wir das erfüllen können“, so Ruth Brockhausen. Doch es gab viel Unterstützung. Unter anderem gaben Künstler aus der Region Benefizkonzerte.

Aus einer Alten Feuerwache wurde das Theater der Nacht.

Der Bau

Vor 20 Jahren begann der Umbau der Feuerwache. „Wenn wir nicht gespielt haben, haben wir mitgebaut“, beschreibt Heiko Brockhausen die Doppelbelastung.

Einiges, was heute den besonderen Charme des Hauses ausmacht, war nicht geplant, sondern ist erst beim Bauen entwickelt worden. So die Zacken an den Firststeinen des Daches, die zusammen mit dem Kopf an der Spitze des Turms das Dach zu einem Drachen machen. „Das ging alles so schrittweise“, sagt Heiko Brockhausen.

Ursprünglich sei geplant gewesen, dem ehemaligen Schlauchturm ein Dach zu geben, dass wie eine schiefe Zipfelmütze aussieht, erzählt Heiko Brockhausen. Auch die dicke Nase war zunächst in keinem Plan enthalten.

Beginn des Theaterbetriebs

Am Fest zur Eröffnung am 11. August 2001 beteiligten sich 36 Vereine, die in Kostümen aufmarschierten. 10.000 Menschen feierten nach Ruth Brockhausens Worten mit – und viele wollte Karten für Vorstellungen. Ein Vorverkaufssystem hatte das Theater der Nacht aber noch nicht. Kartenwünsche wurden auf Zetteln notiert. Reibungslos abgearbeitet werden konnten diese Notizen nicht. „Es gab viele interessante Missverständnisse, die wir wieder geradebiegen mussten“, erinnert sich Ruth Brockhausen.

Das Theater der Nacht heute

Heute gehören zum Theater ein Café und ein Jugendklub dazu. Ein Musikerstammtisch und Literatur-Freunde treffen sich dort regelmäßig und Corvi-Schüler machen vor den 99 Besucherplätzen ihre ersten Bühnenerfahrungen. Außerdem ist es ein zentraler Ort der sich vernetzenden deutschen Puppen- und Figurentheaterszene geworden,

Der Anspruch der beiden Theatermacher ist es, sowohl einfach schöne Abende zum Genießen zu bieten, aber auch Stücke zu spielen, in die das Publikum eintauchen und mitmachen kann.

Besucher kommen aus einem Umkreis von 100 Kilometern. Es gebe auch Menschen, die immer wieder aus Hamburg, München und Düsseldorf kommen, um Stücke im Theater der Nacht zu sehen, berichten die Theatermacher.

Die Organisation dafür schaffen sie schon lange nicht mehr allein. Acht festangestellte Mitarbeiter, die sich drei Vollzeitstellen teilen, und bis zu 20 ehrenamtliche Helfer unterstützen sie. „Nichts von dem hätten wir gemacht, wenn wir gewusst hätten, wie viel Arbeit es macht“, sagt Heiko Brockhausen.

Und morgen?

Noch ist es nicht soweit. Aber in einigen Jahren wollen die 60-Jährige und der 55-Jährige sich allmählich zurückziehen. Sie sind überzeugt, an der Oberen Straße werde es auch nach ihnen einen Theaterbetrieb geben. Im Gegensatz zu ihnen werden ihre Nachfolger allerdings wohl nicht ohne öffentliche Förderung auskommen – oder nur ein deutlich abgespecktes Programm bieten können.

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